Börsenschluss Anleger gehen auf Nummer sicher

Der Dax hat am Donnerstag eine Verschnaufpause eingelegt und im Minus geschlossen. Anleger gingen auf Nummer sicher und strichen jüngste Kursgewinne ein. Beobachter rechnen aber nicht mit einem größeren Rückschlag für den Leitindex. Es gebe noch viel Geld im Markt, hieß es. Infineon, Deutsche Post und Bankentitel zählten zu den größten Verlierern.

Frankfurt am Mai - Nach dem Kursanstieg der vergangenen Wochen sind die Investoren am deutschen Aktienmarkt vorsichtig geworden. "Nachdem die US-Bilanzsaison recht gut angelaufen ist, kamen gestern einige Enttäuschungen", sagte ein Börsianer. "Da geht der eine oder andere erst einmal auf Nummer sicher und nimmt Gewinne mit." Ohnehin seien die Erwartungen an die Unternehmen sehr gestiegen, fügte ein anderer Händler hinzu.

"Die Unternehmen müssen mittlerweile wirklich positiv überraschen; die Erwartungen zu erfüllen, reicht nicht mehr". Am Abend ging der Dax  mit einem Abschlag von 1,2 Prozent auf 5763 Zählern aus dem Handel. 29 von 30 Werten beendeten den Handel mit Verlusten. Dennoch rechneten Börsianer nicht mit einem größeren Rückschlag für den Dax.

"Es gibt immer noch genügend Anleger, die die bisherige Rally verpasst haben und nur auf eine Gelegenheit lauern, um einzusteigen", betonte einer von ihnen. Im Vergleich zu seinem Tief vom März hat der deutsche Leitindex rund 2200 Punkte zugelegt.

An anderen Börsen ging es ebenfalls abwärts: Der Stoxx 50 , in dem die Aktien der 50 größten börsennotierten Unternehmen Europas enthalten sind, sackte um 0,9 Prozent ab auf 2495 Punkte. An der Wall Street drückten vor allem schwache Arbeitsmarktdaten auf die Stimmung, doch einige Index-Schwergewichte konnten dank guter Quartalsberichte zulegen. So notierte der Dow Jones zu Handelsschluss in Europa mit Hilfe von Kursgewinnen bei McDonalds, AT&T oder 3M 0,6 Prozent höher. Dagegen fiel der Nasdaq Composite  um 0,4 Prozent zurück.

Ericsson-Zahlen drücken Infinineon-Aktien

Im Dax waren Infineon  mit einem Abschlag von 4,3 Prozent auf 3,56 Euro das Schlusslicht. "Da drücken die schwachen Zahlen von Ericsson  auf die Stimmung", sagte ein Händler. Der schwedische Telekom-Ausrüster hatte ein Quartalsergebnis unter Markterwartungen bekanntgegeben.

Ericsson-Titel brachen daraufhin an der Stockholmer Börse um 6,2 Prozent ein. Alcatel-Lucent  verbuchten Kursverluste von 2,5 Prozent und Nokia  gaben 0,3 Prozent nach. Der Branchenindex war mit einem Abschlag von zwei Prozent stärkster Verlierer unter den 19 europäischen Sektorindizes.

Ebenfalls stark unter Druck geriet im Dax die Deutsche Post : Händlern zufolge wurde der Titel von den Folgen der Quelle-Pleite und von dem Quartalsbericht des US-Rivalen United Parcel Service belastet. Deutsche Post fielen um 2,7 Prozent, UPS im US-Handel um 1,2 Prozent.

Bankentitel wieder auf der Verliererseite

Auch die Bankenwerte standen wieder auf der Verliererseite. Allerdings hatten die Titel in den vergangenen Wochen auch deutlich zugelegt, wie Händler sagten. Deutsche Bank  rutschten um 2,3 Prozent ab, Barclays  verloren 1,6 Prozent. Auch bei Credit Suisse und der Commerzbank-Tochter Comdirect  reagierten Anleger mit Verkäufen auf die Geschäftszahlen, obwohl beide Institute mit ihrem Gewinn die Analystenprognosen übertroffen hatten. Comdirect verloren 1,1 Prozent. Credit Suisse gaben in Zürich 3,5 Prozent auf 57,95 Franken nach. "Gut ist nicht gut genug", betonten die Experten von Close Brothers Seydler.

Auch die Ergebnisse von Nestlé  wurden an der Börse nicht nur positiv beurteilt, doch konnte der Schweizer Nahrungsmittelriese mit der Ankündigung eines größeren Aktienrückkaufprogramms punkten. Die Titel legten um 1,4 Prozent zu. Die Aktien des französischen Spirituosen-Herstellers Pernod Ricard stiegen nach Vorlage von Quartalszahlen um 2,3 Prozent. Der Index der europäischen Nahrungsmittelbranche gehörte angesichts dessen zu den Sektorindizes, die sich am besten halten konnten.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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