Märkte Wall Street macht Mut

Nach einem holprigen Start haben die US-Börsen zurück in die Gewinnzone gefunden und sich freundlich ins Wochenende verabschiedet. Gewinner des Tages waren Aktien von Procter & Gamble, AT&T und Pfizer, Verlierer General Electric, Caterpillar und American Express.

New York - Sorgen über die weiteren Chancen auf Kurssteigerungen und die Nachhaltigkeit der jüngsten Kurssteigerungen hatten dem Markt im frühen Handel leichte Verluste eingebracht. Börsianer machten am "Hexensabbat", dem großen Verfallstag an den Terminbörsen, insgesamt eine gewisse Zurückhaltung bei den Anlegern aus.

Der Dow Jones  legte zuletzt 0,4 Prozent auf 9.820 Punkte zu und erzielte damit einen Wochengewinn von 2,24 Prozent. Der marktbreite S&P-500-Index schloss bei 1.068 Zählern um 03 Prozent fester. An der Technologiebörse Nasdaq  gewann der breit angelegte Composite-Index 0,3 Prozent auf 2.133 Zähler. Für den Auswahlindex Nasdaq 100 ging es um 0,2 Prozent auf 1.725 Punkte nach oben.

Insgesamt stellen sich laut Analysten Investoren nach einer Sechs-Monats-Rally inzwischen die Frage, inwieweit weitere Kurssteigerungen überhaupt noch zu rechtfertigen seien. "Kurzfristig betrachtet ist der Markt reif für eine Pause", sagte Michael Sheldon, Chef-Stratege bei RDM Financial. "Allerdings ist der Grundtenor sowohl am Markt als auch in der Wirtschaft derzeit positiv."

Auf Unternehmensseite standen erneut insbesondere Technologiewerte im Fokus der Anleger. Es waren jedoch insbesondere positive Analystenkommentare bei verschiedenen Branchenschwergewichten wie Procter & Gamble  und Chevron , die dem Markt letztendlich auf die Sprünge halfen. Procter & Gamble kletterten um 3,2 Prozent auf 57,32 Dollar. Die Citigroup  hatte zuvor die Aktien zum Kauf empfohlen und erklärt, Anleger sollten sich auf ein neues Kursfeuer einstellen. Chevron arbeiteten sich um 0,9 Prozent auf 72,64 Dollar vor, nachdem die Experten der Credit Suisse die Aktien auf "Outperform" hochgestuft und das Kursziel von 70,00 auf 80,00 Dollar angehoben hatten.

Der Smartphone-Hersteller Palm  fuhr trotz Sanierungskurs bereits den neunten Quartalsverlust in Folge ein und wurde dafür von den Marktteilnehmern mit einem Kursverlust von 3 Prozent auf 14,01 US-Dollar abgestraft. Für das zweite Geschäftsquartal lieferte Palm lediglich einen durchwachsenen Umsatzausblick. Das Top-Modell von Palm gilt als einer der stärksten Herausforderer des Erfolgshandys iPhone von Apple. Apple-Aktien  legten leicht um 0,3 Prozent auf 185,02 Dollar zu.

Yahoo  litten mit minus 0,6 Prozent auf 17,39 Dollar unter den jüngsten Nachrichten von Google . Betreiber von Webangeboten können künftig über den Suchmaschinenkonzern freie Flächen für grafische Online-Werbung anbieten. Google setzt seit Monaten auf den Ausbau der Vermarktung von grafischen Werbeelementen, um der Rezession im Werbemarkt entgegenzusteuern. Damit verschärft der weltweit führende Suchmaschinenanbieter den Wettbewerb mit Yahoo und Microsoft  oder Spezialanbietern wie Adscale. Die Aktien von Google gaben um moderate 0,1 Prozent auf 491,46 Dollar nach und Microsoft zeigten sich mit einem Abschlag von 0,2 Prozent auf 25,26 Dollar ebenfalls nicht übermäßig belastet.

Papiere aus dem Luftfahrtsektor trugen ebenfalls zum schwächeren Marktgeschehen bei: Nach dem Kurssprung von knapp 20 Prozent am Vortag gaben die Anteilsscheine der AMR , dem Mutterkonzern von American Airlines, um 1,7 Prozent auf 8,65 Dollar nach. Im Kampf um den Einstieg bei der angeschlagenen Japan Airlines (JAL) schließt sich die US-Airline Insidern zufolge mit British Airways und der australischen Qantas  zusammen. Gemeinsam wollten sie JAL frisches Kapital und neue Geschäftsverbindungen verschaffen, verlautete am Freitag aus informierten Kreisen.

Dax schwächelt

Der Dax  fiel zum Wochenschluss um 0,48 Prozent auf 5.704 Punkte, nachdem er in dieser Woche auf immer neuen Jahreshöchstständen geschlossen hatte. Im Handelsverlauf hatte er an diesem Freitag aber zwischenzeitlich noch ein neues Jahreshoch bei 5.761 Punkten markiert.

Auf Wochensicht legte der Dax um 1,4 Prozent zu. Der MDax  der mittelgroßen Werte sank am letzten Handelstag der Woche um 0,1 Prozent auf 7.425 Zähler, der Technologiewerte-Index TecDax  stieg um 0,9 Prozent auf 773 Zähler.

Für etwas Bewegung sorgte der "Hexensabbat" genannte dreifache Verfallstermin, an dem viermal im Jahr der letzte Handelstag aller vier Derivate-Typen, also der Optionen und Futures auf Indizes und einzelne Aktien, auf den gleichen Tag fällt. Ansonsten sprach Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research von einer klassisch ruhigen Wochenendsitzung ohne große Impulse von Seiten der Unternehmen oder der Konjunktur.

Stammaktien von Volkswagen  übernahmen mit minus 6,7 Prozent auf 113,22 Euro die rote Laterne im Leitindex. Als Gründe nannten Händler die nochmalige Reduzierung des Streubesitzes (Freefloat) bei den Papieren des Autobauers sowie den heutigen Verfallstermin von Optionsscheinen, was regelmäßig zu heftigen Kursschwankungen führt.

Durch die von der Deutschen Börse bekannt gegebene Senkung des Freefloat von 29,23 auf 14,51 Prozent halbiert sich die Gewichtung ab kommendem Montag von 2,1 auf 1,05 Prozent. Dies sorgt für Verkaufsdruck auf die Aktie, da die Manager von Aktienfonds, die den Dax abbilden, ihre VW-Bestände reduzieren müssen.

Titel der Deutschen Bank  litten Händlern zufolge unter Gewinnmitnahmen, nachdem sie die vergangenen Tage überdurchschnittlich vom Aufwärtstrend an den Märkten profitiert hatten. Zudem musste sie beim Ausbau des Geschäfts in den Niederlanden einen Rückschlag hinnehmen. Die Papiere verzeichneten zuletzt Verluste von 2,54 Prozent auf 52,00 Euro, wogegen Titel des Konkurrenten Commerzbank  nach einem volatilen Handelsverlauf zuletzt 1,13 Prozent auf 8,97 Euro gewannen.

BASF im Plus

BASF-Aktien  stiegen hingegen um 1,2 Prozent auf 36,98 Euro. Börsianer verwiesen auf die erfreulichen Meldungen der letzten Tage, die noch nachwirkten. So hatte der Chemiekonzern am Donnerstag mitgeteilt, dass er seine Mitarbeiter im Ludwigshafener Stammwerk bis Ende November nicht kurzarbeiten lassen will. Zudem hat BASF an diesem Freitag mitgeteilt, die weltweiten Preise für Polyalkohole zu erhöhen.

Anteilsscheine von Sky Deutschland (ehemals Premiere) konnten an der MDax-Spitze ein Plus von 6,34 Prozent auf 4,36 Euro verbuchen. Morgan Stanley  nahm die Beobachtung der Aktie des Bezahlsenders mit "Overweight" und einem Kursziel von 6,50 Euro auf. Das neue Management dürfte an die erfolgreiche Sanierung von Sky Italia anknüpfen, schrieb Analyst Patrick Wellington.

Dagegen verloren Arcandor-Titel  als Indexschlusslicht nach den starken Gewinnen der Vortage 29,17 Prozent auf 0,340 Euro. Bei den Papieren des Konzerns setzte sich das "reine Insolvenzgezocke" der vergangenen Tage fort, kommentierte ein Händler. Vom kommenden Montag an sind diese Titel nicht mehr im Mdax vertreten.

Positive Unternehmensnachrichten trugen Q-Cells-Titel mit Kursgewinnen von 12,23 Prozent auf 14,04 Euro an die TecDax-Spitze. Der Solarzellenhersteller erhöhte den Wirkungsgrad für die nächste Modulgeneration auf knapp 16 Prozent, was nach Angaben des Unternehmens den Weltrekord für Zellen aus industrieüblicher Massenproduktion bedeutet.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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