Starkes Online-Geschäft Anleger lassen Kurs der Nike-Aktie nach oben springen

Nike schafft dank eines boomenden Online-Geschäfts in der Corona-Krise die Trendwende. Die Aktie zieht in der Spitze um 13 Prozent an - und zieht die Papiere von Adidas und Puma mit hoch.
Lässig am Strand - aber online bestellt: Immer mehr Kunden kaufen Nike-Produkte im Internet.

Lässig am Strand - aber online bestellt: Immer mehr Kunden kaufen Nike-Produkte im Internet.

Foto: imago stock&people / imago images/Michael Eichhammer

Nach starken Geschäftszahlen von Nike  ist der Aktienkurs des weltgrößten Sportartikelkonzerns am Mittwoch im vorbörslichen Handel auf ein Rekordhoch gestiegen. In der Spitze wurden an der Börse Nasdaq 132,38 US-Dollar für die Papiere bezahlt, das waren gut 13 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Vortag. Vom Tief Mitte März bei 60 Dollar hat sich der Kurs mehr als verdoppelt.

Nike habe in den Monaten Juni bis August "die Erwartungen klar geschlagen", schrieb Analyst James Grzinic von der US-Bank Jefferies. Dazu beigetragen habe der Großhandel auf dem Heimatmarkt, eine beeindruckende Erholung in Lateinamerika sowie weitere Fortschritte auf den europäischen Märkten. Weltweit deuteten die Zeichen auf einen Abbau von Lagerbeständen hin. Das Zahlenwerk von Nike lasse auch für Adidas  und Puma  höhere Schätzungen erwarten. Aktien von Adidas und Puma zogen am Vormittag jeweils um mehr als 5 Prozent an.

Online-Umsatz steigt um 82 Prozent

Nike hat dank eines boomenden Online-Geschäfts in der Corona-Krise die Trendwende geschafft. Der Umsatz schrumpfte im ersten Quartal 2020/21 (per Ende August) nur marginal auf 10,6 Milliarden Dollar, weil das Geschäft im Internet um 82 Prozent nach oben schnellte, wie der größere Adidas-Konkurrent in der Nacht zum Mittwoch mitteilte. In Europa haben sich die Online-Umsätze sogar mehr als verdoppelt.

"Digital ist die neue Normalität. Der Verbraucher ist heute digital verwurzelt, und das wird sich schlicht nicht mehr ändern", zeigte sich Vorstandschef John Donahoe (60) überzeugt. Niedrigere Verwaltungskosten brachten Nike einen Nettogewinn von 1,52 Milliarden Dollar, 11 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Donahoe ist seit Mitte Januar Chef von Nike und hatte zwischen 2008 und 2015 den Online-Marktplatz Ebay geführt.

Die großen Sportartikelhersteller hatten im Frühjahr mit wochenlang geschlossenen Läden zu kämpfen, Lagerbestände türmten sich bei den Zulieferen oder in den Geschäften. In Lateinamerika haben wegen der dort wütenden Corona-Pandemie immer noch nicht alle Sportgeschäfte wieder geöffnet. Und selbst wo sie offen sind, kommt meist noch weniger Kundschaft, wie Nike einräumte.

Lagerbestände verringern sich, Umsätze sollen kräftig steigen

Im letzten Geschäftsquartal von März bis Mai hatte Nike einen Verlust von 790 Millionen Dollar ausgewiesen. Doch die weltweite Nummer eins hat sich schnell auf die neuen Verhältnisse eingestellt. Der Verkauf über das Internet machte zuletzt rund ein Drittel des Gesamtumsatzes aus. Die Lagerbestände lägen noch 15 Prozent über dem Vorjahresniveau, aber 9 Prozent niedriger als im vierten Quartal.

Mit Blick auf das gesamte Geschäftsjahr zeichnete Finanzchef Matt Friend (42) ein optimistisches Bild: Der Umsatz werde um einen hohen einstelligen oder sogar einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz zulegen, wobei er in der ersten Jahreshälfte noch auf der Stelle treten werde. Analysten hatte Nike im Schnitt bisher nur ein Plus von knapp sechs Prozent zugetraut. Die Marge werde aber davon abhängen, welcher Teil der Lagerbestände sich nur verbilligt im Fabrikverkauf losschlagen lasse. Friend hofft auf eine stabile Bruttomarge.

In China zog der Umsatz dank Online- und Fabrikverkäufen bereits im ersten Quartal um 6 Prozent an, in Europa und den angrenzenden Regionen um 5 Prozent.

rei/Reuters/dpa