Börse Bald 7000 Punkte im Dax?

Steigende Gewinne der Dax-Konzerne könnten dem Index in der kommenden Woche Auftrieb geben. VW legt zum Wochenschluss überraschend Zahlen vor und gibt Anlegern schon mal einen Vorgeschmack. Einige Analysten haben bereits die Zielmarke von 7000 Punkten anvisiert.
Bullenmarkt: Der Dax legt die zweite Woche in Folge deutlich zu

Bullenmarkt: Der Dax legt die zweite Woche in Folge deutlich zu

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpa

Frankfurt am Main - Mit dem Erreichen des 26-Monats-Hochs von 6621 Punkten am Donnerstag habe sich der deutsche Leitindex Dax Luft verschafft, schreiben die Analysten der Landesbank Berlin (LBB) in einem Kommentar. Am Freitag ging der Dax kaum verändert  bei 6604 Zählern aus dem Handel.

"Er hat sich weiteres Kurspotenzial erschlossen, das bis in den Bereich von 7000 Punkten führen könnte. Allerdings sollte nicht davon ausgegangen werden, dass der weitere Kursanstieg linear verlaufen wird", heißt es bei der LBBW. In der abgelaufenen Woche hat der Dax 1,7 Prozent zugelegt. In der Woche davor hatte der Index sogar 3,1 Prozent hinzugewonnen.

Auch Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp sieht gute Chancen für weitere Kursgewinne: "Die Parallelen des Börsenjahrs 2010 zum letzten Nachrezessionsjahr 2004 zeigen, dass der Dax weiterhin eine relativ normale Nachrezessionserholung durchläuft", so Hürkamp.

Volkswagen stützt den Dax - Gewinn verdreifacht

Stärkster Antreiber im Dax  war zum Wochenschluss die Vorzugsaktie von Volkswagen. Europas größter Autobauer legte überraschend bereits am Freitag Zahlen vor. Der Konzern hat in den ersten neun Monaten des Jahres seinen Gewinn vervielfacht, aber die Erwartungen für den weiteren Jahresverlauf gedämpft.

Bis Ende September fuhr der Autokonzern ein Ergebnis nach Steuern von gut vier Milliarden Euro ein, wie das Unternehmen am Freitag außerplanmäßig mitteilte. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn krisenbedingt nur bei 655 Millionen Euro gelegen. Aktien von Volkswagen schlossen am Freitag 3,2 Prozent höher bei 96,76 Euro.

Abwarten an der Wall Street vor G20-Gipfel

Die US-Börsen notierten zum Handelsschluss in Europa uneinheitlich. Der Dow-Jones-Index fiel um 0,2 Prozent, der S&P 500 legte um 0,1 Prozent zu. Der Nasdaq-Composite stieg um 0,6 Prozent.

Marktbeobachter verwiesen zudem auf eine Zurückhaltung bei den Investoren, die die Ergebnisse zu Banken -und Wirtschaftsregelungen des G20-Gipfels im November abwarteten.

Aktien von Honeywell  legten zu, nachdem der Mischkonzern zur Vorlage des Quartalsberichts am Nachmittag den Ausblick angehoben und Markterwartungen übertroffen hatte. Die Aktien von Amazon  tendierten dagegen schwächer. Das Unternehmen hatte seine Umsätze kräftig mit Rabattaktionen angekurbelt und dabei einen Gewinnrückgang in Kauf genommen.

US-BIP und Auftragseingänge in der kommenden Woche

NordLB-Aktienstratege Tobias Basse erwartet zu Wochebeginn allerdings einige Gewinnmitnahmen. Spätestens die für Freitag angesetzte Veröffentlichung der ersten Schätzung für das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal werde die Stimmung deutlich aufhellen. "Ich rechne mit einer positiven Überraschung." Von Reuters befragte Analysten sagen im Schnitt ein US-Wachstum von zwei Prozent voraus.

Unterstützung könnte der deutsche Aktienmarkt auch von der für Mittwoch angekündigten Bekanntgabe der Auftragseingänge für langlebige US-Güter erhalten, fügte Basse hinzu. Hier prognostizierten Experten für September einen Anstieg um ein Prozent, nach einem 1,5-prozentigen Rückgang im Vormonat.

Zahlreiche Dax-Unternehmen legen nächste Woche Zahlen vor

Nach zahlreichen - meist positiven - Unternehmensergebnissen aus den USA kommt nun auch die deutsche Bilanzsaison in Schwung. Allein am Donnerstag wollen die Dax-Konzerne Bayer, Lufthansa und Daimler Geschäftszahlen vorlegen. Am Tag zuvor sind SAP und Deutsche Bank an der Reihe. Auch Merck (Dienstag), Deutsche Börse (Mittwoch) und MAN (Donnerstag) wollen ihre Bücher öffnen.

BASF , die bereits ihre Prognose angehoben haben, sowie Volkswagen haben ihre Quartalsbilanz bereits auf diese Woche vorgezogen.

Aus dem Ausland stehen unter anderem die Zwischenergebnisse des Industriegase-Herstellers und Linde-Rivalen Air Liquide sowie des weltgrößten Stahl-Herstellers ArcelorMittal (beide am Dienstag) auf der Tagesordnung.

Neben den eigentlichen Zahlen seien Aussagen zur Entwicklung der Wechselkurse und mögliche Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung wichtig, betont NordLB-Experte Basse. Dies gelte natürlich vor allem für exportorientierte Unternehmen.

Schließlich schwebten die Spannungen an den Devisenmärkten schwebten wie ein Damokles-Schwert über den Aktienbörsen. Vor diesem Hintergrund blicken Anleger besonders gespannt auf das Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 größten Industriestaaten und Schellenländer (G20), sagen Börsianer. Sie hofften auf eine Einigung, die den befürchteten Abwertungswettlauf verhindere.

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