Wochenausblick Neues Jahr, alte Sorgen

Nach einem erfreulichen Börsenjahr 2009 dürfen sich deutsche Aktionäre wohl auch zum Jahresauftakt 2010 über steigende Kurse freuen. Doch weiterhin gibt vor allem Amerikas Arbeitsmarkt Anlass zu Sorgen - und die möglichen Reaktionen der Zentralbank.

Frankfurt am Main - Experten sehen für den Dax , der wenige Tage vor dem Jahresende erstmals seit Ende September 2008 wieder über 6000 Punkten notierte und im Jahr 2009 um 23,8 Prozent zulegte, weiteres Aufwärtspotenzial. "Erfahrungsgemäß fällt nach einem guten Jahresausklang der Start ins neue Jahr positiv aus", sagte Marktanalyst Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel. Auch dürfte das vor und zwischen den Feiertagen extrem dünne Handelsvolumen wieder etwas anziehen. Von Unternehmensseite stünden allerdings kaum Nachrichten auf der Agenda, sodass die Anleger auf Konjunkturdaten insbesondere aus den USA schauten.

Marktstratege Markus Reinwand von der Helaba sieht nach der jüngsten Kursentwicklung ebenfalls gute Chancen für weitere Aktiengewinne. Fundamental bildeten weiter steigende Frühindikatoren und damit einhergehend anziehende Unternehmensgewinne die Basis für höhere Kurse. Dazu kämen die niedrigen Investitionsquoten. Die Risikoaversion des ersten Quartals 2009 habe sich im Jahresverlauf nur zögerlich zurückgebildet. Daher habe ein Großteil der Anleger die dynamische Kurserholung nach den Tiefständen im März nicht mitgemacht.

"Zumindest ein Teil der überdurchschnittlich hohen Mittel, die aus Vorsichtsgründen in niedrigverzinslichen Kurzfristanlagen gehalten werden, dürften den Weg zurück an den Aktienmarkt finden", ist der Helaba-Experte überzeugt.

Und ohnehin sei der Januar ein guter Börsenmonat: "Die Historie zeigt, dass gerade zu Jahresbeginn, wenn viele Anleger die Portfolioausrichtung adjustieren, überdurchschnittlich hohe Mittelzuflüsse bei Aktienfonds zu beobachten sind."

Unternehmensnachrichten muss der Anleger nach Neujahr wahrscheinlich mit der Lupe suchen. Am Donnerstag legt der Autobauer BMW  Absatzzahlen für den Dezember vor, und die Baumarktkette Praktiker  berichtet über ihre jüngste Geschäftsentwicklung. Tags darauf veröffentlicht BMW-Konkurrent Daimler  Dezember-Absatzzahlen für seine Sparte Mercedes-Benz Cars.

Welche Konjunkturdaten die Börse im Blick hat

Trotz des letztlich erfolgreichen Börsenjahrs 2009 bleiben an der Wall Street auch im neuen Jahr die alten Sorgen im Blickpunkt. Bereits in der ersten Handelswoche 2010 werden die Anleger mit Argusaugen auf neuen Konjunkturdaten blicken, um Hinweise über Stand, Tempo und Nachhaltigkeit der Erholung zu finden. Los geht es am Montag mit dem US-Einkaufsmanagerindex der Industrie für Dezember. Experten erwarten, dass die schwächelnde Branche sich auch im Dezember mit dem Wachstum schwer tat. Am Dienstag stehen dann Zahlen zum Immobilienmarkt an, wo die Erholung noch auf tönernen Füßen steht.

Auf das größte Interesse dürften aber die neuen Zahlen vom Arbeitsmarkt am Freitag treffen, wo sich allmählich die Talsohle abzeichnet. Obwohl an der Wall Street erstmals ein Jahrzehnt zu Ende ging, in dem die Investments über den gesamten Zeitraum insgesamt keinen Gewinn abgeworfen haben, dürfte 2009 den Anlegern als das Jahr der Erholung nach dem schweren Crash der Finanzkrise in Erinnerung bleiben.

Der Dow-Jones-Index  der Standardwerte stieg auf Jahressicht um 18,8 Prozent. Der breiter gefasste S&P 500  gewann 23,5 Prozent, nachdem er noch Anfang März auf den tiefsten Standstand seit zwölf Jahren abgerutscht war. Der Technologie-Index Nasdaq Composite  kletterte sogar um 43,9 Prozent in die Höhe. Hauptmotor der Rally waren die historisch niedrigen Zinsen und die anderen Nothilfen der US-Notenbank.

Sollte der Arbeitsmarktbericht nun wie schon im Monat zuvor besser ausfallen als prognostiziert, könnte das erneut Sorgen unter den Anlegern schüren, dass die Federal Reserve die Zinsen schneller anziehen könnte als bislang erwartet. Dies könnte dem zuletzt wiedererstarkten Dollar  einen weiteren Schub geben, was wiederum die Börsen belasten könnte - hatten sich Dollar und Börsenkurse in den vergangenen Monaten doch jeweils gegensätzlich entwickelt.

Investmentstratege Carmine Grigoli von Mizuho Securities erachtet die Sorgen vor einer schnelleren Straffung der Zinspolitik als unbegründet. "Nach allem, was wir von der Federal Reserve hören, scheint dies unwahrscheinlich", sagte er. Nach einer Reuters-Umfrage erwarten die meisten Volkswirte nicht, dass die Fed die Zinsen vor Ende des ersten Quartals 2011 anhebt.

Experten gehen davon aus, dass im Dezember weitere 20.000 Jobs weggefallen sind nach rund 11.000 im November. Damit dürfte die Arbeitslosenquote wieder auf 10,1 Prozent steigen, nachdem sie zuvor überraschend auf unter 10 Prozent gefallen war. Bereits am Donnerstag waren Daten zum Arbeitsmarkt besser ausgefallen als erwartet. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Woche zum 26. Dezember sanken um 22.000 auf 432.000 und damit auf den niedrigsten Stand seit etwa 17 Monaten.

manager magazin mit Material von dpa-afx und reuters

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