Vorsorge Nur jeder Zweite sorgt vor

Die Deutschen sind zu nachlässig. Banken monieren mangelnde Maßnahmen zur Vermögensbildung.

Berlin - In Deutschland hat einer Umfrage zufolge bisher nur fast jeder zweite Bürger konkrete Maßnahmen zur Vermögensbildung und Vorsorge getroffen. Es reiche keinesfalls aus, dass 45 Prozent der Bevölkerung Schritte eingeleitet hätten und 14 Prozent dies planten, sagte das Geschäftsführende Vorstandsmitglied des DSGV, Holger Berndt, am Montag in Berlin. Es müsse noch mehr getan werden.

Mit Blick auf die Emnid-Studie im Auftrag des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) sagte Verbandspräsident Dietrich Hoppenstedt, die stärkere Vermögensbildung sei eine der drängendsten Aufgaben, vor allem im Bereich der Altersvorsorge. Weder die gesetzliche Rente, noch die so genannte Riester-Rente reichten aus, um eine Absicherung in der Zukunft zu gewährleisten.

Hoppenstedt sagte bei der Vorstellung der Studie, die Eigenvorsorge bei der Riester-Rente schließe nur die Lücken, die künftig durch das Absenken des Rentenniveaus noch auftreten würden. Der DSGV-Präsident bezeichnete die Rentenreform und den Einstieg in die staatliche Förderung der kapitalgedeckten Altersvorsorge zum 1. Januar 2002, der so genannten Riester-Rente, als Zäsur in der Alterssicherung. Nach vielen Jahren des reinen Vertrauens auf das solidarische Umlageverfahren werde den Menschen erstmals klar vermittelt, dass sie durch eigene Vermögensvorsorge eine stärkere Eigenverantwortung für die Altersversicherung übernehmen müssten.

Hoppenstedt kritisierte, dass sich nur knapp ein Drittel der Befragten über die Riester-Rente gut oder sehr gut informiert fühle. Gut ein Fünftel gebe an, überhaupt nicht oder schlecht informiert zu sein. Knapp mehr als die Hälfte der Befragten hält der Studie zufolge ein Eigenengagement für richtig. Für ein Fünftel der Bevölkerung spielten Vermögensbildung und Vorsorge keine Rolle, da sie es nicht finanzieren könnten oder die gesetzliche Rente für ausreichend einschätzten.

DSGV-Vorstand Berndt sagte, die allgemeine Diskussion über das Thema habe bei den Bürgern im Vergleich zum Vorjahr an Bedeutung verloren. Drei Viertel der Menschen hielten es für wichtig, eine finanzielle Absicherung für die Zukunft vorzunehmen, im Gegensatz zu 86 Prozent im Vorjahr. Bei der eingeleiteten Vermögensbildung stehen der Umfrage zufolge die traditionellen Maßnahmen wie Lebensversicherung (67 Prozent), Bausparen (54 Prozent) und Sparbuch (50 Prozent) im Vordergrund. Knapp ein Drittel hätten in Investmentfonds, gut ein Viertel in Aktien investiert.

Der Staat muss nach den Worten Hoppenstedts künftig in seiner Steuer- und Abgabenpolitik den Bürgern wieder stärkere Spielräume zur Vermögensbildung lassen. Der DSGV-Präsident lehnte zudem Vorschläge der Gewerkschaften zur Wiedereinführung der Vermögenssteuer ab.

Mehr lesen über