Kursstürze Chinas Aktienblase droht zu platzen

Um mehr als 5 Prozent sind Chinas Börsen heute eingebrochen. Insgesamt beträgt das Minus seit Anfang August schon 20 Prozent. Ist die Party also vorbei? Seit Jahresanfang ging es an den chinesischen Aktienmärkten steil bergauf, getragen vor allem durch staatliche Liquiditätsspritzen. Aber wie lange hilft Peking noch nach?

Peking - Ist die Party vorüber? Bis Anfang August hatten Chinas Börsen in diesem Jahr um mehr als 80 Prozent zugelegt - ein Lichtblick in der düsteren globalen Wirtschaftskrise. Allerdings war nicht etwa Vertrauen in die chinesische Wirtschaft der Hauptmotor, sondern die massive Ausweitung der Kreditvergabe, also Liquidität und Spekulation.

Zusätzlich zu dem vier Billionen Yuan (400 Milliarden Euro) umfassenden staatlichen Konjunkturprogramm haben Chinas Banken unter politischem Druck in den ersten sieben Monaten weitere 7,73 Billionen Yuan, umgerechnet 792 Milliarden Euro, an Krediten vergeben. Das Geld sprudelte nur so, um die durch drastische Exportrückgänge angeschlagene Wirtschaft zu stützen. Ein Teil floss gleichwohl in die Aktien- und Immobilienmärkte und bescherte ihnen einen unerwarteten Boom, der in der Krise seinesgleichen sucht.

Jetzt droht die Blase zu platzen. Viele Anleger realisieren, dass langfristig nicht mehr so viel Geld in die Wirtschaft gepumpt wird. Die Vergabe neuer Kredite fiel im Juli schon von 1,53 Milliarden Yuan im Vormonat auf nur noch 355 Milliarden. Amtliche Medien berichteten am Montag, dass im August entgegen den Erwartungen von 400 Milliarden nur noch weniger als 300 Milliarden Yuan an neuen Krediten vergeben werden.

Eine weitere schlechte Nachricht: Die Gewinne der in Shanghai gelisteten Unternehmen sind in der ersten Jahreshälfte um 14,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gefallen. Überschüssige Kapazitäten fressen den Profit auf - ein weiteres Indiz dafür, dass der Hahn wieder zugedreht werden dürfte, nachdem das Konjunkturprogramm die Anlageinvestitionen drastisch ausgeweitet hatte.

Spekulanten und Analysten schienen sich lange einig, dass die Regierung die Märkte in Shanghai und Shenzhen nicht einfach abstürzen lassen würden. Denn neben Liquidität gibt es noch einen zweiten wichtigen Faktor in Chinas Wertpapierhandel: Staatliche Intervention, also wie die obersten wirtschaftlichen Lenkungsbehörden den Markt beeinflussen oder zumindest wie ihre Intention interpretiert wird.

Die Anleger werden nervös

So wird seit Wochen davon ausgegangen, dass die Party nicht vorbei ist, weil die Volksrepublik in einem Monat mit viel Pomp ihren 60. Gründungstag feiern will. Ein Platzen der Aktienblase würde die großartige Geburtstagsfeier am 1. Oktober verderben. So glaubten viele Analysten bisher, dass Peking erst danach langsam die Luft aus den Märkten nehmen würde.

Doch wächst die Nervosität, ob diese Rechnung auch aufgeht. Nachdem die Kurse seit dem 4. August 23 Prozent verloren haben, warten Investoren auf deutlichere Signale als bisher aus Peking, dass der Markt gestützt werden soll. Viele Anleger wollen jetzt auch lieber ihre Gewinne mitnehmen. Die allgemeine Unsicherheit wird noch verstärkt, in dem immer neue Aktienemissionen angekündigt werden.

Angelockt vom Aktienboom haben seit Ende Juni mehr als 100 Unternehmen angekündigt, neue Anteile für insgesamt 277 Milliarden Yuan (28 Milliarden Euro) ausgeben zu wollen, errechneten Analysten. Erstauftritte sollen weitere 41 Milliarden Yuan einbringen. Wo so viele Akteure mitverdienen wollen, fürchten Anleger aber zwangsläufig um den Wert ihrer Papiere.

Von Andreas Landwehr, dpa

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