Börsenschluss Hoffnung auf CIT-Rettung beflügelt

Die US-Börsen haben zum Wochenbeginn zugelegt und nur knapp unter ihren Tageshöchstständen geschlossen, die sie kurz vor Handelsschluss erreichten. Auch der Dax verfehlte nur knapp den Höchststand der vergangenen fünf Wochen. Grund für den Auftrieb an den Börsen war vor allem die US-Mittelstandsbank CIT.

Frankfurt am Main/New York - Die US-Börsen haben am Montag zugelegt und nur knapp unter ihren Tageshöchstständen geschlossen, die sie kurz vor Handelsschluss erreichten. Sie profitierten Händlern zufolge einerseits von Medienberichten, dass der Mittelstandsfinanzierer CIT vorerst gerettet ist und andererseits von positiven Konjunkturdaten. Die Frühindikatoren für Juni, die Hinweise auf die künftige wirtschaftliche Entwicklung in den USA geben, waren deutlich stärker als erwartet gestiegen.

Der US-Leitindex Dow Jones  ging mit plus 1,19 Prozent auf 8848,38 Zählern aus dem Handel. Sein Tageshoch lag bei 8854,80 Punkten. Der marktbreite S&P-500-Index stieg um 1,14 Prozent auf 951,13 Zähler. An der Technologiebörse Nasdaq  verzeichnete der Composite-Index einen Aufschlag von 1,20 Prozent auf 1909,29 Punkte. Der Auswahlindex Nasdaq 100 rückte um 1,10 Prozent auf 1544,00 Punkte vor.

Auch die wichtigsten deutschen Aktienindizes knüpften an ihre jüngsten Kursgewinne an. Der Frankfurter Leitindex Dax schloss den Handelstag mit plus 1,04 Prozent bei 5030,15 Zählern ab - und damit erstmals seit dem 12. Juni wieder über der 5000-Punkte-Marke. In der Vorwoche hatte das führende hiesige Börsenbarometer bereits um fast 9 Prozent zugelegt. Der Dax ist nunmehr nur noch knapp 3 Prozent von seinem bisherigen Jahreshoch von 5177 Punkten entfernt.

Im Fokus am Markt standen vor allem die Aktien von CIT, nachdem der Mittelstandsfinanzierer laut Presseberichten mit wichtigen Gläubigern einen Notkredit von drei Milliarden Dollar ausgehandelt hat. CIT solle nun ohne Insolvenzverfahren saniert werden, berichteten unter anderem das "Wall Street Journal" und die "New York Times" übereinstimmend. Die Aktien profitierten mit einem Kurssprung von 78,57 Prozent auf 1,25 Dollar. Ein Börsianer wandte dennoch ein: "Allerdings ist dies nur der Anfang. Insgesamt muss CIT in den kommenden Monaten rund elf Milliarden Dollar auftreiben."

Die anderen Finanzwerte entwickelten sich an den US-Börsen uneinheitlich: Die Aktien der Citigroup  und der Bank of America (BoA)  zählten nach kritischen Studien einiger Analysten über die künftige Gewinnentwicklung der beiden Banken zu den Verlierern. Während die Titel der Citigroup 7,62 Prozent auf 2,79 Dollar einbüßten, fielen die der BoA als schwächster Wert im Dow Jones um 5,04 Prozent auf 12,24 Dollar. Goldman Sachs  legten dagegen um 2,03 Prozent auf 160,03 Dollar zu. Das Anlegermagazin "Barron's" hatte sich positiv zur Goldman-Aktie geäußert und gemutmaßt, dass diese im kommenden Jahr auf 175 bis 200 Dollar steigen könnte, sollte die Bank weiterhin Quartalsgewinne von vier bis fünf Dollar je Aktie erzielen.

Stärkster Wert im Dow Jones waren die Titel von Caterpillar  nach einer Hochstufung auf "Buy" durch Merrill Lynch/BoA. Sie rückten um 7,83 Prozent auf 36,65 Dollar vor. Cisco Systems profitierten von einer positiven Studie der Credit Suisse und gewannen 3,12 Prozent auf 21,15 Dollar. Die Experten der Schweizer Bank rechnen mit Verbesserungen im Geschäftsverlauf während des laufenden Quartals und stuften die Aktie von "Neutral" auf "Outperform" hoch.

Vor Bekanntgabe des Quartalsberichts von Texas Instruments  an diesem Abend nach Börsenschluss gewannen die im S&P-100-Index notierten Titel des Chipherstellers 2,61 Prozent auf 23,61 Dollar. Am Markt wird für das abgelaufene zweite Quartal ein Gewinn je Aktie von 0,23 Dollar erwartet.

Hasbro überraschte unterdessen im zweiten Quartal mit einem höheren Gewinn als erwartet. Zudem erwartet der Spielzeughersteller, dass die Allianz  mit Discovery Communications für Kinderfernsehen und -internet weniger kostet als zunächst veranschlagt. Die Aktie stieg um 4,22 Prozent auf 26,45 Dollar. Der Ölfeld-Ausrüster Halliburton hatte im zweiten Quartal einen deutlichen Gewinneinbruch verbucht. Unter Ausklammerung von Sondereffekten übertraf der Konzern allerdings die Markterwartungen, was den Aktien ein Plus von 4,44 Prozent auf 22,33 Dollar bescherte.

Die Richtung überrascht nicht, aber die Geschwindigkeit

An der Frankfurter Aktienbörse ging es auch mit dem MDax und dem TecDax voran. Der MDax  mittelgroßer Werte startete mit einem Aufschlag von 1,61 Prozent auf 5997,66 Zähler in die neue Woche und scheiterte damit nur knapp an der laut Händlern "psychologisch wichtigen, runden Marke". Der Technologieauswahlindex TecDax  gewann mit Aktien der Anbieter erneuerbarer Energien an der Spitze 0,92 Prozent auf 652,41 Punkte.

Auch hier machten sich die Spekulationen um CIT positiv bemerkbar: "Die Börse knüpft dank der Hoffnung auf weitere gute Quartalszahlen und der vorläufigen Rettung des US-Finanziers CIT an ihren jüngsten Aufwärtstrend an", fasste Kapitalmarktexperte Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel den Wochenstart zusammen, der auch in Übersee mit Kursaufschlägen zu Buche schlug.

Ähnlich das Bild an anderen bedeuten Aktienbörsen in Europa: Der Leitindex EuroStoxx  gewann 1,28 Prozent auf 2500,69 Punkte. Der CAC-40-Index  stieg in Paris um 1,63 Prozent auf 3270,94 Zähler und der FTSE 100  legte in London um 1,25 Prozent auf 4443,62 Punkte zu. "Mich hat zwar nicht die Richtung, aber die Geschwindigkeit des Marktanstiegs in Frankfurt überrascht", sagte Marktstratege Wolfgang Duwe von der Bremer Landesbank. Er geht indes von weiter steigenden Kursen aus und traut dem Dax "zeitnah" ein neues Jahreshoch zu.

Den insgesamt freundlichen Börsentrend in Frankfurt am Main stoppten heute nicht einmal die Volkswagen-Aktien , die - wie auch die Porsche-Titel  - klar ins Minus abglitten. Drohende Steuerforderungen in Milliardenhöhe könnten das Volkswagen-Vorhaben einer Übernahme von Porsche vereiteln und damit Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in die Hand spielen.

Die Volkswagen-Stämme verloren zeitweise 12 Prozent auf 220,16 Euro. Bei Handelsschluss notierten sie mit 236,50 Euro 5,4 Prozent niedrige und waren damit der größte Dax-Verlierer. Die nicht im Dax  gelisteten Volkswagen-Vorzüge fielen um 6,5 Prozent auf 52,68 Euro und Porsche-Aktien um 6 Prozent auf 48,76 Euro.

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten dagegen die Finanz- und Versicherungswerte. Der Kurs der Allianz-Anteilsscheine , deren Sparte Pacific Investment Management (Pimco) zu den CIT-Anleihe-Gläubigern zählt, stieg um 2,9 Prozent auf 70,02 Euro. Der Aktienkurs der Deutschen Bank  kletterte um 2 Prozent.

Konjunkturlokomotiven ziehen Dax

Ganz oben auf den Einkaufszetteln der Anleger standen zudem die Aktien von Unternehmen, die stark von der Konjunktur abhängen, da viele Anleger nun auf eine Erholung der Wirtschaft wetteten. So zogen die Stahlwerte ThyssenKrupp  und Salzgitter  um bis zu 3,8 Prozent an.

Zudem zählten Metro-Titel  zu den größten Gewinnern in Frankfurt, was Händler auch auf positive Analystenkommentare zurückführten. Auch die Aktien der Versorger Eon  und RWE  zogen um je rund 2 Prozent an. Sie profitierten wie die Bergbauwerte in London von den wieder anziehenden Rohstoffpreisen.

Im MDax  sprangen die Aktien von Continental  um 13,15 Prozent auf 27,44 Euro nach oben. Die am Morgen vorgelegten vorläufigen Zahlen zum zweiten Quartal deuteten auf eine Entspannung der Lage bei dem hoch verschuldeten Autozulieferer hin. Operativ war Continental nach einem tiefroten Jahresauftakt trotz der im Jahresvergleich schrumpfenden Umsätze die Rückkehr in die schwarzen Zahlen gelungen. Börsianer machten für das deutliche Kursplus aber vor allem einen Bericht der "WirtschaftsWoche" verantwortlich, wonach Continental mit kuwaitischen Investoren über einen Einstieg spreche.

Die Ölpreise haben am Montag weiter kräftig zugelegt. Zeitweise sprang der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US- Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) auf ein Tageshoch knapp unter 65 US-Dollar.

Im frühen Handel kostete ein Fass 64,74 Dollar und damit 1,18 Dollar mehr als am Freitag. "Die Kauflaune ist ziemlich stark", sagte Christopher Bellew vom Handelshaus Bache Commodities. Bei den Anlegern herrsche überwiegend Optimismus.

Die stärksten Aktien Europas

Die Börsen in Europa haben am Montag den sechsten Handelstag in Folge Gewinne verbucht. Die Anteilsscheine der Lloyds TSB  gewannen in London 6,68 Prozent auf 71,74 Pence. Einem Bericht der "Sunday Times" zufolge könnte die britische Bank im ersten Halbjahr in die Gewinnzone zurückkehren. Zudem könnte der Finanzkonzern der "Times" zufolge nach dem Willen der Opposition zerschlagen werden.

Vivendi-Titel  stiegen im CAC-40-Index  in Paris um 4,04 Prozent auf 18,16 Euro. Der französische Mischkonzern hat die Gespräche mit der kuwaitischen Telekomgruppe Zain über eine Mehrheitsübernahme des Afrikageschäfts abgebrochen. Händler werteten dies als Befreiungsschlag. "Strategisch wäre eine Übernahme zwar sinnvoll, allerdings wäre sie zu teuer. Das lastete in den vergangenen Tagen wie ein Fluch auf der Aktie", kommentierte ein Börsianer. Zain hatte 12 Milliarden Dollar für sein Afrika-Geschäft gefordert, das zwar über viele Kunden verfügt, aber nur wenig profitabel ist.

Europäische Staatsanleihen haben ihre Kursverluste am Montagabend eingegrenzt. Der Bund-Future lag noch 19 Ticks im Minus bei 120,96 Zählern, nachdem er zuvor um bis zu 76 Ticks auf 120,39 Zähler gefallen war. Der Euro notierte bei 1,4216 Dollar, nachdem er zuvor ein Sechs-Wochen-Hoch von 1,4249 Dollar erreicht hatte.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa, dpa-afx und reuters

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