Börsenschluss Kursrutsch nach US-Häuserdaten

Unerwartet schwache Daten vom US-Immobilienmarkt haben am Donnerstag die Aktienmärkte belastet. Der Dax rutschte zeitweilig unter die Marke von 5600 Punkten. Finanzwerte zählten zu den größten Verlierern im Dax.

Frankfurt am Main - Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag schwach geschlossen. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung am Nachmittag zwangen enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA den Leitindex bis Handelsende in die Knie. Der Dax  verlor 1,70 Prozent auf 5605 Zähler. Für den MDax  der mittelgroßen Werte ging es zuletzt um 2,10 Prozent auf 7205 Punkte abwärts, der TecDax  verlor 2,33 Prozent auf 746 Punkte. An der New Yorker Wall Street notierte der Dow Jones  gegen 17.50 Uhr (MEZ) 0,6 Prozent leichter bei 9687 Zählern.

Die Zahl der verkauften Eigenheime in den USA war im August auf 5,10 Millionen gesunken, Analysten hatten mit einem Anstieg auf 5,35 Millionen gerechnet. "Das ist schon eine deutliche Abweichung", sagte ein Händler. "Die Zahlen sind überraschend schwach ausgefallen, belasten die Märkte und schüren weitere Verunsicherung", sagte Marktanalyst Patrick Pflüger von IG Markets. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der als Indikator für die Stimmung der deutschen Wirtschaft gilt, habe "wenig Auswirkungen" gezeigt. Er habe zwar zum sechsten Mal in Folge zugelegt, jedoch nicht so stark wie erwartet.

Infineon  schlossen mit minus 5,36 Prozent auf 3,53 Euro als schwächster Dax-Wert. Allianz  verloren 3,93 Prozent auf 81,11 Euro. Commerzbank  zählten mit minus 3,34 Prozent auf 8,38 Euro ebenfalls zu den schwachen Dax-Titeln. Ein Händler verwies als Belastungsfaktor auf Aussagen von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), wonach das Risiko einer Kreditklemme in Deutschland noch nicht vorüber sei. Die Papiere der Deutschen Bank  verloren 2,82 Prozent auf 51,83 Euro.

Auch die Stahlwerte gaben nach. Salzgitter  zählten trotz eines positiven Analystenkommentars mit minus 2,61 Prozent auf 69,13 Euro zu den besonders schwachen Dax-Werten, ThyssenKrupp  gaben um 1,40 Prozent auf 23,90 Euro nach.

Die Deutsche Börse sucht nach neuen Ankeraktionären und setzt dabei auf den Staat. Wie das "Manager Magazin" vorab unter Berufung auf Finanzkreise berichtete, ist Börsenchef Reto Francioni bereits seit Monaten auf der Suche nach einem Ankerinvestor und sucht inzwischen die Unterstützung einheimischer Verbündeter wie den Staatsbanken der KfW und Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Die Deutsche Börse wollte dies nicht kommentieren. Allerdings seien 100 Prozent der Aktien inzwischen im Streubesitz, und es werde eine Strategie verfolgt, die der Wertschaffung für alle Aktionäre dienen solle. Die Aktie ging mit minus 1,75 Prozent auf 57,85 Euro aus dem Handel.

Zu den wenigen Gewinnern im Markt zählten die Papiere von Fresenius , die mit plus 0,98 Prozent auf 39,22 Euro zu den gefragten Dax-Titeln zählten. Goldman Sachs hatte die Titel des Gesundheitskonzerns von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel auf 48,00 Euro belassen. Die unterdurchschnittliche Kursentwicklung im Jahr 2009 sei eine übertriebene Reaktion auf den Verlust des Heparin-Monopols in den USA, schrieb Analyst Hans Bostrom in einer Branchenstudie. Der US-Pharmakonzern Hospira hatte kürzlich auf dem US-Dialysemarkt das Monopol des Gerinnungshemmers Heparin von Fresenius geknackt.

Im MDax  notierten die Papiere von HeidelbergCement  bei 42,40 Euro am Index-Ende. Händler und Analysten verwiesen angesichts des zweistelligen Minus auf die Kapitalerhöhung und den Bezugsrechtsabschlag. Der hoch verschuldete Baustoffkonzern HeidelbergCement will mit seiner Kapitalerhöhung 2,25 Milliarden Euro einnehmen. Die 62,5 Millionen Aktien wurden zu einem Preis von 37 Euro je Anteilschein zugeteilt.

Thomas Nagel, technischer Analyst und Aktienhändler bei Equinet, sagte: "Jeder versucht, das Verhältnis von Aktien und Bezugsrechten für sich zu nutzen und damit Geld zu verdienen - aber offensichtlich funktioniert das nicht, weil das Verhältnis zwischen den Aktien und den Bezugsrechten im heutigen Handel noch nicht den fairen Wert erreicht hat."

manager-magazin.de mit Material von dpa

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