Börse Dax gibt Gewinne ab

Der deutsche Aktienmarkt hat eine Verschnaufpause eingelegt. Der Dax ging mit 5778 Punkten 0,5 Prozent tiefer aus dem Handel. Am Montag hatte der deutsche Leitindex noch gut 2 Prozent zugelegt. Gewinner im Dax waren Papiere von K+S, die größten Verluste verbuchten Aktien von BMW und Lufthansa.

Frankfurt am Main - Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag Verluste verzeichnet. Verhaltene Geschäftsausblicke im US-Einzelhandel und der steigende Dollar verdarben den Anlegern in Asien, Europa und den USA die Laune. Dem allgemeinen Trend konnte sich auch der Aktienhandel in Deutschland nicht entziehen. Der Deutsche Aktienindex Dax  schloss mit einem Minus von 0,5 Prozent bei 5778 Zählern.

Auch bei den Nebenwerten ging es abwärts. Der MDax  ging mit einem Minus von 1 Prozent bei 7361 Zählern aus dem Handel. Der TecDax  gab 0,3 Prozent ab auf 780 Punkte. "So eine leichte Korrektur ist für den Markt ganz gesund", sagte ein Händler. Am Montag hatte der deutsche Leitindex noch gut 2 Prozent zugelegt.

Schlusslicht im Dax waren Lufthansa-Aktien  mit einem Minus von 2,1 Prozent. Vizechef Christoph Franz hatte sich in mehreren Zeitungsinterviews skeptisch zur Entwicklung im Passagiergeschäft geäußert und das Jahr 2010 als "schwierige Herausforderung" bezeichnet. Die Papiere von Easyjet  gaben nach einem Gewinneinbruch des britischen Billigfliegers 3,6 Prozent nach.

Merck-Titel  büßten 1,8 Prozent auf 65,56 Euro ein. Die Analysten von Morgan Stanley  hatten die Aktien auf "Underweight" heruntergestuft und ihr Kursziel auf 61 von 66 Euro gesenkt. Die Erwartungen an das Merck-Krebsmedikament Erbitux und das Multiple-Sklerose-Mittel Mylinax seien zu hoch, hieß es in einer Studie der Bank.

ThyssenKrupp  gaben nach der Herabstufung des Kreditratings durch S&P 0,5 Prozent nach. S&P hatte die Kreditwürdigkeit des Stahlkonzerns auf "spekulativ" gesenkt.

Auf der Gewinnerseite im Dax standen dagegen die Aktien von Kali und Salz  ganz vorne. Händler erklärten das Kursplus von 4,5 Prozent mit Spekulationen über einen Einstieg des US-Star-Investors Warren Buffett. Der Salz- und Düngemittelkonzern erklärte, sich grundsätzlich nicht zu Marktgerüchten zu äußern. In Toronto verteuerten sich die Papiere des K+S-Konkurrenten Potash  um 2,4 Prozent, nachdem der US-Investor George Soros seinen Anteil erhöht hatte.

Ein Medienbericht über Interesse eines arabischen Staatsfonds an der -Kunststoffsparte von Bayer  trieb die Aktien des Pharma- und Chemiekonzerns um 2,1 Prozent in die Höhe.

Auf den Finanzwerten lasteten Äußerungen der einflussreichen US-Bankenanalystin Meredith Whitney. Es sei ausgeschlossen, dass der Bankensektor über ausreichend Kapital verfüge, sagte sie in einem TV-Interview. Es sei an der Zeit, die Bewertung von Großbanken herunterzustufen. Der europäische Stoxx 50  -Branchenindex gab 1,3 Prozent nach, die Aktien der Deutschen Bank  verloren 0,7 Prozent. Die Titel der UBS  rutschen 3,6 Prozent ab. Händler begründeten die Kursverluse damit, dass Einzelheiten zur Amtshilfe der Schweiz im Streit der Großbank mit den US-Steuerbehörden bekanntgeworden seien. Gegen den Trend legten die Fortis  -Papiere 1,4 Prozent zu. Die belgische Finanzgruppe schrieb im dritten Quartal schwarze Zahlen.

Starker Dollar drückt Öltitel

Ein stärkerer Dollar in Euro  und Konjunktursorgen haben die Aktienmärkte in New York am Dienstag belastet. Die Aufwertung der US-Währung machte vor allem Rohstofftitel zu schaffen. Zudem geriet die Erholung der US-Industrie nach dem Ende der Abwrackprämie ins Stocken. Auf die Stimmung der Anleger drückte auch ein skeptischer Ausblick der weltgrößten Baumarktkette Home Depot .

Die Abschläge hielten sich aber nach den Vortagsgewinnen insgesamt in Grenzen. Analysten führten dies darauf zurück, dass die Investoren sich auf die traditionelle Jahresendrally vorbereiteten und selektiv Titel kauften.

Der Dow Jones  der Standardwerte verlor 0,3 Prozent auf 10.378 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 gab 0,5 Prozent nach auf 1103 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  sank um 0,4 Prozent auf 2189 Punkte.

Der Dollar in Euro  erholte sich von seinem 15-Monats-Tief am Montag und setzte so die Rohstoffpreise unter Druck. Dies bereitete dem Höhenflug der Titel von Ölfirmen und anderen Branchenwerten ein Ende. So verbilligten sich die Papiere des Aluminiumriesen Alcoa  um 1,4 Prozent. Belastend wirkten sich auch enttäuschende Daten von der Konjunkturfront aus. Die Industrieproduktion stieg zwar im Oktober den vierten Monat in Folge. Der Zuwachs war mit 0,1 Prozent aber nur minimal und blieb deutlich hinter dem von Analysten erwarteten Plus von 0,4 Prozent zurück.

Auf Unternehmensseite konnte Home Depot  dank kräftiger Sparmaßnahmen seinen Gewinnrückgang in der Wirtschaftskrise im dritten Quartal stärker eingrenzen als erwartet. Konzernchef Frank Blake sprach aber trotz positiver Anzeichen für eine Erholung von einem weiterhin hohen Druck auf die Branche. Die Aktie gab 4,2 Prozent nach.

Auch der Einzelhändler Target blickt pessimistisch auf das Schlussquartal. Die Titel büßten knapp 5 Prozent ein. "All dies schürt Sorgen über die Stärke und Dauerhaftigkeit der konjunkturellen Erholung", sagte der Analyst Jim Awad von Zephyr Management.

Die Papiere von Time Warner  notierten rund 1 Prozent tiefer. Mit der endgültigen Trennung von AOL zieht der Medienriese einen Schlussstrich unter einen der größten Fehlschläge der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte. Der Konzern kündigte an Montagabend an, neun Jahre nach dem Zusammenschluss mit AOL auf dem Höhepunkt des Internetbooms die Sparte an die Börse zu bringen. Zum Zeitpunkt der Fusion im Januar 2000 wurde AOL mit 163 Milliarden Dollar bewertet. Der aktuelle Marktwert der Internettochter läge basierend auf dem Schlusskurs der Time-Warner-Aktie von Montag bei 3,44 Milliarden Dollar.

Eine Übernahme-Offerte in der Chip-Branche ließen dagegen die Aktien von Semitool um rund 30 Prozent in die Höhe schnellen. Applied Materials  kündigte an, den Wettbewerber für 364 Millionen Dollar zu kaufen. Damit will der weltgrößte Hersteller von Maschinen für die Chip-Industrie seine Position im Geschäft mit Chips für Handys und andere kabellose Geräte stärken. Applied Materials will elf Dollar je Semitool-Aktie Zahlen. Das ist ein Aufschlag von 31 Prozent auf den Schlusskurs von Montag. Die Aktien von Applied Materials gaben 1,4 Prozent nach.

manager-magazin.de mit Material von ap, ddp, dpa-afx und reuters

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