Börse Dax schließt blassgrün

Ermutigende Daten zur US-Industrie haben die Aktienmärkte stabilisiert. Der Dax holte im späten Geschäft seine Verluste wieder auf und schloss mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent auf 5811 Punkte. Gewinner des Tages waren Daimler, Infineon, Beiersdorf und MAN, Verlierer Linde, Volkswagen und SAP.

Frankfurt am Main - Der Dax  hat knapp behauptet geschlossen. Von den vormittags veröffentlichten ZEW-Konjunkturerwartungen waren keine positiven Impulse für den Markt ausgegangen, am frühen Nachmittag belasteten deutlich eingetrübte Geschäftsaussichten des Verarbeitenden Gewerbes im US-Bundesstaat New York die Märkte.

Die überraschend stark gestiegene US-Industrieproduktion ermöglichte dem Dax dann aber eine Erholung, so dass der deutsche Leitindex ins Plus drehte und 0,2 Prozent höher bei 5811 Zählern aus dem Handel ging. Der MDax  stieg um 0,2 Prozent auf 7365 Punkte. Lediglich der TecDax  schloss 0,2 Prozent schwächer bei 812 Zählern.

Chefhändler Oliver Roth von der Close Brothers Seydler Bank sprach von einem lustlosen Handel. "Die institutionellen Anleger betreiben schon Window Dressing und versuchen, den Dax über sein bisheriges Jahreshoch bei 5.888 Punkten zu hieven, aber der immer stärkere Dollar versalzt ihnen die Suppe", umschrieb er das Marktgeschehen. Unter "Window Dressing" verstehen die Experten Kurse beeinflussende Maßnahmen etwa von Fondsmanagern, um stichtagsbezogen - gerade vor dem Jahresende - eine bessere Fondsentwicklung ausweisen zu können

Übernahmefantasien schoben MAN-Aktien  mit zwischenzeitlich deutlichen Gewinnen an die Dax-Spitze. Allerdings gaben die Papiere einen Großteil davon wieder ab und schlossen letztlich noch 2,23 Prozent höher bei 53,98 Euro. Ein VW-Sprecher dementierte kurz vor Handelsschluss einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung", dem zufolge der Großaktionär Volkswagen  den anderen Anteilseignern schon bald ein Übernahmeangebot unterbreiten könnte. Die Stammaktien von VW gaben um 0,7 Prozent auf 80,43 Euro nach.

Titel von Infineon  verteuerten sich nach einem Pressebericht und Beteiligungsspekulationen um 1,3 Prozent auf 3,43 Euro. Konzernchef Peter Bauer peilt langfristig eine operative Gewinnmarge von 15 Prozent an, wie er der "Börsen-Zeitung" erklärte.

Um die Mittagszeit machten laut Händlern Gerüchte die Runde, denen zufolge ein russischer Investor bis zu 25 Prozent an dem Chiphersteller erwerben wolle. Als Preis wurden 4,00 Euro je Aktie genannt. Ein Börsianer verwies auf einen Bericht in einer russischen Zeitung, wonach es Gespräche zwischen Sistema und Infineon gebe. Mehrere Marktteilnehmer äußerten sich allerdings skeptisch über das Gerücht, da ähnliche Spekulationen in den vergangenen Monaten immer wieder umgegangen waren.

Im MDax  ging es für Tui-Papiere nach Zahlen und der Ankündigung personeller Veränderungen um 3,3 Prozent auf 5,42 Euro hoch. Der weltgrößte Reisekonzern schrieb im Rumpfgeschäftsjahr 2009 nur wegen des Teilverkaufs von Hapag-Lloyd schwarze Zahlen und behält weiter seinen kompletten Ausstieg bei der Container-Reederei im Auge.

Tui  passt gerade ihr Geschäftsjahr an das touristische Jahr bis Ende September an. Aus diesem Grund wurde die Berichtsperiode 2009 auf neun Monate verkürzt. Ferner geht Finanzvorstand Rainer Feuerhake im Februar in den Ruhestand. Horst Baier wird sein Nachfolger. Zudem sprach sich der Aufsichtsrat für Klaus Mangold als neues Mitglied des Kontrollgremiums aus. Sowohl bei Händlern als auch bei Analysten stieß der besser als erwartete Geschäftsbericht auf Beifall.

Bei den Technologiewerten büßten Aixtron  nach zwischenzeitlich heftigeren Verlusten zuletzt 0,44 Prozent auf 24,80 Euro ein. Händler verwiesen einhellig auf Gerüchte, der Großaktionär Camma GmbH wolle Anteilsscheine des Spezialmaschinenbauers platzieren. "Solche Gerüchte gibt es allerdings schon seit Wochen", wiegelte ein Börsianer ab. Über 92 Prozent der Aktien sind im Streubesitz.

Im SDax  sorgte ein angehobenes Ergebnisziel bei den Aktien der Comdirect  nur kurzzeitig für Gewinne. Nach einem Anstieg bis auf 6,31 Euro fiel das Papier schnell wieder zurück und schloss letztlich 0,33 Prozent schwächer bei 6,13 Euro. Die Onlinebank erhöhte ihr Ergebnisziel für 2009 auf 75 Millionen Euro vor Steuern. Ein Händler verwies darauf, dass das Gewinnziel immer noch unter den vom Markt erwarteten 80 bis 82 Millionen Euro liege.

Außerhalb der bekannten Indizes sprangen die Titel von Solon um 11,43 Prozent auf 7,02 Euro hoch. Mit rund einem Jahr Verspätung hatte ein Kunde des Solarmodul-Herstellers endlich seine Rechnung für einen Großauftrag beglichen. Dank der hohen Nachfrage zum Jahresende insbesondere in Deutschland produziert Solon zudem nach eigenen Angaben derzeit in seinen Werken in Berlin und Greifswald unter Volllast.

Dow mau

Die US-Börsen haben nach widersprüchlichen Konjunkturdaten am Dienstag uneinheitlich tendiert. Vor allem die trüben Zahlen vom New Yorker Konjunkturindex verhagelten den Anlegern die Laune, nachdem die Wall Street am Montag noch den höchsten Stand seit 14 Monaten verzeichnet hatte. Zudem machten sich nach einem Anstieg der Erzeugerpreise erneut Sorgen breit, die US-Notenbank Fed könnte ihre Zinsen anheben, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Auf der anderen Seite verbreiteten unerwartet starke US-Auftragsdaten Hoffnung.

Der Dow Jones  verlor bis zum Mittag in New York 0,3 Prozent auf 10.473 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 fiel um 0,2 Prozent auf 1112 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  legte um 0,1 Prozent auf 2213 Punkte zu.

Wie die New Yorker Federal Reserve mitteilte, hat die Industrie im US-Bundesstaat New York im Dezember überraschend an Fahrt verloren. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe sank auf plus 2,55 Punkte von plus 23,51 Zählern im November. Es war der stärkste Rückgang seit Erhebung des Indikators vor achteinhalb Jahren. Auch überraschend deutlich gestiegene Erzeugerpreise drückten die Stimmung. "Die Inflation war höher als erwartet, deswegen kann die Fed vielleicht nicht auf lange Sicht bei ihrer Politik des billigen Geldes bleiben", sagte Analyst Stephen Wood.

Den schlechteren Daten stand eine deutlich höhere Industrieproduktion von 0,8 Prozent im November gegenüber. Am Markt war lediglich mit 0,5 Prozent gerechnet worden. Auf Unternehmensseite gerieten die Aktien des Elektro-Fachhändlers Best Buy massiv unter Druck. Das Unternehmen teilte mit, die Gewinnmargen würden im vierten, wichtigen Weihnachtsquartal geringer ausfallen als bisher angenommen. Der Gewinn im dritten Quartal lag indes über den Erwartungen. Best-Buy-Aktien verloren mehr als 8 Prozent.

Mit Spannung warteten die Anleger zudem auf den lange erwarteten Erstflug der Boeing 787. Boeing-Aktien  verharrten auf Vortagesniveau.

Auch die Banktitel standen im Fokus. Nur ein Jahr nach dem Höhepunkt der Finanzkrise wollen sich alle großen US-Geldhäuser ohne Staatshilfen auf dem Finanzmarkt behaupten. Mit Wells Fargo  kündigte das letzte bedeutende Institut die Rückzahlung der Tarp-Gelder an. Die Wells-Fargo-Papiere stiegen um 2,2 Prozent.

Der Beginn der zweitägigen Beratungen von Vertretern der US-Notenbank bewegte den Markt nicht. Mit einer Erklärung zur weiteren Zinspolitik und der Entwicklung der US-Wirtschaft wird erst am Mittwoch gerechnet.

manager magazin mit Material von dpa-afx und reuters

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