Börse Euro-Schutzschirm elektrisiert die Märkte

Mit Kurssteigerungen von bis zu 10 Prozent haben die wichtigsten Börsen auf das Euro-Rettungspaket reagiert. Im Dax gewannen vor allem Bankentitel deutlich. Auch in den USA nehmen die Märkte die Maßnahme euphorisch auf. Experten warnen jedoch bereits vor den Risiken des 750-Milliarden-Euro-Schutzschirms.

Frankfurt am Main/New York - Mit einem Kursfeuerwerk hat der deutsche Aktienmarkt am Montag den beispiellosen Rettungsschirm der EU für angeschlagene Länder der Eurozone gefeiert. Der Dax  eroberte sogar kurz vor Handelsschluss die Marke von 6000 Punkten zurück. Mit seinem Plus von 5,30 Prozent auf 6018 Punkten machte der deutsche Leitindex damit einen Großteil seiner kräftigen Verluste der Vorwoche wett und verzeichnete den deutlichsten Anstieg seit 13 Monaten.

Der MDax  gewann am Montag 6,98 Prozent auf 8170 Punkte und der TecDax  rückte um 4,50 Prozent auf 780 Punkte vor. Da vor allem Finanzwerte die Liste der Gewinner anführte, profitierten europaweit der EuroStoxx 50  und der CAC 40  besonders kräftig von dem historischen Ereignis. Der Leitindex der Eurozone schloss mit einem Aufschlag von 10,35 Prozent auf 2759 Punkte, und in Paris kletterte der CAC 40 um 9,66 Prozent. In London legte zudem der FTSE 100  um 5,16 Prozent zu. Die wichtigsten US-Indizes profitierten ebenfalls kräftig mit jeweils etwas mehr als 4 Prozent.

Dank des Schutzschirms hat auch die Wall Street mit einem Rekordkursplus eröffnet. Der breit gefasste Index S&P-500 legte zum Wochenauftakt mit mehr als 4 Prozent so stark zu wie nie zuvor in seiner Geschichte. Erst zwei Handelstage zuvor, am Donnerstag, hatte der Dow Jones  mit einem zeitweisen Verlust von rund 9 Prozent oder rund 1000 Punkten noch den tiefsten Sturz in seiner Historie hinnehmen müssen.

Gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds hatte die EU am Wochenende ein Euro-Rettungspaket von 750 Milliarden Euro geschnürt. "Ein eindeutigerer Schritt ist kaum vorstellbar. Es war die richtige Maßnahme zur richtigen Zeit, die vielen Spekulanten den Wind aus den Segeln genommen und eine blutige Nase beschert hat", sagte Fondsmanager Thilo Müller von MB Fund Advisory.

Doch die Regierungen hätten sich damit nur Zeit erkauft und müssten nun ihre Hausaufgaben machen, um ihre Haushaltslage in den Griff zu bekommen. Analyst Patrick Pflüger vom Marketmaker IG Markets meinte ebenfalls: "Es sollte nicht vergessen werden, dass sich ein solch großer finanzieller Aufwand für die starken Volkswirtschaften der EU als Wachstumsbremse für die komplette Eurozone auswirken dürfte."

Deutsche Bank mit dem größten Kurssprung

Am stärksten legten Aktien von Banken, Finanzdienstleistern und Versicherungen zu: Gepaart mit der Ankündigung, dass die europäischen Notenbanken nun doch Anleihen hochverschuldeter Staaten ankaufen wollen, katapultierte das Hilfspaket die Aktien der Deutschen Bank  um 12,86 Prozent auf 51,69 Euro nach oben. Im MDax waren die Titel der Aareal Bank  mit 14,25 Prozent auf 16,12 Euro Favorit. Die Aktien der Commerzbank , der Postbank  und der Allianz  gehörten ebenfalls zu den am meisten bevorzugten Werten und legten allesamt jeweils um etwas mehr als 8 Prozent zu.

Die Anteilsscheine der Versorger RWE  und Eon  hingegen legten mit jeweils etwas mehr als 2 Prozent Plus nur unterdurchschnittlich zu. Sie litten unter dem Ausgang der Wahl in Nordrhein-Westfalen. Die Abwahl der schwarz-gelben Koalition und der Verlust der Regierungsmehrheit im Bundesrat führte laut Händlern zu Unsicherheiten bezüglich geplanter Laufzeitverlängerungen für Kernkraftwerke.

Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 2,54 (Freitag: 2,29) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,90 Prozent auf 125,86 Punkt. Der Bund Future fiel um 1,14 Prozent auf 125,52 Punkte. Der Kurs des Euro konnte nur zeitweise kräftig vom Rettungspaket profitieren. Nachdem er bis auf 1,3093 US-Dollar gestiegen war, fiel er zuletzt auf 1,2840 Dollar zurück. Die EZB hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,2969 (1,2746) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7711 (0,7846) Euro.

In New York notierte der Dow-Jones-Index der Standardwerte am Montag 4,1 Prozent fester mit 10.800 Punkten. Der S&P-500 lag 4,3 Prozent im Plus mit 1158 Zählern, der Index der Technologiebörse Nasdaq mit 4,6 Prozent bei 2369 Stellen.

US-Experten waren von dem Rettungsschirm beeindruckt: Die europäische Schuldenkrise hätte dieselben Folgen haben können wie die Pleiten der US-Großbanken Lehman Brothers oder Bear Stearns, sagte Finanzberater Alan Lancz aus Ohoi. "Der Nothilfeplan zeigt, wie ernsthaft die Europäer dies vermeiden wollen."

Kurs von Goldman Sachs leidet unter Betrugsvorwürfen

Auch Aktien von Firmen mit potenziell schlechten Nachrichten legten in den USA zu. So stiegen die Papiere von Goldman Sachs  um 1,2 Prozent. Die unter Betrugsverdacht stehende Großbank schließt allerdings weitere Klagen von Investoren und Ermittlungsverfahren nicht aus. Die US-Börsenaufsicht SEC wirft Goldman Sachs vor, Anlegern bewusst wichtige Informationen über ein komplexes Investmentprodukt vorenthalten zu haben.

Die Kursaufschläge bei anderen US-Großbanken waren in Folge der Euro-Nothilfe jedoch deutlicher. Papiere der Bank of America  kletterten um 6,9 Prozent, Citigroup  um 5,8 Prozent sowie JPMorgan Chase  und Morgan Stanley  um 4 Prozent.

Boeing-Aktien gewannen 6,7 Prozent. Der Flugzeugbauer sieht sich weiter im Plan, den ersten Dreamliner 787 noch im laufenden Jahr auszuliefern. Boeing  musste den Termin fünfmal verschieben - zuletzt warfen notwendige Verstärkungen am Rumpf und Falten auf der Außenhaut das Projekt zurück. Das Konkurrenzflugzeug von Airbus EADS , der A380, ist hingegen schon seit Längerem im Liniendienst.

Um 4 Prozent aufwärts ging es mit Papieren von McDonald's . Die Schnellrestaurant-Kette hatte über einen gestiegenen Umsatz im April berichtet. Am Freitag hatten die US-Börsen ihre Talfahrt noch fortgesetzt. Der Dow-Jones hatte 1,33 Prozent, der S&P-500 1,5 Prozent und die Nasdaq 2,3 Prozent verloren. Auf Wochensicht gab der Dow-Jones damit um 5,7 Prozent und der S&P um 6,4 Prozent nach - die größten Verluste seit März 2009. Die Nasdaq verlor auf Wochensicht acht Prozent, der stärkste Rutsch seit November 2008.

manager magazin mit Material von dpa-afx und reuters

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