Wochenausblick Markterholung steht auf tönernen Füßen

Mit dem Auslaufen der Berichtsaison in Deutschland und Europa dürften in der kommenden Woche vor allem die US-Märkte und Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten die Richtung vorgeben.

Frankfurt am Main - Die Erholung am deutschen Aktienmarkt steht nach dem deutlichen Kursplus in der vergangenen Woche Experten zufolge auf tönernen Füßen.

"Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die Aktienmärkte nach der starken Kursentwicklung seit März anfällig für Rückschläge sind", heißt es in einer Studie der DZ Bank. Und auch die Experten der Landesbank Berlin gehen davon aus, dass sich der "Zick-Zack-Kurs und damit die laufende Konsolidierung" fortsetzen wird. Mit dem Auslaufen der Berichtsaison in Deutschland und Europa dürften in der kommenden Woche vor allem die US-Märkte und Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten die Richtung vorgeben.

Dabei erhoffen sich Börsianer vor allem Aussagen darüber, ob sich der jüngste konjunkturelle Erholungstrend fortsetzen kann. "Mit dem Empire State Index (Montag) und dem Philadelphia Fed Index (Donnerstag) werden erste Frühindikatoren für November veröffentlicht. Beide Indizes sollten einen Anstieg verzeichnen und damit belegen, dass die Wachstumsdynamik auch im Schlussquartal dieses Jahres erfreulich hoch bleiben wird", schrieb Helaba-Expertin Claudia Windt in einer Studie. Sollten die Daten dies zeigen, könnten die US-Börsen wie schon in der vergangenen Woche wieder das Zugpferd für die europäischen Märkte sein.

Anders als der Dax  und der EuroStoxx 50  erklomm der Dow Jones  zuletzt ein neues Jahreshoch - allerdings war der Dow Jones in seiner Erholung seit den Tiefständen von Anfang des Jahres den Märkten in Deutschland und Europa hinterhergehinkt. Mit der zuletzt wieder stärkeren Entwicklung hatte der amerikanische Markt diese Lücke lediglich weitestgehend geschlossen. Seit ihren Tiefständen von Anfang März konnten sowohl der Dax als auch der Dow Jones jeweils um rund 58 Prozent zulegen. Beim EuroStoxx 50 steht ein Plus von 63 Prozent auf dem Kurszettel.

Die LBB-Analysten gehen deshalb davon aus, dass ein größerer Rückschlag noch aussteht. "Die hohe Bewertung, die Unsicherheit über die Nachhaltigkeit der laufenden konjunkturellen Erholung sowie der zeitweise über 1,50 Dollar gestiegene Euro  dürften für Skepsis sorgen", schrieben die Experten der Bank. "Die Umsätze der letzten Wochen deuten zudem darauf hin, dass Anleger verstärkt bereit sind, Gewinne - insbesondere vor dem Hintergrund des näher rückenden Jahresendes - mitzunehmen." Schwächephasen könnten Anleger aber unverändert zum Positionsaufbau nutzen.

Nach der Flut an Unternehmenszahlen in den vergangenen Handelstagen wird es in der kommenden Woche an dieser Front ruhiger werden. An den Aktienmärkten in Paris und Frankfurt stehen am Montag die Papiere des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS  im Fokus, die an beiden Handelsplätzen rege gehandelt werden. In Deutschland legt am Donnerstag der jüngst wieder in den Dax aufgestiegene Halbleiterkonzern Infineon  seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor.

Zudem steht am Donnerstag die außerordentliche Hauptversammlung der Deutschen Telekom  an - dabei geht es um die Zusammenlegung des Fest- und Mobilfunkgeschäfts in Deutschland. Aus dem TecDax  legen an dem Tag Solon  und Wirecard  ihre Zahlen für das vergangene Quartal vor. Außerdem werden in der Woche Ergebnisse der im SDax  notierten Werte Air Berlin  (Donnerstag) und GfK  (Montag) erwartet.

von Bernd Zeberl, dpa-afx

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.