Wochenausblick Berichtssaison hält Börsianer in Atem

Am deutschen Aktienmarkt dürfte es in der kommenden Woche weiter nach oben gehen. Positive Signale sowohl von den Unternehmen als auch von der Konjunktur würden die Kauflaune der Anleger hoch halten, sagen Experten. Allerdings nennen sie auch eine Reihe von Faktoren, die zur Vorsicht mahnen sollten.

Frankfurt am Main - Am deutschen Aktienmarkt ist man derzeit vorsichtig optimistisch. Bei den Gewinnerwartungen an den Aktienmärkten zeichne sich nach sechs schwierigen Quartalen erstmals wieder eine Stabilisierung ab, begründete etwa Analyst Andreas Hürkamp von der Commerzbank  seinen grundsätzlichen Optimismus. In der Vergangenheit habe diese Bodenbildung regelmäßig das Ende eines Bärenmarktes signalisiert.

Die Fachleute der DZ Bank ergänzten: "Die Anzeichen für eine weltweite konjunkturelle Stabilisierung häufen sich. Dies bestätigen nun auch die ersten Unternehmensergebnisse aus den USA." Die Analysten sehen gute Chancen, dass beim deutschen Leitindex Dax  ein neuer Test des Jahresverlaufshochs bei knapp 5180 Punkten bevorsteht.

Ob es danach allerdings zu einem weiteren Anstieg kommen wird, hängt den DZ-Bank-Experten zufolge von zusätzlichen Nachfrageimpulsen ab. Die jüngsten Daten des Bundesverbandes der deutschen Investmentbranche (BVI) zeigten weiterhin einen hohen Grad an Pessimismus an: Zuletzt hielten Spezialfonds rund 11 Prozent der Mittel liquide, was dem höchsten Stand der vergangenen zehn Jahre entspreche. Auch die Aktienquote der Spezialfonds liege mit 12 Prozent auf einem historisch niedrigen Niveau. Die Fachleute gehen davon aus, dass diese Investorengruppen erst nach einer deutlichen Verbesserung der konjunkturellen Lage wieder verstärkt Aktien nachfragen werden.

Skeptisch bleiben die Analysten der Landesbank Berlin (LBB). Der Kursrückgang von Anfang Juni bis Mitte Juli scheine zwar lediglich eine technische Gegenbewegung auf den mehr als 40-prozentigen Kurszuwachs seit Mitte März darzustellen. Ein positives charttechnisches Signal löse der Dax allerdings erst beim Überwinden des bisherigen Jahreshochs aus.

Vorgelegte Bericht schüren Hoffnung

Die bislang vorgelegten Berichte - wenn man von Nokia  einmal absehe - schüren den Berlinern zufolge die Hoffnung, dass die Berichtssaison besser als vorab befürchtet ausfallen wird. Diese Thematik wird die Märkte in den kommenden Wochen weiter in Atem halten und nach Auffassung der LBB-Experten nicht nur positive Nachrichten mit sich bringen.

Insofern dürften die Anleger weiterhin mit Argusaugen auf die Berichtssaison in den USA blicken. Dort legen etwa mit Coca-Cola , Apple  und Yahoo  am Dienstag sowie Microsoft , American Express  und Amazon  am Donnerstag eine Reihe großer Unternehmen ihre Zahlen vor.

In Deutschland präsentiert mit der Deutschen Post  ebenfalls am Donnerstag der erste Dax-Konzern seine Zahlen. Zudem soll an diesem Tag auf Aufsichtsratssitzungen über die Zukunft von Porsche  und Volkswagen  entschieden werden.

Negative Überraschungen könnten laut den LBB-Experten auch neue Konjunkturdaten liefern. Die heimischen Wirtschaftsdaten hätten dafür bereits einen Vorgeschmack geliefert. Die Industrieproduktion für die Eurozone sei geringer als prognostiziert gestiegen und die ZEW-Konjunkturerwartungen seien nach acht Anstiegen in Folge im Juli überraschend von 44,8 auf 39,5 Punkte zurückgegangen. Auf der Agenda stehen zum Beispiel am Freitag der Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland und die Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone.

Lutz Alexander, dpa-afx

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