Mit 50 aussteigen Wer den Ausstieg plant, muss verzichten können

Die meisten Mandanten halten regelmäßigen Kontakt zu ihrem Finanzplaner. Immer wieder fordern familiäre und berufliche Veränderungen ein Umdenken und einen Wechsel der Strategie. Heirat, Kinder oder eine Scheidung verändern die Ziele oder die finanziellen Ressourcen. Dann gilt es, die Vermögensstruktur umzustellen und anzupassen.

In den mm-Szenarien sind Zwischenchecks eingebaut. Dabei werden zwei Dinge deutlich: Wenn ein bestimmter Lebensstandard erreicht ist, muß jede neue Gehaltserhöhung für die Vermögensbildung eingesetzt werden. Sonst ist das Ziel, mit 50 den Job zu quittieren, nicht zu schaffen.

Wer den Ausstieg plant, muß verzichten können. Der Unternehmensberater aus der Fallstudie sollte das Eigenheim besser vergessen. "Zins- und Tilgungszahlungen verhindern, daß sein Kapitalstock groß genug wird, um allein von den Zinsen leben zu können", warnt Allianz-Vermögensplaner Walter.

Bei den eigenen vier Wänden wird die fehlende Logik, mit der viele Anleger ihren Vermögensaufbau planen, besonders deutlich. In einer Infratest-Umfrage im Auftrag der Commerzbank fielen emotionale Gründe wie "mehr Freiheit" oder "Immobilie als Statussymbol" kaum ins Gewicht. Immerhin gaben 83 Prozent dagegen an, daß sie ein eigenes Haus für eine sinnvolle Kapitalanlage halten. Gerade dazu taugt es in den wenigsten Fällen. Das Eigenheim bindet Kapital und wirft keine Erträge ab. Statt Mieten fallen Instandhaltungskosten und Steuern an. Zudem wird der Altersruhesitz ohnehin selten verkauft, um Wertsteigerungen zu realisieren. Was beim Vermögensaufbau zählt, sind renditestarke Anlagen. Nur damit wird finanzielle Unabhängigkeit möglich – auch ohne Millioneneinkommen.

Kaum jemand mag sich allerdings schon mit Ende 20 dem Thema widmen. Fällt es doch äußerst schwer, gerade dann zu sparen, wenn man viel Geld für Möbel, Autos und die Kinder braucht. So treffen die meisten mit 45 Jahren oder später zum ersten Mal in ihrem Leben auf einen Finanzplaner.

Dann wird es schwierig. Der 50jährige Geschäftsführer, der bei Delbrück Rat sucht, ist ein alltäglicher Fall. Seine Geldangelegenheiten hat er stets selbst geregelt, Entscheidungen aus dem Bauch heraus getroffen.

Die Strategie, in erster Linie den Fiskus auszutricksen, endet mit Magerrenditen. Sein Vermögen wirft nur traurige 1,3 Prozent im Jahr ab. Das Eigenheim, vier Eigentumswohnungen in Düsseldorf, Beteiligungen an Berliner Bürotürmen und an einem Einkaufszentrum in Leipzig treiben den Immobilienanteil seines Vermögensportefeuilles auf 73 Prozent. Dazu kommen Schiffsbeteiligungen und Leasingfonds, die heute gerade mal die Hälfte des ursprünglichen Kapitaleinsatzes wert sind.

Nur mit einer radikalen Sanierung der Finanzen ist an einen vorgezogenen Ausstieg aus dem Job zu denken. Selbst dann muß der Mann, der sein Vermögen vor der Beratung auf knapp sechs Millionen Mark taxierte, bis zum 56. Lebensjahr warten.

Keine Frage: Der Ausweg liegt in der strukturierten Finanz- und Vermögensplanung. In den USA sind Financial Planner längst Standard. Eine Beschwerdestelle sorgt für die Qualität der Anbieter. Ein schlechter Berater verliert schnell seine Lizenz.

Auch deutsche Anleger entdecken die Finanzplaner. Ihnen ein Honorar zu zahlen – früher für die meisten kaum vorstellbar – ist kein Tabu mehr. Booz Allen & Hamilton-Mann Tilmes fand heraus, daß gehobene Privatkunden im Schnitt 4500 Mark für eine umfassende Vermögensanalyse und -strategie zahlen würden. Und die Zufriedenheit ist hoch. Knapp 90 Prozent der Befragten, die eine Finanzberatung hinter sich hatten, würden denselben Weg noch einmal beschreiten.

Eine Finca auf Mallorca? Eine Segeljacht in der Karibik? Ein Ferrari in der Garage? Und das so früh wie möglich? Aus fünf Billionen Mark müßte sich doch einiges machen lassen.

Die Edel-Aussteiger - Drei Szenarien im Überblick


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