Märkte US-Endspurt dank China

Nach Spekulationen über die Beteiligung des chinesischen Staatsfonds CIC am Energiekonzern AES sind die US-Börsen ins Plus gedreht. Gewinner des Tages waren General Electric, Du Pont und Coca Cola, Verlierer Cisco, Disney und HP.

New York - Der Dow Jones  schloss mit einem Aufschlag von 0,2 Prozent auf 9626 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,6 Prozent auf 1049 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  legte um 0,5 Prozent auf 2091 Punkte zu.

Aktien des US-Konzerns AES haben am Montag 4,5 Prozent auf 14,85 Dollar zugelegt und laut Händlern dem gesamten Versorgersektor einen positiven Impuls gegeben. Neben Versorgern und Industriewerten hätten auch viele Rohstofftitel dank der Stabilisierung der Gold- und Ölpreise den Markt gestützt, hieß es weiter. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge erwägt der chinesische Staatsfonds CIC den Kauf einen Minderheitsanteils an dem Kraftwerkskonstrukteur.

Dies berichtet die Zeitung in ihrer Onlineausgabe unter Berufung auf Informationen von mit der Angelegenheit vertrauten Personen. Eine Sprecherin von CIC habe einen Kommentar abgelehnt. Börsianern zufolge verdichten sich damit die Anzeichen, dass der 300-Milliarden-Dollar schwere Staatsfonds CIC nach Anlagemöglichkeiten für sein Kapital sucht. Die Marktkapitalisierung von AES liegt bei knapp 10 Milliarden Dollar.

Vorher hatte ein möglicher Zollstreit den US-Anlegern die Stimmung verdorben. Die Entscheidung von US-Präsident Barack Obama, Strafzölle auf chinesische Reifenimporte zu verhängen, könnte aus Analystensicht weitere Beschwerden und damit eine gefährliche Kettenreaktion auslösen, die den gesamten Welthandel zu bremsen droht. "Man legt sich nicht mit seinem wichtigsten Handelspartner an, der zudem dein größter Gläubiger ist", sagte etwa Joe Saluzzi von Themis Trading.

Die Regierung in Peking prüft als Reaktion auf die US-Strafzölle ihrerseits Anti-Dumping-Maßnahmen gegen US-Autos und Geflügelprodukte und will den Fall vor die Welthandelsorganisation (WTO) bringen. Der Handelsstreit könnte das G20-Treffen am 24. und 25. September in Pittsburgh sowie den China-Besuch von Obama im November belasten.

US-Autoreifenhersteller profitierten dagegen von den Strafzöllen: Die Aktien von Goodyear  legten um knapp 4 Prozent zu, die Cooper Tire & Rubber-Papiere gewannen sogar rund 10 Prozent.

Zunehmend sorgen wieder Übernahmen für Gesprächsstoff an der Börse: So sprangen die Aktien des US-Mobilfunkanbieters Sprint Nextel um über 14 Prozent in die Höhe und waren damit Gewinner an der New Yorker Börse. Die Deutschen Telekom  erwägt einem Zeitungsbericht zufolge, das US-Unternehmen zu kaufen. Sprint selbst weiß einem TV-Bericht zufolge nichts von den Plänen. An der Frankfurter Börse wird dem Geschäft ebenfalls eine geringe Erfolgsaussicht zugeschrieben: Die Telekom-Aktien verloren 1,2 Prozent.

Dax schlägt sich wacker

Auch der Dax  hatte am Montag seine Verluste Schritt für Schritt verringert. Der Dax gab am Schluss um 0,1 Prozent auf 5620 Zähler nach. Im Tagesverlauf war der Index in der Spitze bis auf 5532 Zähler zurückgefallen. Für den MDax  ging es zum Wochenbeginn um 0,9 Prozent auf 7130 Punkte nach unten. Der Technologiewerte-Index TecDax verlor 1,3 Prozent auf 736 Zähler. Marktteilnehmer berichteten von einem ruhigen, impulsarmen Geschäft.

Auch in Europa und an der Wall Street pendelten die Indizes um ihr Vortagesniveau: Der EuroStoxx 50 , in dem die größten Börsenwerte der Euro-Zone vertreten sind, ging rund zwei Punkte niedriger bei 2829 Zählern aus dem Tag. Der Dow Jones  lag zu Handelsschluss in Europa mit in der Spitze 9600 Punkten nur fünf Punkte unter dem Stand von Freitagabend.

Im Mittelpunkt am deutschen Markt stand HeidelbergCement . Das im MDax  gelistete Unternehmen hatte angekündigt, sein Grundkapital um 50 Prozent zu erhöhen. Mit rund 2,5 Milliarden Euro zeichnet sich damit die mit Abstand größte Kapitalerhöhung in Deutschland im laufenden Jahr ab. Der Preis für die neuen Aktien soll am 22. September bekanntgegeben werden.

Händlern zufolge fällt die Transaktion deutlich höher aus als vom Markt erwartet worden war. Mit dem dann größeren Streubesitz könnte HeidelbergCement nach Einschätzung von Analysten sogar ein Kandidat für den Dax werden. Jetzt sei nachvollziehbar, warum Beteiligungsgesellschaften rund um die Familie Merckle in den vergangenen Wochen so massiv Aktien verkauft hätten, meinte ein Börsianer. "Auf der anderen Seite könnte HeidelCement eine Art Befreiungsschlag gelingen: Sollte die Kapitalerhöhung Zuspruch finden und die Aktien gut im Markt platziert werden können, ist vorerst wieder genug Luft zum atmen da" Die Aktien des hoch verschuldeten Zementherstellers sanken um 3,1 Prozent auf 41,90 Euro.

Im Dax büßten die Papiere der Deutschen Telekom  nach einem Zeitungsbericht über ein mögliches Interesse der Bonner am US-Konkurrenten Sprint Nextel  1,2 Prozent ein. Strategisch wäre ein Einstieg bei dem drittgrößten Mobilfunkanbieter der USA ein sehr guter Schachzug, erklärte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Allerdings sei zur Finanzierung einer derartigen milliardenschweren Transaktion voraussichtlich eine Kapitalerhöhung notwendig. Für die an der Wall Street gelisteten Sprint-Nextel-Papiere ging es dagegen um über 10 Prozent nach oben.

Zu den größten Verlierern im Dax zählten die Bankentitel. Deutsche Bank  verbuchten ein Minus von 0,9 Prozent, Commerzbank  fielen um 1,6 Prozent zurück. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Europaweit wurden Bankwerte verkauft, der Branchenindex des Stoxx600 schloss 0,6 Prozent tiefer. Auch die meisten Autowerte waren wenige Tage vor Beginn der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt nicht gefragt: Daimler  gaben 0,3 Prozent nach. Peugeot  fielen in Paris um 2,5 Prozent und Renault  verbuchten ein Minus von 2,8 Prozent.

Händlern zufolge drückten kritische Analystenkommentare auf die Kurse. Unter anderem hatte Societe Generale den Sektor auf "Neutral" von "Overweight" abgestuft. Besser hielt sich Fiat. Die Aktie schaffte in Mailand sogar knapp den Sprung ins Plus, nachdem die Analysten von Goldman Sachs  Fiat  wieder mit "Kaufen" einstuften. BMW  verbuchten sogar einen Kursgewinn von 1,7 Prozent, nachdem sich BMW-Chef Norbert Reithofer zuversichtlich in der Wochenendpresse geäußert hatte. "Wir arbeiten uns Monat für Monat hoch", hatte er der "FAS" gesagt.

Daneben standen in Frankfurt vor allem Titel der Einzelhandelsbranche auf der Gewinnerseite. Adidas  und Metro  führten mit Aufschlägen von bis zu 2,4 Prozent die Reihen der Gewinner an.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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