Märkte Kauflaune von Firmen elektrisiert Anleger

Mehrere Übernahmevorhaben regen die Phantasie der Investoren in den USA an - die Märkte verzeichen deutliche Kursgewinne. In Deutschland freuen sich Investoren auf Milliardengewinne durch Atomenergie - die Börse frohlockt angesichts des Wahlsiegs von Union und FDP. Bayer, Volkswagen und Commerzbank führen den Dax an.

New York/Frankfurt am Main - Angetrieben von Übernahme- und und Beteiligungsvorhaben sind die Börsen in den USA am Montag kräftig gestiegen. Ihre Tageshochs konnten die vier wichtigsten US-Indizes jedoch nicht halten.

"Große Zukäufe ermutigen die Anleger", begründete ein Börsianer die Pluszeichen vor den Indizes und verwies insbesondere auf die Offerte des Drucker-Spezialisten Xerox  für ACS. Zudem wurde am Markt auch von möglichen "Kurspflege-Aktionen" vor dem Ablauf des Quartals gesprochen, die noch bis Mittwoch andauern dürften und bei Händlern kurz "Window-Dressing" genannt werden.

Der US-Leitindex Dow Jones  rückte um 1,28 Prozent auf 9789 Zähler vor, das Tageshoch lag bei rund 9824 Punkten. Der marktbreite S&P-500-Index legte um 1,78 Prozent auf 1063 Punkte zu. An der Technologiebörse Nasdaq  stieg der breit angelegte Composite-Index um 1,90 Prozent auf 2131 Zähler. Auch er schloss unter seinem Tageshoch, das bei rund 2140 Zählern gelegen hatte. Für den Auswahlindex Nasdaq 100  ging es um 1,80 Prozent auf 1725 Punkte aufwärts.

Für 6,4 Milliarden US-Dollar will der Drucker-Spezialist Xerox das Software-Unternehmen Affiliated Computer Services (ACS) übernehmen und so sein Service-Geschäft ausbauen. Je Aktie bietet Xerox 63,11 Dollar, wobei die Aktionäre je Anteilsschein 18,60 Dollar in bar sowie 4,935 Xerox-Aktien erhalten sollen. Während die Papiere von Xerox daraufhin um 14,38 Prozent auf 7,68 Dollar nachgaben, schossen die von ACS um 13,99 Prozent auf 53,86 Dollar in die Höhe.

Im Pharmasektor gab es gleich drei Übernahme-Ankündigungen: Der Pharma- und Gesundheitskonzern Johnson & Johnson  teilte mit, sich mit 18 Prozent an dem niederländischen Biotechunternehmen Crucell beteiligen zu wollen. Dafür hat Crucell 14,6 Millionen neue Aktien für 302 Millionen Euro an den US-Konzern ausgegeben, wofür ein Aufschlag von rund 30 Prozent bezahlt wurde. Die Johnson-Aktien gewannen im Dow 1,07 Prozent auf 61,27 Dollar.

Die ebenfalls im Pharmazie- und Medizintechnikbereich tätige Covidien will Aspect Medical Systems , einen Spezialisten im Bereich Gehirnüberwachungstechnologie, für 210 Millionen Dollar kaufen. Die Covidien-Aktien legten daraufhin um 2,85 Prozent auf 42,54 Dollar zu, die Aspect-Papiere sprangen zugleich um 55,93 Prozent auf 11.96 Dollar hoch.

Der Pharmakonzern Abbott Laboratories  will das Arzneimittelgeschäft des belgischen Partners Solvay für 4,5 Milliarden Euro in bar kaufen. Darüber hinaus ist es geplant, weitere mehrere hundert Millionen Euro zu investieren und Schulden zu übernehmen. Die Transaktion, die noch von den Behörden genehmigt werden muss, hat einen Gesamtwert von 5,2 Milliarden Euro. Die Abbott-Papiere profitierten von dem Vorhaben mit plus 2,64 Prozent auf 48,58 Dollar.

Dax: Ein Jahreshoch namens Guido

Am Montag nach der Bundestagswahl hat der Dax kräftig zugelegt und auf einem neuen Jahreshoch geschlossen. Als Hauptantriebsfedern nannten Börsianer das von den Anlegern mit Erleichterung aufgenommene Wahlergebnis und die gute Stimmung an der Wall Street.

Der Leitindex Dax  ging schließlich mit einem satten Plus von 2,78 Prozent auf 5736 Punkten aus dem Handel. Für den MDax  mittelgroßer Werte ging es um 2,80 Prozent auf 7351 Punkte hoch und der TecDax  stieg um 2,27 Prozent auf 755 Zähler.

Am Markt habe sich die Einschätzung durchgesetzt, dass der Sieg für Schwarz-Gelb bei der Bundestagswahl ideal für die Börse sei, sagte Christian Schmidt, Marktstratege bei der Helaba. Patrick Pflüger, Marktanalyst bei IG Markets, ergänzte: "Kurzfristige positive Impulse durch die Wahl sind klar zu erkennen". Am Nachmittag dann erhielt der Dax durch die Kursgewinne im Dow-Jones-Index weiter Auftrieb. Dort trieben Übernahmemeldungen die Kurse an.

Die Versorger Eon  und RWE  gelten als die größten Gewinner einer schwarz-gelben Regierung, da somit voraussichtlich die Laufzeiten der bestehenden Atomkraftwerke verlängert werden. Entsprechend zählten die Indexschwergewichte zu den Favoriten: Eon verteuerten sich um 4,50 Prozent auf 29,48 Euro und RWE stiegen um 4,20 Prozent auf 64,80 Euro.

Solarwerte wie Q-Cells , Centrotherm  Photovoltaics und Solarworld  aber verbuchten nur geringe Aufschläge oder rutschten sogar ins Minus. Die Liberalen hatten sich für eine Kürzung von Solar-Subventionen ausgesprochen.

Konsumwerte profitieren von Steuersenkungseuphorie

Konsumwerte wie Metro , Douglas  und die Sportartikelhersteller Adidas  und Puma  gelten derweil ebenfalls als Gewinner des Wahlausgangs. Mit einer schwarz-gelben Mehrheit im Bundestag steige die Wahrscheinlichkeit für Steuererleichterungen, hieß es von einigen Marktteilnehmern. Dies sei positiv für den Konsum.

Zahlreiche Analysten äußerten sich indes vorsichtiger: Es sei zwar ein gewisser Grundkonsens zum Thema Steuersenkungen da, doch gerade was die Details betreffe, gäbe es deutliche Divergenzen, sagte ein Experte. Metro-Aktien verbuchten einen Aufschlag von 3,21 Prozent auf 38,30 Euro. Douglas und die beiden Sportartikelhersteller notierten derweil uneinheitlich.

Analystenkommentare sorgten bei den Anteilsscheinen der Commerzbank  und bei MAN  für Kursreaktionen. Während die Bank-Titel mit plus 4,63 Prozent auf 8,70 Euro davon profitierten, dass die Experten von JPMorgan Chase  sie zuvor von "Underweight" auf "Neutral" hochgestuft und das Kursziel von 3,85 auf 7,90 Euro angehoben hatten, ging es für MAN nur um unterdurchschnittliche 1,52 Prozent auf 58,13 Euro nach oben. Händler verwiesen auf eine Abstufung durch die Deutsche Bank von "Buy" auf "Hold" mit dem allerdings unveränderten Kursziel von 60 Euro.

Aktien von Stada  sprangen im MDax um 11,78 Prozent auf 18,70 Euro in die Höhe. "Die Deutsche Bank hat wohl eine kurzfristige Kaufempfehlung ausgesprochen", sagte ein Händler. Ohnehin setzten die Anleger darauf, dass die neue schwarz-gelbe Regierung der Gesundheitsreform eine für den Generikahersteller günstigere Wendung gebe. Im TecDax verzeichneten die Papiere des Medizin- und Sicherheitstechnikanbieters Drägerwerk ein ordentliches Plus von 8,61 Prozent auf 26,74 Euro.

Titel von Heidelberger Druckmaschinen  schnellten um 8,03 Prozent auf 7,40 Euro hoch. Börsianer verwiesen auf einen erneuten Bericht, wonach eine Fusion mit Manroland kurz bevorstehe. Dem "Platow-Brief" zufolge "gewinnt das Fusionsvorhaben deutlich an Tempo und noch Anfang Oktober soll das Konzept vorgestellt werden."

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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