Bedenken der Geheimdienste Topmanager von weltgrößtem Staatsfonds tritt zurück – wegen chinesischer Ehefrau

Jon Nicolaisen hat seit Jahren den Kurs von Norwegens Staatsfonds mitbestimmt. Nun tritt er mit sofortiger Wirkung zurück, weil ihm die Behörden keine erneute Sicherheitsfreigabe erteilt haben.
Ehemann: Norwegens stellvertretender Zentralbankgouverneur Jon Nicolaisen.

Ehemann: Norwegens stellvertretender Zentralbankgouverneur Jon Nicolaisen.

Foto: David Stubbs / REUTERS

Jon Nicolaisen (61) war bislang zwar bloß der stellvertretende Gouverneur der norwegischen Zentralbank. An den Finanzmärkten aber spielt er eine wichtige Rolle. Er beaufsichtigte in seiner Funktion nämlich den etwa 1,2 Billionen Dollar schweren norwegischen Staatsfonds (NBIM). Gemeinsam mit dem kürzlich ernannten NBIM-Chef Nicolai Tangen (54) und dessen Vorgänger Yngve Slyngstadt (58) hat er über die Anlagepolitik des weltgrößten Staatsfonds bestimmt – und damit über den Reichtum des Landes. Bis jetzt zumindest. Denn an diesem Freitag kündigte Nicolaisen überraschend seinen umgehenden Rücktritt an, weil sein Antrag auf erneute Sicherheitsfreigabe abgelehnt worden sei – wegen seiner chinesischen Ehefrau.

"Die norwegische Behörde für zivile Sicherheitsfreigabe teilt mir mit, dass ich keine erneute Sicherheitsfreigabe erhalten werde, weil meine Frau chinesische Staatsbürgerin ist und in China lebt, wo ich sie finanziell unterstütze", sagte Nicolaisen. An ihm persönlich oder seinem Verhalten gebe es keinerlei Zweifel, aber das reiche nicht aus. "Ich habe nun die Konsequenzen daraus ziehen müssen."

Norwegens strikter Sicherheitskurs fordert damit ein prominentes Opfer. Der Nato-Staat ist in den letzten Jahren in Bezug auf die Sicherheitsfreigaben strenger geworden, was insbesondere Paare vor Probleme stellt, wenn einer der Ehepartner aus einem Land stammt, mit dem Norwegen keine Sicherheitszusammenarbeit unterhält.

Dahinter steht die Sorge, den Reichtum des Landes zu verteidigen. Norwegen ist Westeuropas größter Erdölproduzent mit einer täglichen Öl- und Gasproduktion von rund 4 Millionen Barrel Öläquivalent. Der norwegische PST-Geheimdienst hatte erst am Donnerstag erklärt, dass Russland, China und andere Länder Spionage einsetzen würden, um Geheimnisse der norwegischen Ölindustrie und der Pläne der norwegischen Regierung, die Öl- und Gasproduktion zu drosseln oder zu erhöhen, herauszufinden.

Nicolaisen ist laut Zentralbank seit 2010 mit seiner Frau verheiratet. Seit 2014 war er stellvertretender Gouverneur der Norges Bank und wurde erst im April dieses Jahres für eine zweite Amtszeit ernannt. In seiner Funktion war er beteiligt an der Geldpolitik und zuständig für die Aufsicht über den NBIM, in dem das Land die Einnahmen aus seinem Gas- und Ölgeschäft verwaltet. Nicolaisen habe seine Aufgaben als enger Kollege und kompetenter Fachmann hervorragend erfüllt, sagte Zentralbankchef Oeystein Olsen (68) in einer Erklärung.

lhy/Reuters
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