Märkte Dax auf Jahreshoch, Dow schließt schwächer

Positiv aufgenommene Geschäftszahlen von Dax-Größen wie Daimler und Bayer haben dem deutschen Aktienmarkt Auftrieb gegeben. Der Leitindex schloss auf Jahreshoch. An der Wall Street bestimmten Sorgen über die weitere Wirtschaftsentwicklung das Bild: Der Dow Jones notierte zum US-Börsenschluss 0,3 Prozent tiefer.

Frankfurt am Main/New York - Die US-Aktienmärkte haben am Mittwoch mit Verlusten geschlossen. Die führenden Indizes verloren zwischen einem halben und einem knappen Prozent. Aktienhändler verwiesen auf negative Impulse aus China, wo die Kurse eingebrochen waren, und damit einhergehende Sorgen über die Nachhaltigkeit des jüngsten Kursanstiegs.

Darüber hinaus hätten Befürchtungen über die weitere Wirtschaftsentwicklung belastet. Die Auftragseingänge für langlebige Güter waren im Juni überraschend deutlich gesunken. Auch die jüngsten Aussagen der US-Notenbank (Fed) konnten nicht beruhigen: Laut der Notenbanker hat sich das Tempo der Rezession abgeschwächt und die wirtschaftliche Aktivität auf einem niedrigen Niveau stabilisiert.

Der US-Leitindex Dow Jones  sank um 0,29 Prozent auf 9070,72 Zähler. Der marktbreite S&P-500-Index verlor 0,46 Prozent auf 975,15 Punkte. An der Technologiebörse Nasdaq fiel der Composite-Index  um 0,39 Prozent auf 1967,76 Zähler. Für den Auswahlindex Nasdaq 100  ging es um 0,37 Prozent auf 1599,61 Punkte nach unten.

Aktien von Verizon Communications  verdrängten im späten Handel die Titel der Bank of America  von der Dow-Spitze. Verizon stiegen um 1,85 Prozent auf 31,98 Dollar. BoA gewannen 1,35 Prozent auf 13,52 Dollar. Auch die meisten übrigen Finanzwerte legten zu.

Bewegung gab es auch unter den Technologiewerten: Der Softwarekonzern Microsoft  vereinbarte mit dem Internetkonzern Yahoo  eine weitreichende Kooperation bei der Onlinesuche. Während die Aktionäre von Microsoft dies mit einem Kursplus von 1,41 Prozent auf 23,80 Dollar begrüßten, reagierten die Investoren von Yahoo wenig begeistert und verkauften ihre Titel. Die Aktien sackten um 12,08 Prozent auf 15,14 Dollar ab.

Google-Papiere büßen ein

Mit ihrem Bündnis wollen die zwei Unternehmen den Google-Konzern  verschärft angreifen. Einige Investoren seien jedoch von den Rahmenbedingungen enttäuscht, hieß es am Markt angesichts des deutlichen Kursrutsches von Yahoo. Google ist mit Abstand Marktführer im lukrativen Geschäft mit Werbung rund um die Internetsuche.

Aktien von Google sanken um 0,82 Prozent auf 436,24 Dollar. Das Unternehmen geriet mit dem IT-Konzern Apple  wegen der Sperrung von Programmen für das iPhone-Handy aneinander. Der Hersteller des Hightech-Gerätes verweigerte einem Google-Programm für Internettelefonie namens Voice die Zulassung für den Onlineladen App Store. US-Medien gehen davon aus, dass der Netzbetreiber AT&T als Exklusivvermarkter des iPhone die Sperrung veranlasste, um Einbußen im Geschäft mit Telefonaten und Textmitteilungen zu verhindern. Apple-Aktien hielten sich mit 0,02 Prozent bei 160,03 Dollar auf Vortagesniveau. AT&T waren mit plus 1,68 Prozent auf 25,95 Dollar zweitstärkster Titel im Dow.

Time Warner  gaben nach Zahlen um 1,81 Prozent auf 26,52 Dollar nach. Der Medienkonzern hält trotz weiter sinkender Gewinne und Umsätze an seiner Prognose für das Gesamtjahr fest. Der Überschuss war im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Drittel auf 519 Millionen Dollar gefallen.

Sprint Nextel  sackten tief ins Minus. Nach der am Dienstag angekündigten Übernahme des kleineren Konkurrenten Virgin Mobile legte Sprint nun Quartalszahlen vor. Der angeschlagene Mobilfunkanbieter verliert weiter Kunden und schreibt rote Zahlen. Das Minus fiel mit 384 Millionen Dollar noch einmal 12 Prozent größer aus als im Vorjahr. Im zweiten Quartal hatte Sprint mit rund 300.000 noch mehr Kunden als zu Jahresbeginn verloren. Vor allem Vertragskunden waren zur Konkurrenz gewechselt. Die Aktie brach um 11,76 Prozent auf 4,05 Dollar ein.

ConocoPhillips  fielen nach Zahlen um 3,53 Prozent auf 42,86 Dollar. Beim Ölkonzern war der Gewinn im zweiten Quartal wegen der niedrigeren Ölpreise drastisch gesunken. ExxonMobil sanken um 0,64 Prozent auf 71,43 Dollar. Der Ölkonzern zahlt seinen Aktionären für das dritte Quartal eine unveränderte Dividende von 0,42 Dollar je Aktie.

Dax gewinnt an Fahrt

Die schlechte Stimmung in den USA und der Kurssturz an der Börse in Schanghai konnten die Stimmung am deutschen Aktienmarkt heute nicht trüben. Der Leitindex Dax  schloss mit plus 1,85 Prozent bei 5270,32 Zählern. Den Schlussstand vom 4. November 2008 von rund 5278 Punkten konnte er damit aber nicht toppen.

Sein Tageshoch erreichte der Dax zwischenzeitlich bei knapp 5308 Punkten. Der MDax  der mittelgroßen Werte gewann 1,08 Prozent auf 6054,15 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax  rückte um 1,37 Prozent auf 658,70 Zähler vor. Händlern zufolge dominierte die deutlich an Fahrt gewinnende Berichtssaison das Tagesgeschehen.

"Die kräftigen Verluste am chinesischen Aktienmarkt haben sich nicht auf die Börse hierzulande ausgewirkt. Das hat für Erleichterung gesorgt", sagte ein Händler. Die Ergebnisse seien zwar schwächer als im Vorjahr, aber nicht so schlecht wie von Experten befürchtet. Zudem seien die Quartalsberichte, insbesondere die von Bayer , SAP  und Daimler , gut bei den Anlegern angekommen. "Die Marke von 5300 Punkten ist aber ein richtiger Deckel für den Dax und lässt sich nicht leicht überwinden", hob er mit Blick auf den erneuten Anlauf des Dax hervor.

Die Aktien von Bayer und Daimler rangen nach Zahlenvorlage zeitweise um die Spitzenposition im Dax. Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hatte im zweiten Quartal gestützt auf ein starkes Gesundheits- und ein robustes Pflanzenschutzgeschäft die Folgen der Krise unerwartet stark abfedern können und seine Ergebnisziele 2009 bekräftigt. Die Aktie war schließlich der größte Index-Gewinner mit plus 5,44 Prozent auf 42,23 Euro.

Die Aktien von Daimler stiegen um 4,55 Prozent auf 31,46 Euro und schlossen damit so hoch wie zuletzt Anfang Oktober 2008. Trotz eines Milliardenverlustes im zweiten Quartal sieht der Stuttgarter Autobauer Signale für ein Ende der Talfahrt. Das Autogeschäft ziehe an und die Sparprogramme zeigten Wirkung, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche und setzte hinzu: "Wir kämpfen uns zurück."

Lufthansa legen in letzter Sekunde zu

Zahlen und eine Prognoseanhebung ließen die SAP-Titel um 1,92 Prozent auf 31,80 Euro steigen. Europas größter Softwarehersteller blickt nach einer drastischen Kostenkur optimistisch in die Zukunft und hob bei der Vorlage der Quartalsergebnisse das Ziel für die operative Marge an.

Die Titel der Lufthansa  reagierten in den letzten Sekunden vor Börsenschluss noch auf die Vorlage von Quartalszahlen und gaben einen Teil ihrer Gewinne ab. Sie schlossen mit plus 0,21 Prozent auf 9,45 Euro, nachdem sie im Verlauf bis auf 9,575 Euro gestiegen waren. Allerdings hatte Deutschlands größte Fluggesellschaft für das erste Halbjahr mit minus 216 Millionen Euro einen etwas geringeren Verlust als erwartet wurde gemeldet.

Vossloh verlieren, Infineon legen zu

Im MDax büßten die Aktien des Verkehrstechnik-Konzerns Vossloh  nach Zahlen 4,18 Prozent auf 80,02 Euro ein. Die Anteilsscheine von Krones  drehten indes nach zwischenzeitlichen Verlusten ins Plus und schlossen als prozentual größter MDax-Gewinner mit einem Aufschlag von 4,66 Prozent auf 27,64 Euro. Der Getränkeabfüllanlagen-Hersteller sieht Licht am Ende des Tunnels. Im zweiten Quartal hatte sich der Auftragseingang stabilisiert und die Sparmaßnahmen hatte erste Wirkung gezeigt.

Die Aktien von Infineon  verteuerten sich im TecDax um 2,63 Prozent auf 2,73 Euro. Der angeschlagene Halbleiter-Konzern rechnet nach einer Erholung des Geschäfts von April bis Juni mit einer höheren Nachfrage im vierten Geschäftsquartal und will seine Produktion vorsichtig anheben. Dagegen fielen die Titel von MorphoSys um 3,54 Prozent auf 16,35 Euro. Hohe Forschungs- und Entwicklungskosten hatten den Gewinn beim Antikörper-Spezialisten im zweiten Jahresviertel stärker als am Markt erwartet worden war gedrückt.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afxp und reuters

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