Börse Griechenland zwingt Dax in die Knie

Aus Angst vor neuen Problemen in Dubai und in Sorge um die griechischen Staatsfinanzen haben deutsche Anleger Aktien verkauft. Der Dax büßte 1,7 Prozent auf 5688 Punkte ein. Größte Verlierer im deutschen Leitindex waren K+S, Telekom und Volkswagen, einziger Gewinner Infineon.

New York - Ein unerwartetes Sinken der Produktionszahlen in Deutschland, Sorge um die finanzielle Stabilität des Eurostaates Griechenland und die andauernden Probleme um Dubai haben die deutschen Aktienmärkte weiter auf Talfahrt geschickt. Der Deutsche Aktienindex Dax  brach am Dienstag um 1,7 Prozent auf 5689 Punkte ein. Der MDax  sackte um 2 Prozent auf 7290 Zähler, der TecDax  verlor 0,2 Prozent auf 813 Punkte.

Größter Verlierer im Dax  waren zum Ende des Bezugsrechtehandels die Aktien von Kali und Salz  mit einem Minus von 3,4 Prozent auf 41,10 Euro. Gegen den Trend legten die Papiere von Infineon  gut ein Prozent auf 3,38 Euro zu und waren damit einziger Dax-Gewinner. Das Handelsvolumen im Leitindex stieg auf 113,8 (Montag: 77,6) Millionen Aktien. Der Umsatz belief sich auf 2,9 (2,2) Milliarden Euro.

Papiere der Deutschen Post , die zur Mittagszeit noch von einer angehobenen Quartalsprognose des US-Konkurrenten Fedex profitiert hatten, büßten schließlich 1 Prozent auf 13,28 Euro ein. Damit hielten sie sich aber besser als der Gesamtmarkt. Gleiches galt für die Titel des Autoherstellers BMW , die nach Anfangsgewinnen bis zur Schlussauktion 1,2 Prozent auf 32,22 Euro abgaben. Weltweit verkaufte der Münchener Autobauer im November 11,5 Prozent mehr Fahrzeuge als im Vorjahresmonat. Der Industriekonzern Siemens  steigerte seinen Absatz in China im vergangenen Geschäftsjahr um 7 Prozent, wie Vorstandschef Peter Löscher in Peking mitteilte. Zudem hob die Deutsche Bank  das Kursziel für Anteilsscheine auf 80,00 Euro. Das half der Aktie, sich recht gut gegen den Abwärtstrend zu stemmen. Sie verlor lediglich 0,69 Prozent auf 62,03 Euro.

Titel des Kranherstellers Demag Cranes  büßten nach der Vorlage von Zahlen zum vierten Geschäftsquartal 3,7 Prozent auf 24,70 Euro ein. Sie zählten zu den schwächsten Werten im MDax. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, da die Zahlen trotz eines gemeldeten Gewinneinbruchs besser als erwartet ausgefallen seien. Negativ fiel allerdings der hohe Restrukturierungsaufwand von 49,1 Millionen Euro auf.

"Die Nervosität ist groß, da kommt wieder einiges zusammen", sagte ein Händler. Die Ratingagentur Fitch stufte die Kreditwürdigkeit von Griechenland herunter auf "BBB+" von "A-". Schon am Vortag hatte sich EZB-Chef Jean-Claude Trichet besorgt über die hohe Verschuldung des zur Eurozone zählenden Landes geäußert. Auch Standard & Poor's hat das Land auf dem Prüfstand stehen. Kurz zuvor hatte Deutschland die Märkte mit einem überraschenden Rückgang der Industrieproduktion enttäuscht. "Das ist kein schöner Mix", fasste ein Händler die Stimmung zusammen.

Der Klimagipfel in Kopenhagen treibt nach Einschätzung von Händlern unterdessen einige Anleger wieder in ausgesuchte Solarwerte. "Mit dem Gipfel hoffen einige auch auf ein besseres Geschäft in der Solarbranche", sagte ein Händler. "Nach einem eher schwierigen Jahr setzten jetzt die Anleger auf eine Erholung in 2010", fügte ein zweiter hinzu. Im TecDax zählten Phoenix Solar , Solarworld und Q-Cells zu den größten Gewinnern.

Ein Medienbericht, wonach die Immobilientochter des angeschlagenen Staatskonzerns Dubai World, Nakheel, im ersten Halbjahr einen Verlust von umgerechnet 3,65 Milliarden Dollar aufgehäuft hat, erinnerte die Anleger an die weiter ungelöste Lage in Dubai. Dubai World verhandelt derzeit mit seinen Gläubigerbanken über eine Umschuldung.

Europaweit schickte vor allem die Sorge um Dubai die Bankenwerte auf Talfahrt. Deutsche Bank  und Commerzbank verloren je über 2 Prozent. In London brachen Royal Bank of Scotland - die Bank zählt wie HSBC zu den Gläubigern von Dubai World - zeitweise um fast 10 Prozent ein. HSBC verloren knapp 3 Prozent. Barclays  fielen in der Spitze um fast 5 Prozent.

Auf der Verlierseite im Leitindex standen auch die Telekom-Aktien  mit einem Abschlag von 2,7 Prozent. Der Abschied der Nummer zwei im Vorstand des Bonner Konzerns, Hamid Akhavan, werfe Fragen über die Strategie der Telekom in den USA auf, sagten Händler. Akhavan wird künftig den Netzwerk-Spezialisten Siemens Enterprise Communications (SEN) leiten. Aktien von Siemens verloren nur moderate 0,1 Prozent, nachdem sie aber schon am Montag infolge eines kritischen Analystenkommentars Federn hatten lassen müssen.

US-Börsen im Minus

Der Dow Jones  fiel in der Spitze um 1 Prozent auf 10.283 Zähler. Der marktbreite S&P-500-Index gab 1 Prozent auf 1093 Punkte ab. An der Technologiebörse Nasdaq  ging es für den Composite-Index um 0,9 Prozent auf 2170 Zähler nach unten. Der Auswahlindex Nasdaq 100 sackte um 0,8 Prozent auf 1.767 Zähler ab. "Was den Markt belastet, ist die Mischung aus einigen negativen Unternehmensmeldungen, einem stärkeren Dollar und den Verlusten bei den Rohstoffen", fasste ein Marktteilnehmer die vorrangigen Belastungsfaktoren zusammen.

3M fielen um 1,9 Prozent auf 76,46 Dollar zurück. Nach dem Einbruch in diesem Jahr rechnet der amerikanische Mischkonzern 2010 zwar wieder mit einem Wachstum. Allerdings fielen die Prognosen schwächer aus als am Markt erwartet. Die Aktien der Schnellrestaurantkette McDonald's  gaben 2,2 Prozent auf 60,53 Dollar nach. Der Konzern hatte auf dem Heimatmarkt den zweiten Monat in Folge mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen. Der Agrarchemiekonzern Monsanto  bestätigte seinen Ausblick für das kommende Jahr und hielt sich mit einem Kursverlust von 0,65 Prozent auf 82,90 Euro besser als der Gesamtmarkt.

Die Lebensmittelkette Kroger stürzte indes nach einem enttäuschenden Quartalsbericht um 12 Prozent auf 19,86 Euro ab. So fiel der Gewinn deutlich geringer als erwartet aus. Der Konzern senkte daraufhin seine Jahresprognose.

Der Ölpreis fiel unter die Marke von 73 Dollar je Barrel und setzte damit die Verluste des Vortages fort. Das sorgte bei den schwer gewichteten Ölaktien für Abschläge. Chevron  gaben um 1,4 Prozent auf 77,11 Dollar nach, Exxonmobil um 1,3 Prozent auf 72,83 Dollar und ConocoPhillips  verbilligten sich um 1,5 Prozent auf 50,07 Dollar.

Fedex, UAL und Research in Motion  (RIM) bildeten indes die positiven Gegengewichte: Fedex kletterten nach Zahlen um 2 Prozent auf 89,27 Dollar. Für den US-Paketdienst laufen die Geschäfte aufgrund einer anziehenden Nachfrage im Ausland sowie Kosteneinsparungen besser als gedacht. Der Konzern hatte am Montag nach US-Börsenschluss seine Erwartungen für das zweite Geschäftsquartal angehoben.

Der US-Luftfahrt-Konzern UAL will 50 Langstrecken-Flugzeuge kaufen. Die eine Hälfte bestellt United Arlines beim Stammlieferanten Boeing , bei der anderen Hälfte kam erstmals der europäische Erzrivale Airbus zum Zug. Hinzu kommen Optionen auf weitere Maschinen. Der bestellte Boeing Dreamliner 787 soll Ende 2010 auf den Markt kommen, das Airbus-Pendant A350 ab 2013. Am Markt wurde die Nachricht mit einem UAL-Kursplus von 2,24 Prozent auf 10,05 Dollar honoriert.

Auch Titel von Research In Motion zogen um 2,12 Prozent auf 61,56 Dollar an. Der Blackberry-Hersteller will in China zusammen mit dem Mobilfunkanbieter China Mobile  Blackberry-Geräte und Internetdienstleistungen auf den Markt bringen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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