Milliardenflop mit erfundener Währung Anklage gegen Krypto-Luftnummer Onecoin steht

Dieser Fall zeigt, warum viele Menschen Kryptowährungen scheuen: Mehr als drei Milliarden Euro steckten Investoren in die Digitalwährung Onecoin - doch die war frei erfunden. Jetzt gibt es eine Anklage.
Erfundene Konkurrenz für Bitcoin: Die Kryptowährung Onecoin gab es nie - dafür gibt es jetzt einen Prozess gegen die Onecoin-Geschäftspartner

Erfundene Konkurrenz für Bitcoin: Die Kryptowährung Onecoin gab es nie - dafür gibt es jetzt einen Prozess gegen die Onecoin-Geschäftspartner

Foto: Marijan Murat/ dpa

Bei der Aufarbeitung des milliardenschweren Onecoin-Anlageskandals rückt ein erster Strafprozess in Deutschland in greifbare Nähe. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld habe eine Anklage gegen drei Beschuldigte eingereicht, teilte das Landgericht Münster mit. Ob die Anklage zugelassen wird, ist noch offen. Zuvor hatte die "Wirtschaftswoche" darüber berichtet.

Onecoin war eine frei erfundene Kryptowährung einer Unternehmerin aus Bulgarien, die in Süddeutschland aufwuchs. Von 2015 an versprach Ruja Ignatova (40) rosige Aussichten für das Konkurrenzprodukt zum Bitcoin und sammelte viel Geld ein, laut US-Ermittlern sollen es insgesamt vier Milliarden US-Dollar (3,35 Milliarden Euro) sein. Bei Auftritten vor großen Menschenmengen wurde sie als neue "Krypto-Queen" bejubelt. 2017 tauchte sie unter.

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Die im selben Jahr begonnenen Ermittlungen der Bielefelder Staatsanwaltschaft betrafen den mutmaßlichen Betrug, der sich in Deutschland abgespielt haben soll - es geht um Onecoin-Geschäftspartner hierzulande.

Die wichtigsten Kryptowährungen der Welt

Der Bitcoin ist die bei Weitem älteste und bekannteste Digitalwährung. Er hat zudem mit aktuell etwa 60 Prozent den größten Marktanteil unter den derzeit rund 7000 Kryptowährungen. Entstanden ist der Bitcoin zu Zeiten der Finanzkrise 2008. Sein Erfinder ist bis heute nur unter einem Decknamen bekannt. Wichtigste Merkmale des Bitcoins sind seine dezentrale Organisation und die Verwendung der Datenbanktechnik "Blockchain". Beides zusammen sichert den Bitcoin-Nutzern ein hohes Maß an Anonymität: Zahlungen in Bitcoin sind praktisch nicht nachzuverfolgen.

Mehr als 300 Millionen Euro von Anlegern eingesammelt

Zwei Personen wird vorgeworfen, Zahlungsdienste ohne Erlaubnis betrieben und mehr als 300 Millionen Euro von Anlegern unter anderem auf die Kaimaninseln überwiesen zu haben. Einer weiteren Person legen die Ankläger vorsätzliche Geldwäsche und Mithilfe bei den Auslandsüberweisungen zur Last. Dabei soll der Beschuldigte billigend in Kauf genommen haben, dass das angebliche Kryptogeld im Zentrum eines gewerbsmäßigen Betrugs gestanden habe.

Der Anwalt des dritten Beschuldigten teilte mit, er werde die Nichteröffnung des Hauptverfahrens mangels hinreichenden Tatverdachts beantragen. Die Gesetzeslage sei anfällig für Irrtümer und komplex, dies dürfe nicht zulasten seines Mandanten gehen, sagte Anwalt Michael Heuchemer. Sein Mandant habe bei Onecoin erst mitgemacht, "nachdem das Konzept bereits mehr als anderthalb Jahre etabliert war; er glaubte genauso wie damals maßgebliche Teile der Finanzwelt an die Seriosität des Unterfangens". Seine Kontakte habe er recht schnell wieder eingestellt.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hatte 2017 Konten sperren lassen, die in Deutschland für Onecoin-Transaktionen genutzt worden waren. Insgesamt hatte ein für Onecoin tätiges Finanzinstitut laut Bafin zwischen Dezember 2015 und Dezember 2016 rund 360 Millionen Euro angenommen. Als die Konten gesperrt wurden, waren noch 29 Millionen Euro darauf.

wed/dpa-afx
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