US-Konzern Moderna hofft auf Zulassung im Dezember Erst BioNTech, jetzt Moderna - zwei Impfstoffe möglich vor Jahresende

Der US-Konzern Pfizer und sein Mainzer Partner BioNTech sind zuversichtlich, im November eine Notfallzulassung für einen Impfstoff gegen das Coronavirus zu erhalten. Im Dezember könnte es auch beim US-Konzern Moderna so weit sein.
Hofft auf rasche Zulassung des Impfstoffs: Moderna-Chef Stéphane Bancel heizt den Wettlauf mit Pfizer, Biontech und Curevac an

Hofft auf rasche Zulassung des Impfstoffs: Moderna-Chef Stéphane Bancel heizt den Wettlauf mit Pfizer, Biontech und Curevac an

Foto: Adam Glanzman

Das Rennen um Corona-Impfstoffe geht weiter: Der Arzneimittelhersteller Moderna erwartet mit etwas Glück eine US-Notfallzulassung für den eigenen Corona-Impfstoff im Dezember. Die Voraussetzung dafür sei, dass Moderna im November in einer Studie positive Zwischenergebnisse erziele, führte der Vorstandsvorsitzende Stéphane Bancel  (48) auf einer Veranstaltung des "Wall Street Journal" aus.

Mit einer Notfallzulassung der amerikanischen Behörde für Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) könnten Teile der US-Bevölkerung - zum Beispiel medizinisches Personal oder ältere Menschen - auch vor der offiziellen Zulassung geimpft werden.

Am Freitag hatte bereits der US-Pharmakonzern Pfizer, der mit der deutschen Firma BioNTech  kooperiert, angekündigt, möglicherweise im November eine Notfallzulassung in den USA für seinen Impfstoff zu beantragen. Die Voraussetzung sei, dass die Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit bei der laufenden Erprobung positiv seien.

Moderna und Pfizer/BioNTech gehören zu den Firmen mit besonders aussichtsreichen Impfstoffkandidaten. Sie erforschen bereits in der entscheidenden Phase mit Tausenden Probanden, ob ihre Mittel tatsächlich vor einer Corona-Infektion schützen.

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Diese Impfstoffprojekte gegen Covid-19 sind am weitesten

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Pfizer peilt dritte Novemberwoche an

Am Freitag hatten Pfizer und BioNTech in Aussicht gestellt, dass sie bereits im November in den USA eine Notfallzulassung für einen gemeinsam entwickelten Impfstoff  beantragen werden, sofern die noch ausstehenden Studien in den kommenden Wochen positiv verlaufen. Dafür müsse sowohl eine Wirksamkeitsstudie als auch eine Verträglichkeitsstudie abgeschlossen sein. Nachdem zuletzt gleich zwei Phase-3-Studien großer Pharmakonzerne unterbrochen werden mussten, weil bei Probanden Nebenwirkungen aufgetreten waren, stärken Pfizer und BioNTech nun die Hoffnung, dass noch in diesem Jahr ein Impfstoff gegen das Corona-Virus zugelassen werden könnte.

Ende Oktober könnten die beiden Partner wissen, ob der Impfstoff wirksam sei, erklärte Pfizer-Chef Albert Bourla (58) am Freitag. In der dritten Novemberwoche könnten die Unternehmen dann auch genügend Daten zur Sicherheit des Impfstoffes vorliegen haben. Unter der Annahme positiver Daten könnte bald nach Erreichen dieses Sicherheitsmeilensteins eine Notfallgenehmigung in den USA beantragt werden.

In der Hoffnung auf die rasche Zulassung ihres Corona-Impfstoffs waren Anleger zuletzt verstärkt bei den beiden Impfstoffentwicklern Pfizer  und BioNTech  eingestiegen. Die Aktie von Biontech ließ dabei die Marke von 80 Euro zeitweise hinter sich und nähert sich ihrem Rekordhoch.

Mehrheit bereit zur Impfung

Bislang ist international noch kein Corona-Impfstoff auf dem Markt. Russland hatte im August als weltweit erstes Land einen Impfstoff zugelassen, der aber weniger als zwei Monate an Menschen getestet wurde. Weltweit wird fieberhaft an Impfstoffen gegen das Coronavirus geforscht und US-Präsident Donald Trump hatte wiederholt angekündigt, dass ein solcher noch vor den Präsidentschaftswahlen am 3. November zur Verfügung stehen könnte. Danach sieht es aber nicht aus.

Biontech und Pfizer gehören neben dem US-Biotechkonzern Moderna und der britischen AstraZeneca zum Kreis der führenden Unternehmen im Rennen um einen Impfstoff. Die Studie von AstraZeneca liegt in den USA aber nach der Erkrankung einer Probandin immer noch auf Eis, obwohl sie in anderen Ländern wieder aufgenommen wurde, und Moderna erwartet Studienergebnisse im November.

Die meisten Menschen würden sich einer weltweiten Studie zufolge auf Empfehlung ihrer Regierung oder ihres Arbeitgebers gegen Covid-19 impfen lassen. 71,5 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, dass sie sehr oder eher wahrscheinlich einen Corona-Impfstoff nehmen würden. 61,4 Prozent erklärten, sie würden eine entsprechende Empfehlung ihres Arbeitgebers akzeptieren. An der Studie des Vaccine Confidence Projekts, das unter anderem von der Europäischen Kommission und Pharmaunternehmen finanziert wird, nahmen im Juni weltweit 13.000 Menschen in 19 Ländern teil.

Besonders hohe Zustimmung kam aus China, wo rund 90 Prozent der Studienteilnehmer einen Impfstoff nehmen würden, in Russland waren es dagegen weniger als 55 Prozent.

la/reuters