Schwächelndes Streaming-Geschäft Netflix enttäuscht Investoren – Aktie bricht ein

Für Streamingdienste lässt der Pandemie-Hype nach. Der Wettbewerb wird härter. Platzhirsch Netflix enttäuscht mit schwachem Wachstum und mauem Ausblick – die Aktie verliert zweistellig.
Hollywood-Star Meryl Streep als US-Präsidentin im Netflix-Hit "Don't look up": Der Wettbewerb im Streaming-Geschäft wird härter

Hollywood-Star Meryl Streep als US-Präsidentin im Netflix-Hit "Don't look up": Der Wettbewerb im Streaming-Geschäft wird härter

Foto: Netflix / imago images/ZUMA Press

Der Streaming-Marktführer Netflix rechnet nach dem Corona-Boom nur noch mit schwachem Nutzerwachstum. Für das laufende Quartal erwartet das Unternehmen lediglich 2,5 Millionen neue Kunden, wie es am Donnerstag nach US-Börsenschluss in Los Gatos mitteilte. Damit blieb Netflix deutlich unter den Prognosen der Analysten. Die Aktie stürzte nachbörslich zeitweise um rund 20 Prozent ab.

Im letzten Quartal 2021 legte die weltweite Anzahl der Abonnenten dank Streaming-Hits wie "Squid Game" noch um gut acht Millionen auf insgesamt knapp 222 Millionen zu. Auch finanziell lief es zuletzt weiter rund: Im Schlussquartal stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreswert um 16 Prozent auf 7,7 Milliarden Dollar. Der Gewinn wuchs um rund 12 Prozent auf 607 Millionen Dollar (537 Millionen Euro).

Netflix hatte vor allem zu Beginn der Pandemie einen regelrechten Kundenansturm erlebt, doch das Wachstum flaut schon länger ab. Der Streaming-Riese kämpft mit starker Konkurrenz - Rivalen wie Disney+, Hulu und HBO Max rüsten auf, zudem sind neue Anbieter wie Peacock und Paramount+ hinzugekommen. Im Quartalsbericht räumte Netflix ein, dass sich der Wettbewerb intensiviert habe, da Entertainment-Konzerne weltweit ihre eigenen Streaming-Services entwickelten.

Experten fürchten Streaming-Übersättigung

Die maue Prognose für das laufende Quartal begründete Netflix auch mit wenigen geplanten Streaming-Premieren. So würden etwa die neue Staffel der Hit-Serie "Bridgerton" und der mit Spannung erwartete Science-Fiction-Blockbuster "The Adam Project" erst im März starten. Doch auch im Schlussquartal 2021, als Netflix mit vielen neuen Serien und Filmen aufwartete und sein bislang stärkstes Angebot versprach, wurde das eigene Ziel von 8,5 Millionen Neukunden knapp verfehlt.

Experten werfen schon länger die Frage auf, ob das Streaming-Geschäft auf eine Übersättigung zusteuert. Netflix setzt wegen der verhaltenen Wachstumsaussichten in etablierten Märkten wie Nordamerika stark auf seine internationale Expansion. Besonderen Erfolg hatten zuletzt etwa Produktionen aus Südkorea. Asien und Europa waren 2021 mit je über sieben Millionen neuen Nutzern die wichtigsten Märkte für Netflix. In den USA und Kanada kam nur gut eine Million an neuen Kunden hinzu.

Der trübe Geschäftsausblick von Netflix brachte nachbörslich auch die Aktien anderer Streaming-Anbieter kräftig unter Druck. Für den Unterhaltungsgiganten Walt Disney ging es zeitweise um rund 5 Prozent nach unten, für Roku - den führenden US-Hersteller von Streaminggeräten - sogar um über 6 Prozent. Auch der Mutterkonzern des Netflix-Konkurrenten Paramount+, ViacomCBS, und der Live-Sport-Streaming-Dienst FuboTV erlitten deutliche Kursverluste.

cr/dpa-afx
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