Sorgen um US-Ölversorgung Ölpreis gibt nach Entspannung im Pipeline-Hack etwas nach

Seit Tagen stören Hacker mit einem Angriff auf eine wichtige Pipeline die Öl- und Benzinversorgung in einem großen Teil der USA. Selbst der Ölpreis zog leicht an - Zeichen der Entspannung lassen ihn nun wieder etwas nachgeben.
Tankstelle in den USA: Der Angriff auf die Pipeline brachte die Benzinversorgung in einem großen Teil der USA in Gefahr

Tankstelle in den USA: Der Angriff auf die Pipeline brachte die Benzinversorgung in einem großen Teil der USA in Gefahr

Foto: JUSTIN SULLIVAN/ AFP

Die Ölpreise sind am Dienstag im frühen Handel leicht gefallen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 67,72 US-Dollar. Das waren 60 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 55 Cent auf 64,37 Dollar.

Eine nach einem Cyberangriff ausgefallene US-Ölpipeline soll nach Angaben des Betreibers bis Ende der Woche wieder weitgehend laufen. Der Ausfall der Pipeline, über den ein großer Teil der Ölversorgung der amerikanischen Ostküste läuft, hat am Erdölmarkt bisher nur zeitweise für steigende Preise gesorgt. Ein längerer Ausfall dürfte jedoch zu Engpässen in der Benzin- und Dieselversorgung führen.

"Eine längere Unterbrechung der Pipeline hätte weitreichende Auswirkungen auf den Ölmarkt - nicht nur in den USA, auch in Europa", prognostizieren die Rohstoffexperten der Commerzbank. So würden die USA die fehlenden Mengen Benzin auch in Europa nachfragen. "In der Folge könnten also auch hier die Benzinpreise steigen."

Unterdessen hat Russland nach dem Hackerangriff auf die größte US-Pipeline Vorwürfen der USA über eine Beteiligung russischer Hacker widersprochen. "Wir weisen die haltlosen Erfindungen einzelner Journalisten kategorisch zurück", erklärte die russische Botschaft in den USA am Dienstag. Russland übe keine "bösartigen" Aktivitäten im Netz aus.

Wer steckt hinter der Attacke?

US-Präsident Joe Biden (78) hatte am Montag mitgeteilt, es gebe keine Beweise für eine Verantwortung der russischen Regierung an dem Angriff auf die Colonial-Pipeline. Wohl aber gebe es Hinweise, dass die verantwortlichen "Akteure" in Russland seien und die Schadsoftware von dort stamme.

Eine Ermittlung des FBI ergab, dass hinter den Angreifern die Gruppe Darkside stecken könnte. Die Gruppe wird verdächtigt, seit dem vergangenen Jahr mehrere Computersysteme von Unternehmen mit einer sogenannten Ransomware angegriffen zu haben. Mit einem solchen Schadprogramm versuchen Hacker, Computersysteme zu sperren oder zu verschlüsseln und von den Nutzern Geld für die Freigabe der Daten zu erpressen.

Das Unternehmen Colonial Pipeline mit Sitz im Bundesstaat Georgia hatte am Samstag erklärt, zum Ziel einer Hackerattacke geworden zu sein. Nach dem Angriff wurde das gesamte Rohrleitungsnetz der Firma, das von Texas bis in den Großraum New York führt, vorübergehend stillgelegt.

Die Colonial-Pipeline ist gemessen am transportierten Volumen die größte Pipeline der USA. Jeden Tag fließen mehr als 2,5 Millionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) an Benzin, Diesel, Kerosin und anderen Erdölprodukten durch die Rohrleitungen.

Zuletzt waren die Hacker, die offenbar für den Angriff auf die Pipeline verantwortlich sind, allerdings ein Stück zurückgerudert. In einer ungewöhnlichen Mitteilung  äußerten die Hacker, die sich in den Tagen zuvor bedeckt gehalten hatten, am Montag ihr Bedauern. "Wir sind unpolitisch", heißt es in dem Statement. "Unser Ziel ist es, Geld zu verdienen, nicht der Gesellschaft Probleme zu bereiten." Künftig werde die Gruppe größere Zurückhaltung üben und vorab prüfen, welche Ziele ihre Partner mit Ransomware ins Visier nehmen.

cr/dpa-afx, AFP
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