Nach Hacker-Angriff auf Pipeline FBI greift auf digitale Wallet zu und stellt Bitcoin sicher

Nach dem Hackerangriff auf die größte Benzin-Pipeline in den USA haben Ermittler den Großteil einer Lösegeldzahlung in der Digitalwährung Bitcoin wiedererlangt. Ein Teil der Lösegeldsumme hat sich durch den jüngsten Bitcoin-Kursrutsch in Luft aufgelöst.
Ermittlerin Lisa Monaco: Knapp 64 Bitcoin im Wert von 2,3 Millionen Dollar sichergestellt. Das FBI vermutet russische Hacker hinter der Cyberattacke auf das Pipeline-Unternehmen

Ermittlerin Lisa Monaco: Knapp 64 Bitcoin im Wert von 2,3 Millionen Dollar sichergestellt. Das FBI vermutet russische Hacker hinter der Cyberattacke auf das Pipeline-Unternehmen

Foto: JONATHAN ERNST / POOL / EPA

Dem FBI sei es gelungen, eine digitale Geldbörse (Wallet) zu identifizieren, die Hacker mutmaßlich benutzt haben, um eine Zahlung des betroffenen Unternehmens einzutreiben, sagte der stellvertretende FBI-Direktor Paul Abbate. Es seien 63,7 Bitcoin mit einem Wert von aktuell 2,3 Millionen Dollar wiederbeschafft worden, ergänzte die Staatsekretärin im Justizministerium Lisa Monaco.

Das Unternehmen Colonial Pipeline hatte Anfang Mai mitgeteilt, Opfer eines Hackerangriffs geworden zu sein. In der Folge wurde der Betrieb der Pipeline, durch die etwa 45 Prozent aller an der US-Ostküste verbrauchten Kraftstoffe laufen, zeitweise komplett eingestellt. In Teilen des Landes kam es zu Benzinengpässen. Besonders schwer betroffen war die Hauptstadt Washington, wo zeitweise 88 Prozent der Tankstellen keinen Treibstoff mehr hatten. "Das war ein Angriff auf eine unserer wichtigsten nationalen Infrastrukturen", erklärte Lisa Monaco vom US-Justizministerium.

Russische Hacker hinter Cyberangriff auf Colonial vermutet

Die US-Regierung vermutet hinter der Tat Hacker der Gruppe DarkSide aus Russland. Sowohl US-Behörden als auch IT-Sicherheitsexperten raten Unternehmen dringend davon ab, Lösegeld zu zahlen, um Cyber-Kriminellen keine Anreize für Erpressungen zu bieten. Doch der Pipeline-Betreiber zahlte, wie Unternehmenschef Joseph Blount Ende Mai im "Wall Street Journal" einräumte. Er habe eine Zahlung von rund 4,5 Millionen Dollar autorisiert. Die umstrittene Entscheidung erklärte Blount damit, dass sich das Unternehmen über das Ausmaß der verursachten Systemschäden unsicher gewesen sei.

Nach Angaben des US-Justizministeriums hatte Colonial Pipeline das FBI rasch darüber unterrichtet, dass DarkSide in das Computernetzwerk eingedrungen sei und das Unternehmen das geforderte Lösegeld in Höhe von 75 Bitcoin entrichtet habe. Bei sogenannten Ransomware-Attacken werden Daten auf Computern verschlüsselt - und die Angreifer verlangen meist Lösegeld für die Freigabe. Es wurden auch schon früher Fälle bekannt, in denen Unternehmen zahlten. Es ist aber ausgesprochen selten, das Geld zurückzubekommen.

In der Wallet konnte das FBI zumindest 63,7 der gezahlten 75 Bitcoin sicherstellen - deren Wert aber seit der Zahlung des Lösegeldes gesunken ist. Colonial-Chef Blount lobte die Arbeit der FBI-Ermittler in einer Mitteilung. Er erklärte zudem, der private Sektor müsse Cyberbedrohungen ernst nehmen und investieren, um sich besser dagegen zu verteidigen.

Gefahr durch Ransomware-Angriffe hat zugenommen

"Ransomware-Angriffe haben im vergangenen Jahr an Umfang und Raffinesse zunehmen und zielen auf unsere wichtige Infrastruktur, Unternehmen aller Art, ganze Städte und sogar Strafverfolgungsbehörden ab", erklärte Monaco vom Justizministerium. "Ransomware und digitale Erpressung sind eine Bedrohung für die nationale und wirtschaftliche Sicherheit der Vereinigten Staaten."

Nur wenige Wochen nach dem Angriff auf die Benzin-Pipeline war der weltgrößte Fleischkonzern JBS von einer massiven Cyberattacke getroffen worden. Große Teile der Produktion in Nordamerika und Australien wurden lahmgelegt.

la/dpa-afx