Börsenschluss US-Jobdaten treiben Dax über 5800 Zähler

Überraschend gute Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt haben den Dax zum Wochenschluss über die Marke von 5800 Zählern gehoben. An der Wall Street lässt der Schwung jedoch am frühen Abend wieder nach.

Frankfurt am Main - Der Leitindex Dax ging 0,8 Prozent höher bei 5.817,65 Punkten ins Wochenende. Im Vergleich zum vergangenen Freitag ist das ein Plus von 2,32 Prozent. Im Verlauf näherte sich das wichtigste deutsche Börsenbarometer bis auf 29 Punkte seinem Jahreshoch bei 5.888 Zählern an.

Der MDax mittelgroßer Werte legte zum Vortag 1,09 Prozent zu auf 7.418,40 Punkte. Der TecDax ging 0,80 Prozent höher bei 809,22 Zählern aus dem Handel.

An der Wall Street ließ der Schwung jedoch am frühen Abend wieder nach. Der Dow Jones , der zeitweise 1,1 Prozent höher notiert hatte, rutschte bis 18 Uhr MEZ ins Minus.

"Die Arbeitsmarktzahlen sind richtig gut ausgefallen und haben sogar die jüngsten Flüsterschätzungen klar geschlagen", sagte Händler Udo Becker von der Münchener Privatbank Merck Finck & Co. Nach Einschätzung von Marktanalyst Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel könnte der Bericht auch den bisher fehlenden Startschuss für eine Jahresendrallye liefern. Dafür müsse der Dax aber seine Widerstandszone bei 5.850 bis 5.890 Punkte tatsächlich überwinden.

Etwas besorgniserregend sei die Entwicklung des Euro, ergänzte ein Börsianer. Dieser rutschte nach den US-Daten unter 1,49 Dollar.

Grünes Licht für Kapitalerhöhung bei Volkswagen

Im Dax endeten die Stämme von Volkswagen (VW) 0,16 Prozent tiefer bei 80,39 Euro, nachdem die Aktionäre von Europas größtem Autobauer dem Vorstand grünes Licht für eine milliardenschwere Kapitalerhöhung gegeben hatten. Einem Vorratsbeschluss zufolge dürfen bis zu 135 Millionen neue stimmrechtslose VW-Vorzugsaktien ausgegeben werden.

Mit dem frischen Geld soll die Übernahme des Sportwagenbauers Porsche finanziert werden. VW-Vorzüge legten um 1,28 Prozent auf 63,50 Euro zu. Der Arbeitskreises Aktienindizes der Deutschen Börse ließ unterdessen wie erwartet die VW-Stämme im Dax. Erst Mitte Dezember dürfte die Ausübung der bei Katar liegenden VW-Optionen den Streubesitz in VW-Stämmen unter 10 Prozent drücken. Dann dürften VW-Vorzüge oder HeidelbergCement in den Dax aufgenommen werden und dort den Platz der Stammaktien von Volkswagen einnehmen.

UBS-Studie drückt Siemens ans Dax-Ende

Siemens verloren nach einer UBS-Studie als schwächster Dax-Wert 0,91 Prozent auf 63,50 Euro. Die schweizerische Großbank hatte die Titel des Mischkonzerns nach der Vorlage der Quartalsbilanz am Vortag und wegen des Ausblicks auf 2010 von ihrer "Most Preferred List" gestrichen. Die Analysten sehen in der Aktie keine kurzfristige Kaufgelegenheit mehr, ließen die Empfehlung aber auf "Neutral" mit dem Kursziel 65,00 Euro.

Die Analysten von Goldman Sachs hatten dagegen ihr Kursziel von 79,00 auf 82,50 Euro erhöht, da sie die Unternehmensziele als "konservativ" einschätzen. Sie beließen ihr Votum auf "Buy". Gefragt waren unterdessen weiter die Aktien der Deutschen Telekom, die an der Dax-Spitze 2,08 Prozent auf 10,570 Euro zulegten. Ein Händler begründete das Plus mit Anschlusskäufen. Zudem würden defensiv eingestufte Werte gesucht.

Hoffnung für Hugo Boss

Im MDax drehten die Vorzüge von Hugo Boss nach einem Bericht der "WirtschaftsWoche" mit 1,10 Prozent ins Plus auf 23,90 Euro. Der britische Finanzinvestor Permira, Großaktionär bei der Boss-Konzernmutter Valentino, will dem Magazin zufolge das schwächelnde deutsche Modeunternehmen mit eigenem Geld unterstützen und damit entlasten.

Laut Brancheninsidern steht Permira nach monatelangen Verhandlungen vor einer Einigung mit einer der drei Banken, die dem Investor vor zwei Jahren den Einstieg bei der Boss-Konzernmutter Valentino mitfinanziert haben.

Am MDax-Ende schlossen IVG-Aktien 1,9 Prozent tiefer bei 6,16 Euro. Händler konnten keine neuen Nachrichten für das Minus verantwortlich machen.

Solartitel gefragt

Solarwerte rückten im TecDax wieder in den Fokus. Roth & Rau zählten mit plus 6,27 Prozent auf 28,80 Euro zu den Favoriten. Händler verwiesen auf Spekulationen um ein mögliches Interesse von Siemens an dem Solarzulieferer. Ein Händler sagte: "Es wird darüber gesprochen, dass Siemens 38 Euro je Aktie von Roth & Rau bieten könnte".

Andere Börsianer verwiesen auf eine Kurszielerhöhung der Commerzbank von 26 auf 32 Euro. Die Analysten bestätigte den Titel des Solarzulieferers mit "Buy". Titel von Q-Cells profitierten davon, dass ein Streit mit seinem chinesischen Zulieferer LDK Solar beigelegt wurde. Sie schlossen mit 3,12 Prozent im Plus bei 10,58 Euro.

manager-mgazin.de mit Material von dpa-afx

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