750-Milliarden-Euro-Plan Erleichterung an Finanzmärkten

Der 750-Milliarden-Euro-Rettungsplan aus Brüssel zeigt Wirkung. Der Euro erholt sich deutlich und die Aktienbörsen haussieren. Die Risikoaufschläge für Anleihen von Problemstaaten wie Griechenland gehen zurück - während deutsche Anleihen unter Druck geraten.

Hamburg - Der Milliarden-Stützungsplan, den die EU flankiert von der EZB angesichts der Schuldenkrise und der Euro-Schwäche in der vergangenen Nacht geschmiedet hat, zeigt bislang die erhoffte Wirkung. Der Euro  erholt sich zusehends und ist über die Marke von 1,30 US-Dollar gesprungen. Damit konnte die Gemeinschaftswährung nach einer kurzen Verschnaufpause im frühen Handel an die kräftigen Kursgewinne vom späten Freitag anknüpfen.

Am vergangenen Donnerstagabend war der Euro nach einem historischen Kursrutsch an der New Yorker Börse noch auf gut 1,25 Dollar eingebrochen.

Die Devisenmärkte reagieren nach Einschätzung von Experten der HSH Nordbank auf den "internationalen Kraftakt", der in der vergangenen Nacht ein Hilfspaket mit einem Volumen von insgesamt 750 Milliarden Euro auf den Weg brachte. Die Kurserholung des Euro lässt nun hoffen, dass dem "Wolfsrudelverhalten der Märkte" zunächst einmal Einhalt geboten werden kann.

An den Anleihemärkten angeschlagener Euro-Länder hat das Rettungspaket der EU und die Rückendeckung durch die Europäische Zentralbank (EZB) ebenfalls zu einer deutlichen Entspannung der Lage geführt. Die Risikoaufschläge sanken kräftig. So ging die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Anleihe Griechenlands am Montag auf rund 7,6 Prozent zurück, nachdem sie am Freitag noch über die 12-Prozent-Marke geklettert war. Zum Vergleich: Die zehnjährige deutsche Bundesanleihe rentiert derzeit mit rund 3 Prozent.

Zweijährige Staatstitel Athens rentierten am Montag noch bei rund 6,8 Prozent, nachdem diese am Freitag noch über 18 Prozent Rendite abgeworfen hatten. Dies hatte die Erwartung eines Zahlungsausfalls widergespiegelt. Das Misstrauen der Märkte hat sich mit der Hilfe also stark verringert.

Auch die fünfjährigen griechischen Credit Default Swaps (CDS) fielen dem Datenanbieter CMA Datavision zufolge auf 657 Basispunkten von 915,5 Basispunkten. Damit kostete die Versicherung eines zehn Millionen Euro schweren Kredites an Griechenland gegen Zahlungsausfall mit 657.000 Euro rund ein Drittel weniger als am Freitag.

Kursverluste bei deutschen Anliehen

Auch andere Randländer profitierten von den Milliardenpaketen. Die spanischen und portugiesischen CDS gingen um jeweils knapp die Hälfte auf 157 beziehungsweise 263 Basispunkte zurück. Ähnlich stark fielen die Kursrückgänge der italienischen (aktuell: 245,5 Basispunkte) und irischen (171 Basispunkte) CDS aus.

In Portugal und Spanien, die ebenfalls hohe Staatsdefizite und Schuldenstände aufweisen, sanken zudem die Risikoaufschläge für Staatsanleihen kräftig. In der vergangenen Woche waren diese Länder immer stärker in den Strudel Griechenlands mitgerissen worden.

So rentierte die zehnjährige Anleihe Portugals am Montag im Tagesverlauf mit rund 5,1 Prozent, nachdem sie am Freitag noch über 6,1 Prozent abwarfen. Am vergangenen Donnerstag war die Rendite erstmals seit Bestehen der Währungsunion über die Sechs-Prozent-Marke geklettert. In Spanien rentierten zehnjährige Papiere am Montag nun mit etwa 4 Prozent, nach knapp 4,5 Prozent am Freitag.

Am deutschen Anleihenmarkt dagegen sind die Kurse am Montag mit starken Verlusten in die neue Handelswoche gestartet. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future fiel am Morgen um 0,92 Prozent auf 125,80 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 2,719 Prozent.

"Nach der panikartigen Zuspitzung der Euro-Peripherie-Krise bleibt nur zu hoffen, dass nach dem Beschluss des gigantischen Rettungsschirmes zur Unterstützung des Euro wieder etwas mehr Beruhigung und Besonnenheit einkehrt", kommentierten Experten der Landesbank Hessen-Thüringen die Ereignisse der vergangenen Nacht.

Schon in der Nacht hatten die Aktienbörsen in Asien Gewinne verbucht. Der japanische Nikkei-225-Index beendete den ersten Handelstag der Woche 1,60 Prozent höher bei 10.530,70 Punkten. In Frankfurt liegt der Dax am Vormittag ebenfalls deutlich im Plus. Vor allem Finanzwerte sind gefragt.

manager magazin mit Material von Nachrichtenagenturen

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