Märkte Wall Street in Feierlaune

Der Ölpreis steigt. Die Preise für Kupfer, Platin und Gold steigen. Und die Aktienpreise steigen sowieso: Ein Jahr nach der Lehman-Pleite sind Banker und Broker wieder in Feierlaune. Der Dax schließt bei 5700 Zählern auf dem höchsten Stand seit elf Monaten. Und der Dow Jones nähert sich der Marke von 10.000 Punkten.

New York/Frankfurt am Main - Höhere Rohstoffpreise und positive Konjunkturdaten haben die Wall Street am Mittwoch ins Plus getrieben. Der Dow Jones  schloss 1,1 Prozent höher bei 9792 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 1,5 Prozent auf 1068 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  stieg um 1,5 Prozent und ging mit 2133 Punkten aus dem Handel. Bereits am Vortag hatten die US-Indizes auf dem höchsten Stand seit 11 Monaten geschlossen. Die technologielastigen Indizes markierten den höchsten Stand seit fast einem Jahr.

Neue Konjunkturdaten lockten weitere Käufer hervor: In den USA ist die Industrieproduktion stärker als erwartet gestiegen. "Die Zahlen untermauern die gestrige Aussage von US-Notenbankchef Ben Bernanke, dass die Rezession wohl vorüber ist", sagte Volkswirt Mark Vitner von Wells Fargo Advisors.

US-Notenbankchef Ben Bernanke hat dem Optimismus der Anleger am Rohstoffmarkt neue Nahrung gegeben. Bernanke hatte am Vorabend der US-Wirtschaft attestiert, sie habe sehr wahrscheinlich die Rezession überstanden.

Analysten zeigten sich vor allem über die guten Zahlen aus der Industrie erfreut. "Das treibt den Aufschwung an, darauf haben wir gewartet", sagte Jack Ablin von Harris Private Bank.

Zu den Zugpferden der Börse zählten wie schon an den Vortagen die Industrie- und Rohstoffwerte. Steigende Metallpreise trieben zusammen mit dem höheren Ölpreis die Aktien weiter an. Im Dow legte der Vortagessieger Alcoa  weitere 3,4 Prozent auf 14,47 Dollar zu. Bei den Stahlwerten legten im S&P 500 Steel Dynamics um 1,7 Prozent auf 17,88 Dollar zu und US Steel gewannen 1,7 Prozent. Dupont legten 2,3 Prozent auf 33,90 Dollar zu, nachdem sich der Chemiekonzern positiv zu seinem Agrargeschäft geäußert hat. Auch Solarwerte zählten zu den Siegern. First Solar  stiegen um 4,9 Prozent auf 147,00 Dollar.

Tagessieger im Dow waren aus dem Industriesektor General Electric , die laut Händlern insbesondere wegen der Dollarschwäche weiter gesucht worden seien. Mit dem Tagesplus von 6,25 Prozent auf 17,00 Dollar summiert sich der Kursgewinn allein seit Wochenbeginn auf bis zu 17 Prozent. Die Aktie notiert so hoch wie seit Anfang September 2008 nicht mehr.

Zu den Gewinnern gehörte auch die Aktie von Adobes Übernahmeziel Omniture. Sie schoss über 26 Prozent nach oben. Adobe will 1,8 Milliarden Dollar für den Konkurrenten hinblättern und sein Angebot von Acrobat- und Photoshop-Programmen um Online-Produkte erweitern. Die Aktie von Adobe  fiel um 6,4 Prozent. Offenbar fürchteten die Anleger die hohen Kosten des Geschäfts.

Verizon  gehörte zu den Verlierern. Die Papiere gaben rund 2 Prozent ab, nachdem UBS-Analysten Zweifel daran geäußert hatten, ob der Telekommunikationskonzern seine eigene Prognose für den Jahresgewinn erreichen wird.

Der Kupferpreis zog deutlich an, die Tonne des Industriemetalls wurde zu 6340 Dollar gehandelt nach 6280 Dollar im späten Vortagesgeschäft. Auch Platin und Palladium kosteten mehr als am Dienstag. Der Goldpreis profitierte von der Schwäche des Dollar und stieg auf den höchsten Stand seit März vergangenen Jahres.

Nach Bekanntgabe eines starken Rückgangs der US-Rohölbestände hat der Ölpreis am Mittwoch angezogen. WTI verteuerte sich um einen knappen Dollar auf 71,43 Dollar je Barrel.

Die US-Verbraucherpreise stiegen unterdessen im August um 0,4 Prozent. Analysten hatten im Schnitt mit einer Teuerung von 0,3 Prozent gerechnet. Außerdem vergrößerte sich das Leistungsbilanzdefizit im zweiten Quartal überraschend stark auf 98,8 Milliarden Dollar.

Robuste US-Einzelhandelsumsätze und der New Yorker Konjunkturindex, der im September den höchsten Stand seit zwei Jahren erreichte, machten den Investoren zusätzlich Hoffnung auf eine schnelle Belebung der Wirtschaft.

Dax auf Jahreshoch: Studie stützt Adidas und Puma

In Frankfurt erreichte der Dax  ein neues Jahreshoch. Der Index baute seine Gewinne auf 1,3 Prozent aus und kletterte zeitweise auf 5713 Punkte. Auf Xetra schloss der Index bei exakt 5700 Zählern.

Im deutschen Leitindex setzten Commerzbank  ihre Erholung fort und verteuerten sich um 4,7 Prozent auf 8,89 Euro. K+S erhöhten sich um 4,3 Prozent auf 39,37 Euro. Unter Druck standen dagegen SAP , die 1,4 Prozent auf 34,61 Euro verloren. Ein Händler verwies vor allem auf die Nachricht, dass sich der SAP-Aufsichtsratsvorsitzende Hasso Plattner von Aktien des Softwareunternehmens trennen will. Merck  ermäßigten sich um 1,0 Prozent auf 67,05 Euro, und Deutschen Telekom  verloren 0,6 Prozent auf 9,48 Euro.

Heidelberger Druck  gewannen 8,9 Prozent auf 7,24 Euro, und Bilfinger Berger  stiegen um 7 Prozent auf 49,41 Euro. Am anderen Ende fielen Wincor Nixdorf  um 1,7 Prozent auf 40,10 Euro. HeidelbergCement  gaben 1,1 Prozent auf 46,89 Euro nach, und Tui  sanken um 1,0 Prozent auf 7,09 Euro. Die EU-Kommission hält offenbar die Höhe der Subventionen für die Container-Reederei Hapag-Lloyd für nicht angemessen.

Im TecDax stiegen Rofin Sinar um 6,2 Prozent auf 16,84 Euro und führten damit die Gewinner an. Singulus  verteuerten sich um 4,9 Prozent auf 2,81 Euro. Auch Drägerwerk  gewannen mehr als 4 Prozent. An der Spitze der Verlierer standen Infineon , die sich um 1,9 Prozent auf 3,81 Prozent verbilligten. Q-Cells verbuchten ein Minus von 1,4 Prozent auf 12,10 Euro.

Dax auf Jahreshoch: Studie stützt Adidas und Puma

Spitzenreiter im Dax  waren Adidas , deren Aktien sich nach positiven Äußerungen der Analysten von Morgan Stanley  um 7,2 Prozent auf 36,11 Euro verteuerten.

Adidas und Puma befänden sich in einer guten Ausgangslage, um ihre Marktanteile auszubauen, schrieben die Branchenexperten der US-Bank in einem Kommentar. Die beiden deutschen Sportartikelhersteller dürften von der erwachenden Konsumlust in China profitieren. Die im Nebenwerte-Index MDax gelisteten Titel von Puma  stiegen um 3,3 Prozent auf 227,19 Euro.

VW-Aktien fallen weiter

Auf der Verliererseite standen dagegen Volkswagen . Sie gaben 1,7 Prozent auf 120,32 Euro nach. "Viele fragen sich, was 2010 passiert, denn eine Sonderkonjunktur wie in diesem Jahr mit der Abwrackprämie dürfte sich nicht wiederholen lassen", sagte ein Händler. VW hatte stärker als alle anderen deutschen Hersteller von der Abwrackprämie profitiert.

Zocker treiben Arcandor in die Höhe

Für Aufsehen sorgte außerdem der 40-prozentige Kurssprung bei Arcandor . Unmittelbare Auslöser hierfür konnten Börsianer nicht nennen. Die Papiere des insolventen Mutterkonzerns der Karstadt-Warenhäuser und des Quelle-Versandhandels gelten als Spielbälle spekulativ orientierter Anleger. Arcandor-Titel haben ihren Wert binnen Wochenfrist mehr als verdoppelt.

Im Technologie-Index TecDax legten Freenet  1,2 Prozent auf 9,86 Euro zu. "Die Aktie profitiert davon, dass es offenbar einige finanzkräftige Bieter für Strato gibt", sagte ein Händler. "Das deutet darauf hin, dass Freenet keinen schlechten Preis erzielen wird." Einem Zeitungsbericht zufolge ist die Deutschen Telekom  an der Webhosting-Tochter von Freenet interessiert.

Der Bund-Future notierte derweil nahezu unverändert bei 121,05 Zählern. Der Euro  kostete 1,4680 Dollar und bewegte sich damit in der Nähe seines am Vorabend erreichten Jahreshochs von 1,4686 Dollar. Am Rohstoffmarkt notierte der Preis für ein Barrel WTI nahezu unverändert bei 70,93 Dollar. Die Feinunze Gold verteuerte sich auf bis zu 1025 Dollar.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa-afx und reuters

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