Börsenschluss Aufwärts, aufwärts, aufwärts

Weltweit Kursgewinne zum Wochenausklang: In der Bundesrepublik hat der Dax ein Plus von 1,66 Prozent auf 5459 Punkten eingefahren. Und an der Weltleitbörse in New York ging es ebenfalls nach oben. Der dortige Leitindex Dow Jones legte um 1,2 Prozent auf das Jahreshoch von 9370 Zählern zu. Börsenprofis schöpfen wegen neuer Konjunkturdaten Hoffnung.

Frankfurt am Main/New York - Erst hatte der deutsche Aktienmarkt die Woche mit einem deutlichen Plus von 1,7 Prozent auf 5459 beendet. Dann legte der US-Markt nach: An der Weltleitbörse in New York stieg mit dem Dow Jones  das bedeutendste US-amerikanische Börsenbarometer ebenfalls deutlich, und zwar um 1,2 Prozent auf 9370 Zähler - das nächste Jahreshoch war damit erreicht.

Ausschlaggebend für die Kursgewinne hierzulande wie auch in Übersee war gleichermaßen der US-Arbeitsmarktbericht. Die US-Arbeitslosenquote sank im Juli geringfügig von 9,5 Prozent auf 9,4 Prozent.. Allerdings warnte das amerikanische Arbeitsministerium, vorschnell von einer Trendwende zu sprechen. "Die Anleger suchen dennoch nach einer Bestätigung dafür, dass wir den Tiefpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung bald erreichten haben, und die Daten von Arbeitsmarkt sind ein starkes Signal in diese Richtung", sagte Fred Dickson, Marktstratege der Beratungsfirma D.A. Davidson.

Auf der Gewinnerseite in Frankfurt stand heute insbesondere die Aktien der Deutschen Telekom , deren Preis um 3,8 Prozent auf 9,11 Euro stieg. "Die Aktie wurde in den letzten Monaten etwas stiefmütterlich behandelt", sagte ein Händler. "Da aber die gestern vorgelegten Zahlen recht gut waren und das Unternehmen eine hohe Dividendenrendite bietet, schauen sich einige Anleger den Wert nun wieder etwas genauer an."

Ähnliches gelte für Konkurrenten wie France Telecom  oder Telefonica . Deren Aktien verteuerten sich um 3,6 Prozent auf 17,71 Euro beziehungsweise um 2,6 Prozent auf 17,50 Euro. Der Index der europäischen Telekomwerte lag trotz seiner aktuellen Kursgewinne nur rund 3 Prozent über dem Niveau vom Jahreswechsel und war damit einer der schwächsten Branchenindizes.

Weniger gut entwickelten sich heute die Allianz-Aktien . Trotz eines Nettogewinns über den Markterwartungen konnte die Allianz Investoren mit ihrer Bilanz nicht überzeugen. Das Nichtlebensversicherungsgeschäft habe enttäuscht, monierte WestLB-Analyst Andreas Schäfer. Die Sparte Life & Health habe sich zwar sehr stark entwickelt, er bezweifle aber, dass diese Ergebnisse wiederholt werden könnten. Allianz-Titel waren zeitweise das Schlusslicht im Dax  , konnten dank der Erholung des Gesamtmarktes am Nachmittag ihre Verluste aber wettmachen und schlossen 0,9 Prozent im Plus bei 76,15 Euro.

Im Nebenwerteindex MDax  schossen ProSiebenSat1-Titel  um 22 Prozent nach oben auf 6,10 Euro und machten damit ihre Vortagesverluste mehr als wett. Die Einsparungen seien höher als vorhergesagt, sagte Deutsche-Bank-Analyst Paul Reynolds.

US-Versicherer AIG plus 18 Prozent

In New York sorgte AIG  für Aufsehen. Der kriselnde Versicherungsriese verzeichnete nach fast zwei Jahren wieder Gewinne und übertraf mit einem Überschuss von 1,8 Milliarden Dollar im zurückliegenden Quartal die Erwartungen der Analysten. Die Papiere des vom Staat gestützten Unternehmens schossen zeitweise um 18 Prozent in die Höhe.

Die Papiere der angeschlagenen Mittelstandsbank CIT gewannen 4,3 Prozent. Das von der Insolvenz bedrohte Institut berichtete von Fortschritten bei der Sanierung. Auto-Werte gehörten ebenfalls zu den Gewinnern, Ford-Anteilsscheine  legten 1,6 um Prozent zu, nachdem der Senat am Donnerstag eine Ausweitung der staatlichen Abwrackprämie um zwei Milliarden Dollar gebilligt hatte.

Der Aktienkurs von Ambac  brach dagegen um rund 18 Prozent ein, da die Kreditkrise den Anleiheversicherer fest im Griff hält. Der Konzern erlitt im zweiten Quartal einen Verlust von 2,4 Milliarden Dollar. Die Papiere des Hypothekenfinanzierers Fannie Mae  verloren 14 Prozent. Der Konzern musste den Staat nach einem Quartalsverlust von knapp 15 Milliarden Dollar zum dritten Mal um eine Finanzspritze bitten.

Nach den Arbeitsmarktdaten des weltgrößten Ölverbrauchers USA drehte der Ölpreis heute ins Plus. Ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI stieg um knapp ein Prozent auf 72,57 Dollar je Fass und damit auf den höchsten Stand seit Ende Juni. Der Preis der Nordseeölsorte Brent gewann 0,6 Prozent auf 75,30 Dollar. Der Preis für Öl der Sorte Brent war am Donnerstag mit 76 Dollar auf den höchsten Stand seit Oktober 2008 gestiegen.

Dagegen haben die US-Arbeitsmarktdaten den Euro  am Freitag unter die Marke von 1,43 US-Dollar gedrückt. Am späten Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,4236 Dollar, nachdem sie zwischenzeitlich erneut über die Marke von 1,44 US-Dollar gestiegen war. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,4357 Dollar festgesetzt, nach 1,4370 Dollar am Donnerstag. Ein Dollar kostete damit 0,6965. "Erstmals seit langem hat der Dollar wieder von positiven US-Konjunkturdaten profitiert", sagte Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank .

Am Frankfurter Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf von 3,12 Prozent am Vortag auf 3,15 Prozent. Der Bund-Future verlor 1,14 Prozent auf 120,04 Punkte. Der Rentenindex Rex kletterte um 0,09 Prozent auf 121,74 Punkte.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa-afx und reuters

Mehr lesen über Verwandte Artikel