US-Börsenschluss Bankentitel treiben Kurse

Die Wall Street ist mit satten Gewinnen aus dem Handel gegangen. Ein positiver Analystenkommentar zu Goldman Sachs sorgte für gute Stimmung, Bankentitel schossen nach oben. In Frankfurt profitieren neben Finanztiteln auch Daimler und Porsche, die fast 10 Prozent zulegen.

New York - Gestützt auf Finanzwerte sind die US-Börsen mit hohen Gewinnen aus dem Handel gegangen. Ausschlaggebend war eine Heraufstufung der Goldman-Sachs-Aktie  durch die einflussreiche Bankenanalystin Meredith Whitney. Anleger schöpften Hoffnung, dass die Quartalsergebnisse aus der Branche überraschend gut ausfallen könnten. In dieser Woche wollen neben Goldman Sachs auch JPMorgan , die Bank of America  und die Citigroup  ihre Zahlen vorlegen.

Der Dow Jones  legte bis zum Handelsschluss um 2,3 Prozent auf 8331 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg 2,5 Prozent auf 901 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  kletterte um 2,1 Prozent auf 1793 Punkte.

Bankenanalystin Whitney empfahl die Goldman-Sachs-Aktie zum Kauf, woraufhin das Papier fast 5 Prozent zulegte. Whitney zufolge könnten auch die Bank of America und JPMorgan Chase im zweiten Quartal gut abschneiden. Die Bank-of-America-Aktie schoss um knapp 9 Prozent nach oben, die JPMorgan-Aktie um knapp 7 Prozent.

Abwärts ging es dagegen für die Anteilsscheine der CIT Group, die um über 17 Prozent einbrachen. Das Geldhaus, das auf die Finanzierung für kleine und mittelständische Betriebe spezialisiert ist, kämpft im Strudel der Wirtschaftskrise ums Überleben. Am späten Sonntagabend teilte das Unternehmen mit, die Verhandlungen mit den Regulierungsbehörden dauerten an, um kurzfristig zahlungsfähig zu bleiben. Das "Wall Street Journal" berichtete, CIT habe eine Anwaltskanzlei angeheuert, um die Chancen einer Insolvenz auszuloten.

Anteilsscheine von Wells Fargo stiegen um 3,89 Prozent auf 23,76 Dollar - hier stützte eine deutliche Kurszielanhebung durch Goldman Sachs von 14 auf 29 Dollar.

Die Aussicht auf einen positiven Verlauf der Berichtssaison hat auch die Kauflaune der deutschen Aktienanleger deutlich angefacht. Der Dax  machte seine Verluste vom Freitag mehr als wett und schloss weit über der Marke von 4700 Punkten. Am Ende notierte der Leitindex mit einem Plus von 3,2 Prozent bei 4722 Zählern. Für den MDax  mittelgroßer Werte ging es um 2 Prozent auf 5577 Zähler nach oben. Der technologielastige TecDax  stieg um 2,5 Prozent auf 627 Punkte.

Daimler gefragt - "Hoffnung für die Oberklasse"

Daimler gefragt - "Hoffnung für die Oberklasse"

An die Dax-Spitze setzten sich Aktien von Daimler  mit einem Plus von rund 6 Prozent. Händler sprachen von hohem Nachholbedarf, nachdem die Titel zuletzt der Konkurrenz von BMW  hinterhergefahren waren.

Händlern zufolge halfen insbesondere Aussagen des Branchenverbands VDA der Aktie bei ihrer Erholung. Gerade die jüngsten Absatzzahlen in der Oberklasse gäben Anlass zur Hoffnung, dass sich die Märkte wieder erholten, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann der "Stuttgarter Zeitung". Der Anteilsverkauf am Elektro-Sportwagenbauers Tesla an den Staatsfonds Aabar sei unterdessen nicht der Grund für den Kursanstieg. Dies sei "Kleingeld", sagte der Händler.

Philips schiebt Technologiesektor an

Philips schiebt Technologiesektor an

Auch Technologietitel profitierten, denn Philips  schrieb im zweiten Quartal überraschend Gewinne. Philips-Aktien stiegen in Amsterdam um mehr als 5 Prozent und waren damit im europäischen Stoxx 50  der größte Gewinner. Die Zahlen gaben dem gesamten Sektor Rückenwind, der von einer Heraufstufung durch die Analysten der Credit Suisse  verstärkt wurde. In Frankfurt profitierten die Aktien des Dax-Schwergewichts Siemens  von den Zahlen und zogen rund 2 Prozent an. Infineon  legten im TecDax  mehr als 5 Prozent zu.

Allerdings sahen Börsianer die Kursaufschläge eher skeptisch. "Alle halten sich zurück und warten auf die nächsten Quartalszahlen aus den USA", sagte ein Händler. "Enttäuschen diese, kann es mit den Aktienkursen wieder ganz schnell in den Keller gehen." Neben den großen US-Banken legt in dieser Woche eine Reihe von US-Schwergewichten Zwischenberichte vor, darunter Intel  am Dienstag, IBM  am Donnerstag und General Electric  am Freitag.

Porsche sehr fest - Spekulationen um Katar gehen weiter

Porsche sehr fest - Spekulationen um Katar

Spekulationen auf eine baldige Entscheidung im Porsche-VW-Streit schoben die in keinem der großen Indizes geführten Porsche-Aktien  um über 10 Prozent an. Nach Informationen aus Branchenkreisen und übereinstimmenden Medienberichten bietet Katar rund sieben Milliarden Euro für 25 Prozent an dem Sportwagenbauer und für ein Paket von VW-Aktienoptionen aus dessen Besitz.

"Wenn Katar sieben Milliarden Euro mitbringt, könnte Porsche seine Schulden massiv abbauen", sagte ein Händler.

Die im Dax notierten VW-Stammaktien verloren zeitweise 1,8 Prozent, da für den Fall eines Einstiegs von Katar Analysten mit einem Abstieg der Stämme rechnen, die dann die Kriterien für die Dax-Mitgliedschaft nicht mehr erfüllten. Spekuliert wird, dass dann die VW-Vorzugsaktien nachrücken. Diese Aktien stiegen in der Spitze um 4 Prozent.

Schwächster Dax-Wert waren die Titel von Kali und Salz  mit einem Abschlag von 3 Prozent. Eine Verkaufsempfehlung von UBS sowie Spekulationen über einen Preisrückgang bei Kali und Salz drückten die Aktien, sagten Händler.

Unter Druck standen zunächst auch ThyssenKrupp , die zeitweise mehr als 2 Prozent nachgaben. Zuvor hatte die "Financial Times Deutschland" berichtet, der Stahlkonzern werde im laufenden Geschäftsjahr einen Milliardenverlust ausweisen. Schon im Mai hatte ThyssenKrupp erklärt, für das laufende Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende September) mit einem Verlust zu rechnen. Händler erklärten, die bisherigen Analystenschätzungen seien vermutlich zu optimistisch gewesen. Die Aktie schloss dennoch knapp im Plus. Nach Einschätzung von Händlern werden im gesamten Wochenverlauf die Nachrichten aus der US-Berichtssaison die Aufmerksamkeit der Börsianer binden.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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