Märkte Dow schließt nach Talfahrt im Plus

Trotz einer trüben Konjunkturprognose von US-Notenbankchef Ben Bernanke haben sich die New Yorker Börsen am Dienstag mit einem Plus behauptet. Gute Bilanzdaten des von Caterpillar und Merck unterstützten die Wall Street. Die US-Berichtssaison beflügelte auch den Dax.

Frankfurt am Main/New York - Der Dow-Jones-Index  der Standardwerte schloss nach einer Berg- und Talfahrt 0,8 Prozent höher auf 8916 Punkten. Eine Warnung Caterpillars vor einem schwierigen dritten Quartal und Gewinnmitnahmen hatte die US-Börsen zuvor im Handelsverlauf auf Talfahrt geschickt. Enttäuschende Quartalszahlen zweier Regionalbanken verhinderten darüber hinaus höhere Kursgewinne.

Während des Handels bewegte sich das Marktbarometer zwischen 8811 und 8927 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 erhöhte sich um 0,4 Prozent auf 954 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  rückte um ebenfalls 0,4 Prozent auf 1916 Punkte vor. In Frankfurt wurden die bisherigen US-Quartalszahlen positiv aufgenommen. Der Dax  ging 1,3 Prozent höher mit 5093 Stellen aus dem Handel.

Der pessimistische Ausblick Caterpillars bremste den Höhenflug der Dividendenpapiere des Börsenschwergewichts ab. Nach anfänglichen Zugewinnen von über 10 Prozent lagen Caterpillar-Aktien  zum Handelsende noch 7,7 Prozent im Plus.

Trotz eines Gewinnrückgangs konnte der Pharmariese Merck  die Erwartungen der Analysten übertreffen, was in New York mit einem Kursanstieg von mehr als 6 Prozent honoriert wurde. Die Börsianer sahen die Zahlen als Beleg dafür, dass die Rally an der Wall Street in den vergangenen Tagen auf einer tatsächlichen Stabilisierung der Konjunktur basiert.

Die Anteilsscheine von Lexmark fielen indes um knapp 20 Prozent, nachdem der Druckerhersteller im zweiten Quartal einen Einbruch beim Nettogewinn von 80 Prozent bekanntgegeben hatte. Auch der vorsichtige Ausblick des Chipherstellers Texas Instruments  (TI) schreckte die Anleger ab. Das TI-Papier lag rund 2 Prozent im Minus. Der Rivale von Infineon  gab für das zweite Quartal einen Gewinn- und Umsatzeinbruch bekannt, zeigte sich für die laufenden drei Monate aber etwas optimistischer. Federn lassen musste auch die Aktie von United Technologies, nachdem der Mischkonzern seine Jahresprognose zurückgeschraubt hatte. Die Anteilsscheine des Konzerns notierten am Ende 1,8 Prozent tiefer.

Die zwei Regionalbanken Regions Financial und Comerica enttäuschten mit ihren Ergebnissen für das zweite Quartal. Beide Geldhäuser wiesen wegen eines Anstiegs bei Problemkrediten Verluste aus. Regions-Financial-Aktien fielen um 15 Prozent, Comerica-Papiere um gut 10 Prozent. Die Aktien des Technologiegiganten Apple  gaben im Vorfeld der Quartalszahlen um fast ein Prozent nach.

Bernanke sagte vor dem Finanzleistungsausschuss des Kongresses, die Arbeitslosigkeit werde zwar Ende des Jahres wohl ihren Scheitelpunkt erreichen, doch bis in das Jahr 2011 hinein hoch bleiben. Die Furcht vor dem Arbeitsplatzverlust könne das Verbrauchervertrauen beeinträchtigen und so auch die wirtschaftliche Erholung beschädigen. Bernanke sehe zwar zaghafte Anzeichen für Stabilisierung, aber er bleibe sehr zögerlich, von einer Erholung zu sprechen, sagte ein Analyst.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,19 Milliarden Aktien den Besitzer. 1600 Werte legten zu, 1399 gaben nach und 117 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,2 Milliarden Aktien 1134 im Plus, 1475 im Minus und 154 unverändert.

Dax im Fahrwasser der US-Berichtssaison

In Frankfurt wurden die bisherigen US-Quartalszahlen positiv aufgenommen. "Die US-Unternehmen haben gar nicht so schlechte Zahlen vorgelegt, wie viele erwartet haben. Das honoriert der Markt", erklärte ein Händler.

Händler erklärten, die deutschen Konzerne hätten im zweiten Quartal möglicherweise ebenfalls besser abgeschnitten als von vielen erwartet. Die Deutsche Post  wird am Donnerstag die Berichtssaison im Dax eröffnen. Die Aktien stiegen zwischenzeitlich um 2,7 Prozent und setzten damit den Aufwärtstrend vom Vortag fort, als die Aussicht auf einen milliardenschweren Gewinn im Briefgeschäft die Titel angestoßen hatte. Im Fahrwasser einer zeitweiligen Kurserholung beim Konkurrenten Volvo  überwanden auch MAN  ihre Anfangsschwäche und verteuerten sich. Händler führten dies vor allem darauf zurück, dass konjunkturabhängige Werte insgesamt wieder stärker gefragt seien.

Gefragt waren auch wieder Thyssen Krupp , nachdem der Stahl-Hersteller bei Verhandlungen mit dem brasilianischen Bergbaukonzern Vale kräftige Preisnachlässe für Eisenerze durchgesetzt hatte. Die Titel stiegen um 0,3 Prozent. Die Chemie- und Pharmawerte profitierten von den Zahlen der US-Konkurrenz. BASF  zogen um 1,4 Prozent an und Bayer  ebenfalls um 1,4 Prozent.

Gegen den Trend schwächer tendierten nach einer Herunterstufung durch JP Morgan die Metro-Aktien  mit einem Minus von 2,5 Prozent. Analyst Jaime Vazquez hatte die Papiere des Einzelhandelskonzerns auf "Neutral" von "Overweight" heruntergenommen und den Schritt mit den Kursgewinnen der vergangenen Monate begründet.

Auch die Nebenwerte profitierten von der neuen Zuversicht. Der MDax  übersprang sein bisheriges Jahreshoch von Anfang Juni und notierte zeitweise mit 6108 Punkten so hoch wie seit Oktober 2008 nicht mehr. Der Index mittelgroßer Werte schloss 1,55 Prozent im Plus bei 6090,39 Zählern. Hoffnungen auf eine Verbesserung der Schifffahrtsbranche trieben die Aktien des Hamburger Hafenbetreibers um 6 Prozent nach oben.

Gegen den Trend brachen die Aktien von Autozulieferer Continental  ein. Am Vortag hatten sie noch rund 13 Prozent zugelegt. Ein Bericht über eine geplante Kapitalerhöhung und ein Dementi von Kuwaits Investmentbehörde über einen möglichen Einstieg bei Conti hätten Gewinnmitnahmen ausgelöst, sagten Händler.

Im TecDax , der ebenfalls mit 669,27 Punkten ein Jahreshoch aufstellte, sorgte ein positiver Analystenkommentar von Goldman Sachs für Kursgewinne bei Infineon  von 5,4 Prozent. Zudem holten die letzte Woche verschmähten Solarwerte ihre Verluste ein wenig auf. Solarworld  stiegen um 2,8 Prozent, Solon  um 3 Prozent und sogar Q-Cells - vorige Woche der größte Verlierer im TecDax - um 5,6 Prozent. Der TecDax  schloss 2,4 Prozent im Plus bei 668,16 Punkten.

manager-magazin.de mit Material der Nachrichtenagenturen

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