Märkte Kräftige Verluste - Zuversicht sinkt

Neu aufgeflammte Konjunktursorgen und enttäuschende Unternehmenszahlen haben den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch auf Talfahrt geschickt. Der Leitindex Dax kämpfte in den letzten Handelsminuten vergeblich um die Verteidigung der Marke von 5500 Punkten, nachdem er vor rund einer Woche noch nahe an die Marke von 5900 Punkten heran gelaufen war.

Frankfurt am Main - Mit minus 2,5 Prozent und damit 5496 Punkten ging der Dax  schließlich aus dem Handel. Der MDax  mittelgroßer Werte brach um 4,3 Prozent auf 6703 Punkte ein. Der TecDax  büßte 3,8 Prozent auf 716 Zähler ein.

"Nach dem nunmehr fünften Handelstag in Folge, in dem der Dax in den roten Zahlen liegt, sinkt die Zuversicht hinsichtlich der konjunkturellen Erholung. Der Optimismus von Beginn der Berichtssaison scheint umzuschlagen in wachsende Skepsis", sagte Marktanalyst Mark Rohles von IG Markets in Düsseldorf. Die Anleger reagierten seit Tagen mit einer großen Portion Misstrauen auf jede neue Nachricht, sei es durch schnelle Gewinnmitnahmen oder durch verlustbegrenzende Abverkäufe von Titeln mit schwacher Quartalsbilanz. "Die Angst vor dem traditionell heiklen Börsenmonat Oktober schlägt zu Monatsende immer weiter durch", resümierte er.

Eine schwache Quartalsbilanz sowie eine gesenkte Umsatzprognose belastete die Aktie von Deutschlands größtem Software-Hersteller SAP (Kurswerte anzeigen). Sie brach am Dax-Ende um 7,7 Prozent auf 31,750 Euro ein.

Finanzwerte zeigten sich ebenfalls sehr schwach: Die Titel der Deutschen Börse  wurden am Nachmittag auf Talfahrt geschickt, als Gerüchte aufkamen, der Börsenbetreiber habe Analysten vor überzogenen Erwartungen hinsichtlich seiner Zahlen zum dritten Quartal gewarnt. Die Deutsche Börse legt am 5. November ihren Geschäftsbericht vor. Ihre Aktien büßten als zweitschwächster Dax-Wert 6,6 Prozent auf 55,76 Euro ein.

Die Titel der Commerzbank  folgten mit minus 6,2 Prozent auf 6,94 Euro. Enttäuschende Zwischenergebnisse der spanischen Bank Santander  sowie die Nachwirkungen der angekündigten Aufspaltung der niederländischen Bank ING  zogen europaweit den gesamten Sektor nach unten. Die Titel der Deutschen Bank  gaben um 3,1Prozent auf 48,90 Euro nach. Nach monatelangen Verhandlungen ist die Übernahme der angeschlagenen Privatbank Sal. Oppenheim durch den deutschen Branchenprimus nun perfekt. Für die gesamte Gruppe zahlt die Deutsche Bank zunächst 1,3 Milliarden Euro, wobei einige Teile weiterverkauft werden sollen.

Überraschend legte die Lufthansa Eckdaten des abgelaufenen Quartals vor, was der Aktie ein Minus von 5,5 Prozent auf 10,37 Euro bescherte. "Die Zahlen sind deutlich besser als vom Markt erwartet ausgefallen", sagten mehrere Händler und verwiesen insbesondere auf das operative Ergebnis der ersten neun Monate sowie den stark verringerten Nettoverlust. "Allerdings beunruhigt die Gemüter die Aussage, dass der Jahresausblick mit sehr hohen Risiken belastet sei. Das wird am Markt als halbe Gewinnwarnung interpretiert", sagte einer von ihnen.

Auch Stahlwerte wie ThyssenKrupp , Salzgitter  oder Klöckner & Co.  zählten mit Kursabschlägen zwischen 4 und 7 Prozent zu den größeren Verlierern. Wettbewerber ArcelorMittal  hatte den Markt europaweit mit recht vorsichtigen Aussagen zum vierten Quartal und zum kommenden Jahr verunsichert.

Die Aktien der Deutschen Telekom  gehörten dagegen mit plus 1,1 Prozent auf 9,60 Euro zu den wenigen Gewinnern an diesem Tag. Den Analysten von Barclays zufolge dürfte die europäische Telekom-Branche in den nächsten Jahren von hohen Barmittelzuflüssen profitieren. Händler verwiesen außerdem darauf, dass Unternehmenschef René Obermann an diesem Tag den Jahresausblick bestätigt haben soll.

von Claudia Kahlmeier, dpa-afx

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