Wochenausblick Hexensabbat macht Börsen unberechenbar

Alle Vierteljahre wieder: Der Hexensabbat an den Börsen, an dem Optionen und Futures auslaufen, macht einen Ausblick auf das Marktgeschehen der kommenden Woche fast unmöglich. Einige der spannendsten Fragen sind aber schon jetzt absehbar: Was wird mit Dubai? Und was wird mit Volkswagen?

Frankfurt am Main - Der deutsche Aktienmarkt könnte in der neuen Handelswoche weiter zulegen und der Dax  womöglich ein neues Hoch seit September 2008 markieren. Doch wie es letztlich wirklich sein wird, lässt sich nach Expertenmeinung wegen des anstehenden Verfalls von Terminschäften sehr schwer einschätzen.

Vor dem so genannten großen Hexensabbat am kommenden Freitag, an dem Optionen und Futures auf Indizes und einzelne Aktien auslaufen, versuchen Anleger nämlich häufig noch Aktienkurse in die gewünschte Richtung zu bewegen. Vor allem bei Aktienschwergewichten führt dies dann zu scheinbar grundlosen, größeren Kursausschlägen und kann den Dax entsprechend nach oben oder unten schicken. Zudem ist die Agenda auf der Unternehmensseite kurz vor Weihnachten nur sehr dünn bestückt.

Insgesamt geben sich Börsenexperten aber recht optimistisch: "Die Chancen stehen gut, dass die Märkte bei passenden volkswirtschaftlichen Daten unter erhöhter Volatilität neue Jahreshöchststände erreichen können", sagte Händler Andreas Lipkow von der Wertpapierhandelsbank MWB Fairtrade. Der Anlage- und Performancedruck könnte dies seiner Ansicht nach ermöglichen.

Vieles, so meint Marktexperte Klaus Stabel von der ICF Kursmakler AG, hänge aber auch von - allerdings bislang noch nicht erkennbaren - Lösungsansätzen der Dubai-Problematik ab. Da die Reaktion der Weltbörsen insgesamt darauf aber bislang recht moderat gewesen sei, "lässt dieses Reaktionsmuster zumindest die Chance für einen versöhnlichen Jahresausklang erkennen". Die Experten der Landesbank Berlin rechnen damit, dass der Dax sowie sein großer Bruder EuroStoxx 50 , der Leitindex der Eurozone, ihren Zick-Zack-Kurs fortsetzen werden. Sie halten stärkere Rücksetzer bis in den Bereich zwischen 5000 und 5300 Punkten im Dax für genauso denkbar wie ein Überwinden der psychologisch bedeutenden 6000-Punkte-Marke.

Terminübersicht und Volkswagen im Fokus

Spannendstes Thema auf der Unternehmensseite dürfte sein, ob der Wüstenstaat Katar noch in der nächsten Woche seine VW-Kaufoption zieht, denn dann käme es noch in diesem Jahr zu einem Rauswurf der VW-Stammaktien aus dem Dax. Erwartet wird, dass dafür die VW-Vorzüge aufgenommen werden. Ansonsten beginnt die Woche mit einer zweitägigen Investorenveranstaltung der Deutschen Bank . Das Management wird die Strategie für das neue Jahr hinsichtlich regionaler als auch operativer Schwerpunkte erklären. Zudem gibt das TecDax-Unternehmen Carl-Zeiss Meditec  sein Jahresergebnis bekannt.

Am Dienstag informiert der Touristikkonzern Tui  über sein Rumpfgeschäftsjahr 2009. "Das operative Ergebnis dürfte durch den Buchgewinn aus dem Verkauf von Hapag Lloyd überlagert werden", meinte Klaus Stabel. Europas größte Kupferhütte Aurubis  wird am Mittwoch Geschäftsjahreszahlen vorlegen und dürfte Analysten zufolge zwar einen scharfen Umsatzrückgang, aber zugleich auch einen operativen Gewinn ausweisen. Während einer außerordentlichen Hauptversammlung der Lufthansa  am selben Tag, steht die vollständige Übernahme der österreichischen Gesellschaft Austrian Airlines Group (AUA) mittels einer Barabfindung (Squeeze Out) der wenigen noch verbliebenen Minderheitsaktionäre auf dem Programm.

Mit Blick auf die anstehenden Konjunkturdaten werden für Deutschland vor allem der ZEW am Dienstag und der Ifo-Geschäftsklima-Index am Freitag von Interesse sein, da sie Aufschluss über die aktuelle Wirtschaftsstimmung geben. Außerdem kommt am Dienstag noch die Ifo-Konjunkturprognose für 2010. In den USA stehen vor allem aktuelle Daten zur Industrieproduktion (auch Dienstag) und zu den Baubeginnen (Mittwoch) an. Von Bedeutung dürften zudem die Stimmungsindikatoren sein. Volkswirte rechnen damit, dass sie ein robustes Wirtschaftswachstum im vierten Quartal signalisieren. Gleichzeitig sollten die Verbraucherpreise belegen, dass kaum Inflationsdruck vorhanden ist.

Claudia Kahlmeier, dpa-afx

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