Mit 50 aussteigen - Fall 1 Der Frühstarter

Einstieg:

Diplomkaufmann startet mit 27 bei einer Unternehmensberatung. Jahreseinkommen: 90.000 Mark.

Aufstieg: Mit 34 rückt er in eine leitende Position auf, er verdient nun 200.000 Mark pro Jahr. Mit 37 steigt er zum Partner auf. Sein Gehalt liegt nun bei 350.000 Mark pro Jahr.

Ausstieg: Rente mit 50.

Familie: Er heiratet mit 29. Mit 30 wird er zum erstenmal Vater. Als er 32 wird, kommt das zweite Kind.

Ziele: Beide Kinder sollen studieren. Wenn er Ende 30 ist, will die Familie in ihr eigenes Haus ziehen.

Lösung 1:
Sicher ankommen
Lösung 2:
Auf Luxus verzichten
Die Analyse
Das Ziel ist ehrgeizig: Ausstieg mit 50 und eine monatliche Rente von 8000 Mark. Ein schuldenfreies Haus zum 50. Geburtstag ist dann allerdings nicht mehr drin. Zins und Tilgung würden das Kapital binden, das der Unternehmensberater braucht, um sich ein Vermögen aufzubauen. Das muß schließlich die Zinsen bringen, von denen er leben will. Baut er das Haus, kann er erst mit 65 in Rente gehen.
Die Analyse
Rente mit 50 und das schuldenfreie Eigenheim sind möglich. Ein Leben in Luxus wird er die kommenden 20 Jahre allerdings nicht führen können. Durch die hohe Kapitalbindung seines Eigenheims kann er ab 50 nur mit 6000 Mark Einkommen (Kaufkraft heute) rechnen.
Die Strategie
Mit 27 bleiben ihm nach Abzug aller Ausgaben rund 1300 Mark für den Aufbau seines Vermögens. Doch zunächst steht etwas anderes im Vordergrund: Die Absicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit. Mittel der Wahl ist eine Direktversicherung. Die kostet 284 Mark Prämie pro Monat. Die Versicherungssumme liegt bei 120.000 Mark. Falls er nicht mehr in seinem Job arbeiten könnte, zahlt ihm der Versicherer 3000 Mark Rente. Darüber hinaus legt der Consultant 990 Mark in einem reinen Aktienfonds an. Damit geht er zwar ein Risiko ein. Aber um den Kapitalaufbau schnell voranzutreiben, muß sein Depot vor allem hohe Renditen abwerfen. Da er sein Geld erst in 20 Jahren braucht, kann er Tiefs an der Börse auch längere Zeit aussitzen. Mit 34 zahlt der Unternehmensberater 1500 Mark Miete. Zum Leben braucht er noch einmal 4300 Mark. Bleiben 3400 Mark für den großen Sparplan. Die Berufsunfähigkeitsrente wird auf 10.000 Mark erhöht. Das Studium seiner Kinder finanziert er über Ausbildungsversicherungen. Die Policen werden jeweils zum 19. Geburtstag von Sohn und Tochter fällig. Die Versicherungssummen liegen bei 68.000 Mark für das erste und 65.000 Mark für das zweite Kind. Monatliche Kosten: 508 Mark. Darüber hinaus fließen nun 2000 Mark in einen zweiten Aktienfonds. Mit 37 mietet der Consultant für 3000 Mark ein Haus. Für Auto, Essen, Urlaub gibt er rund 6600 Mark aus. Die Raten für den Aktienfonds erhöht er auf 3500. Im Falle der Berufsunfähigkeit würde er nun 17.000 Mark Rente bekommen. Insgesamt gibt er für die Absicherung seiner Arbeitskraft jeden Monat 383 Mark aus.
Die Strategie
Mit 27 bleiben dem Unternehmensberater nach Abzug aller Ausgaben monatlich rund 2200 Mark für den Vermögensaufbau. Das Geld legt er in Aktien (65 Prozent), Anleihen (30 Prozent) und Anteile an offenen Immobilienfonds (5 Prozent) an. Mit 34 schließt der Consultant zusätzlich eine private Rentenversicherung ab. Monatliche Prämie: 1250 Mark. Das optimiert die Rendite nach Steuern. Mit den Erträgen seines Depots überschreitet er die Freibeträge und müßte Kapitalertragsteuer bezahlen. Auf die Erträge der Rentenversicherung hat der Fiskus zunächst keinen Zugriff. Er baut sein Wertpapiervermögen weiter aus. Monatlicher Zufluß ins Depot: 4250 Mark. Für die Ausbildung der Kinder legt er keine gesonderten Rücklagen an. Das Studium will er später aus seinem Einkommen finanzieren. Mit 37 kauft der Berater für 660.000 Mark ein Einfamilienhaus auf dem Land. Für den Bau löst er sein Wertpapierdepot auf und leiht sich 235.000 Mark von der Bank. Zu diesem Zeitpunkt hat er noch Anspruch auf Eigenheimzulage und Baukindergeld. Die Zinsen schreibt er zunächst auf fünf Jahre fest. Danach folgt eine Sondertilgung von 90.000 Mark. Ansonsten zahlt er den Kredit mit einer Rate von 4 Prozent pro Jahr zurück. Damit ist das Eigenheim zum 50. Geburtstag schuldenfrei. Die Familie sichert er über eine Risikolebensversicherung ab, deren Versicherungssumme mit steigendem Vermögen fällt.
Das Ergebnis
Mit Anfang 50 hat der Unternehmensberater so ein Kapital von 2,4 Millionen Mark angesammelt. 450.000 Mark legt er in einem gemischten Fonds an, der zu 75 Prozent in Anleihen und zu 25 Prozent in Aktien investiert. Dieses Geld läßt er bis 65 stehen. Die übrigen 1,95 Millionen braucht der Aussteiger, um sich für die Zeit bis zum 65. Geburtstag eine monatliche Rente von 8000 Mark (heutiger Wert) zu finanzieren. Dieses Kapital steckt er in einen ähnlich strukturierten Fonds und gibt es bis zu seinem 65. Geburtstag vollständig aus. Mit 65 hat sich aus den mit 50 investierten 450 000 Mark ein Vermögen von etwa 1,36 Millionen Mark entwickelt. Dann werden rund 490.000 Mark aus seiner Direktversicherung fällig. Darüber hinaus bekommt er 2000 Mark monatlich aus der gesetzlichen Rentenkasse. Insgesamt kann der Unternehmensberater ab Mitte 60 mit einem monatlichen Einkommen von rund 6000 Mark rechnen. Sein Kapital bleibt in seinem konservativen Mischfonds. Einen Teil legt er in eine sofort beginnende Rentenversicherung.
Nachdem er zum Partner aufrückt, kauft er sich für 550.000 Mark eine Eigentumswohnung als Kapitalanlage. Monatliche Mieteinnahmen: Rund 1600 Mark. Die Wohnung finanziert er vollständig über einen Kredit. Für den Aufbau des Wertpapierdepots bleibt in den nächsten fünf Jahren wenig übrig, da er den Kredit über eine Lebensversicherung tilgen will. Dafür zahlt er über fünf Jahre insgesamt 280.000 Mark in ein Beitragsdepot und läßt das Geld insgesamt zwölf Jahre stehen. Während der letzten sieben Jahre belasten ihn nur die Kreditzinsen. Mit der Versicherungssumme zahlt er anschließend den Kredit zurück. Diese Konstruktion hat steuerliche Vorteile. Mit den Zinsen reduziert er seine Einkommensteuer, die Erträge der Police bleiben steuerfrei. Nachdem der Consultant das Beitragsdepot seiner Lebensversicherung aufgefüllt hat, legt er monatlich rund 11.000 Mark in sein Wertpapierdepot. Das Ergebnis
Bis 50 kommt der Unternehmensberater auf ein Wertpapiervermögen von 1,5 Millionen Mark. Die Mietwohnung stößt er ab, und sein Portefeuille stockt er auf 2,1 Millionen Mark auf. Das Depot wird deutlich konservativer: 60 Prozent Anleihen und 40 Prozent Aktien. Bis zu seinem 57. beziehungsweise 59. Lebensjahr muß er noch jeden Monat 3500 Mark für die Ausbildung seiner Kinder aufbringen. Ab 50 kann er insgesamt mit einem Einkommen von 6000 Mark monatlich (heutiger Wert) rechnen.

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