Börsenschluss "Traum von Jahresendrally lebt"

Die gute Stimmung an der Wall Street hat am Montag den Dax über die 5900-Punkte-Marke gehievt. Der Leitindex notierte damit wenige Tage vor Weihnachten so hoch wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. VW-Aktien rückten erneut in den Fokus. Zu den Himmelsstürmern in der zweiten Reihe zählten die Aktien von Sky Deutschland.

Frankfurt am Main - Freundliche US-Börsen haben dem Dax  am Montag vor Weihnachten ein Jahreshoch beschert. Nach über weite Strecken vorweihnachtlich ruhigem Handel brachte die Eröffnung der Wall Street am Nachmittag Leben in den deutschen Leitindex und katapultierte ihn um 1,70 Prozent nach oben auf 5930 Punkte. Mit 5936 Punkten markierte er den höchsten Stand seit September 2008. Der MDax  folgte mit plus 0,82 Prozent auf 7454 Zähler und der TecDax  stieg um 0,30 Prozent auf 817 Punkte.

"Der Traum von den Jahresendrally lebt wieder auf", kommentierte Mark Rohles, Marktanalyst bei IG Markets das Jahreshoch. Nach leichten Verlusten an dem durch den großen Verfall geprägten Freitag habe der Dax zu Wochenbeginn ein fast schon euphorisches Gesicht gezeigt. "Trotz des geringen Umsatzes auf dem Parkett blieb Verkaufsdruck aus", so Rohles. "Die wenigen Anleger, die ihre Bücher noch nicht geschlossen haben, halten ihre Portfolios zum Jahresende zusammen."

Norbert Empting, Händler bei der Schnigge Wertpapierhandelsbank hält es durchaus für möglich, dass der Dax die 6000-Punkte-Marke noch knackt. Sein bisheriges Jahreshoch hatte der deutsche Leitindex vergangene Woche bei 5.903 Punkten markiert.

Im Fokus standen abermals die Aktien von Volkswagen . Die Stämme müssen ihren Platz im Dax am Mittwoch für die Vorzüge  räumen, wie die Deutsche Börse am Freitagabend nach Börsenschluss in Reaktion auf die Anteilserhöhung des Emirats Katar mitgeteilt hatte. Händler zeigten sich wenig überrascht, beide Aktien hatten bereits in Erwartung dieses Indexwechsels entsprechend reagiert.

"Durch den Wechsel der Gattungen erhöht sich das Gewicht von VW im Dax auf 1,33 Prozent von aktuell 0,63 Prozent", schrieb Marktexperte Heino Ruland von Ruland Research. Da VW zudem die Ausgabe weiterer 135 Millionen Vorzugsaktien plane, könne sich dieses Gewicht nochmals verdoppeln, je nachdem, wie die Kapitalerhöhung ausgestaltet sei. Die Vorzüge verteuerten sich um 0,71 Prozent auf 66,42 Euro, wogegen die Stämme als Dax-Schlusslicht 3,04 Prozent auf 73,93 Euro verloren.

Auch andere Autowerte mussten Abschläge hinnehmen. Für BMW  ging es um 0,41 Prozent auf 31,815 Euro nach unten, Daimler  erholten sich indes von zwischenzeitlichen Verlusten und legten um 0,68 Prozent auf 36,995 Euro zu. Marktteilnehmer verwiesen auf negative Erwartungen für das kommende Jahr. Die Branche steckt weiter in der Krise. Darüber können auch einzelne Glanzpunkte, wie der durch die Abwrackprämie in Deutschland ausgelöste Nachfrageboom, kaum hinwegtäuschen. Auch 2010 steht den stark vom Export abhängigen deutschen Herstellern ein schwieriges Jahr bevor.

Zu Daimler berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass der Autobauer und der Mischkonzern Evonik ihre Investitionen im Bereich Elektroantrieb erhöhen. Zudem räumte Daimler auf Anfrage der "Wirtschaftswoche" wegen beschädigter Kraftstoff-Einspritzdüsen beim Vierzylinder-Dieselmotor der Baureihe OM651 "massive Probleme" ein.

Ohne neue Nachrichten gewannen die Aktien von Infineon  knapp 4 Prozent auf 3,72 Euro hinzu und waren damit stärkster Wert im Dax. Siemens , Bayer , Allianz  und Deutsche Telekom  zählten mit Kursgewinnen von jeweils rund 2,70 Prozent ebenfalls zu den gefragtesten Aktien.

Sky Deutschland springen um mehr als 10 Prozent an

Im MDax  sprangen Aktien von Sky Deutschland  am Nachmittag bei hohen Umsätzen um 10,64 Prozent auf 2,08 Euro an. Der Bezahlsender beschafft sich zum Jahreswechsel frisches Kapital von seinem Großaktionär News Corp. Das Unternehmen von Medienmogul Rupert Murdoch zeichnet bis zu 49 Millionen Aktien und baut seinen Anteil an Sky damit auf bis zu 45,4 Prozent aus. Börsianer sahen vor allem dieses "Bekenntnis" positiv. "Sie stecken weiter Geld in Sky und verfahren nach dem Motto 'Augen zu und durch'", so ein Händler mit Blick auf die Aufstockung. Der Ausblick liege dagegen unter den Erwartungen.

Bilfinger Berger  büßten indes nach Bekanntgabe einer Akquisition 0,51 Prozent auf 52,33 Euro ein. Der Dienstleistungs- und Baukonzern darf den österreichischen Industrie- und Kraftwerks-Dienstleister MCE unter Auflagen übernehmen. Celesio verloren gar 2,11 Prozent auf 17,16 Euro.

Aktien von Manz Automation  setzten sich mit einem Zuwachs von 11,04 Prozent auf 68,29 Euro an die Spitze des TecDax  und markierten abermals ein neues Jahreshoch. "Von der Nachrichtenseite gibt es nichts Neues", sagte ein Händler. "Die Anleger trennen im Solarsektor einfach weiter die Spreu vom Weizen", so der Börsianer mit Blick auf ebenfalls gesuchte Anteile von Roth & Rau und Centrotherm. Zudem sehe der Chart auch langfristig sehr viel versprechend aus und locke damit Anschlusskäufer.

manager magazin mit Material von Nachrichtenagenturen

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