Börsenausblick Im Bann der Notenbanker

Die Aktienmärkte haben den Dubai-Schock verblüffend schnell verwunden. Sie dürften deshalb Experten zufolge weiter steigen. Gespannt warten Anleger aber auf weitere Signale für die Zinspolitik. Der stärkere Dollar minderte bereits den Appetit auf riskantere Geschäfte. Und sollten die Zinsen schneller als erwartet steigen, dürfte das für erhebliche Börsenturbulenzen sorgen.

Frankfurt am Main/New York - Zwar wird allgemein erwartet, dass die Kursschwankungen anhalten. Für den Dax  stehen die Chancen für einen freundlichen Start ins Jahr 2010 im Moment aber recht gut. "Die Optimisten sind zurück und bislang haben sie recht behalten", sagt etwa NordLB-Stratege Tobias Basse.

Am Freitag hatte der deutsche Leitindex nach überraschend starken US-Arbeitsmarktdaten 0,8 Prozent höher geschlossen bei 5817,6 Punkten. Damit blieb er zwar unter seinem bisherigen Jahreshoch von 5888 Zählern. Im Vergleich zur Vorwoche gewann der Dax aber immerhin 2,3 Prozent.

Analyst Basse rechnet damit, dass auch in der neuen Woche die US-Konjunktur den Takt an den Börsen vorgeben wird. Dabei stehen dieses Mal vor allem die Daten zum privaten Konsum im Vordergrund. "Auf den US-Verbraucher wird Verlass sein", schätzt Basse, der mit steigenden Einzelhandelsumsätzen und einem verbesserten Verbrauchervertrauen (Uni Michigan) rechnet.

"Geldpolitik als Risikofaktor für die Aktienmärkte"

Die WestLB-Analysten erwarten allerdings, dass die Konsumausgaben im Schlussquartal weit weniger stark zulegen werden als noch im dritten Quartal. Im Fokus bei den makroökonomischen Daten stehen zudem die US-Importpreise.

Große Überraschungen von der Makrofront wird es nach Ansicht von Experten für die Anleger indes nicht geben. "Der Markt preist das alles mehr oder weniger ein", betont Basse. Er rechnet deshalb mit einer Seitwärtsbewegung des Dax, Kursschwankungen einbegriffen. "Denn auch wenn man auf der Stelle geht, kann man die Schrittzahl erhöhen." Die Unicredit stuft das Rückschlagspotenzial für Dax und EuroStoxx  derzeit ebenfalls als gering ein.

Gespannt werden die Anleger in der neuen Woche auch auf weitere Signale für die Zinspolitik der Notenbanken in den USA und Europa schauen. "Die Geldpolitik könnte als Risikofaktor für die Aktienmärkte eine Renaissance erfahren, nämlich dann, wenn eine Straffung der Leitzinsen vom Markt wesentlich früher thematisiert wird, als bislang angenommen", betonen die Experten der WestLB. Sowohl Fed-Vertreter als auch europäische Zentralbanker werden bei diversen Anlässen Reden halten.

Wall Street fürchtet knauserige US-Verbraucher

Die Rally an den US-Börsen dürfte in der kommenden Woche weitergehen, falls knauserige Verbraucher den Anlegern keinen Strich durch die Rechnung machen. Die Kaufzurückhaltung der Kunden im wichtigen Weihnachtsgeschäft sowie die Spekulationen um höhere Zinsen sind die Faktoren, die den Bullenmarkt in New York zum Jahresende zügeln könnten.

Rückenwind kam dagegen am Freitag vom Arbeitsmarkt. In den USA wurden im November deutlich weniger Stellen gestrichen als erwartet. Insgesamt wurden 11.000 Arbeitsplätze abgebaut - so wenig wie seit Beginn der Rezession im Dezember 2007 nicht mehr. Gestützt auf diese Zahlen gewann der Dow-Jones-Index  der Standardwerte zum Wochenschluss 0,2 Prozent auf 10.388 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index stieg um 0,5 Prozent auf 1105 Zähler. Der Technologie-Index Nasdaq  legte ein Prozent zu auf 2194 Stellen.

Dabei erwiesen sich selbst die positiven Daten vom krisengeschüttelten US-Arbeitsmarkt für die Anleger am Freitag als zweischneidiges Schwert: Seit dem Ausbruch der Finanzkrise war es die Strategie der Fed, die Zinsen nahe Null zu halten und damit dem Markt billiges Geld zur Verfügung zu stellen. Investoren fürchten nun, dass die Notenbank die Schutzmaßnahmen für die heimische Wirtschaft aufhebt, bevor sich die Konjunktur - und mit ihr der Aktienmarkt - ausreichend stabilisiert hat.

Konjunkturdaten mit Spannung erwartet

Die Frage nach einer Zinserhöhung dürfte in der kommenden Woche auch den Dollar  fest im Griff haben. Analysten zufolge spekulierten Anleger am Devisenmarkt darauf, dass sich die Fed angesichts der guten US-Arbeitsmarktdaten nun früher als bislang vom Markt erwartet aus ihrer Nullzinspolitik zurückzieht und die Zinsen wieder anhebt. Nach Einschätzung vieler Experten ist dieser Schritt notwendig, sobald sich die positiven Signale aus der Konjunktur häufen.

Die Spekulationen führten am Freitag zu einer Aufwertung des Greenbacks, der seinerseits unter anderem auf dem Goldpreis und dem Rohölpreis lastete. Der Preis für eine Feinunze Gold  fiel unter 1170 Dollar, ein Barrel Öl verbilligte sich um mehr als ein Prozent auf 75,55 Dollar. Dieser Druck schlug wiederum auf Energiekonzerne wie Exxon  durch: Die Papiere gaben ein Prozent nach auf 74,25 Dollar. Zu den größten Verlierern gehörte der Chemieriese DuPont , dessen Titel 7,2 Prozent einbüßten.

Auf Konjunkturseite stehen in der kommenden Woche am Donnerstag Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe an. Analysten rechnen mit einem leichten Anstieg auf 460.000 von 457.000 in der Vorwoche. Ebenfalls am Donnerstag werden die neuen Zahlen zum US-Handelsdefizit veröffentlicht, das sich nach Expertenmeinung im Oktober auf 36,75 Milliarden Dollar nach 36,47 Milliarden Dollar im Vormonat erhöht haben könnte. Am Freitag folgen schließlich die mit Spannung erwarteten Umsatzzahlen des Einzelhandels für November. Hier wird mit einem leichten Anstieg um 0,6 Prozent gerechnet.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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