Wochenausblick Risikofaktor Wall Street

Die Kurse am deutschen Aktienmarkt dürften in der kommenden Woche stark schwanken. Denn zahlreiche US-Unternehmen präsentieren Zahlen, unter ihnen Goldman Sachs, JPMorgan, die Bank of America, Citigroup, General Electric, Intel, Google und IBM. Sollten die Ausblicke enttäuschen, könnte das zu deutlichen Kursrückschlägen führen.

Frankfurt am Main - "Die Investoren sind nervös", weiß Aktienhändler Oliver Opgen-Rhein von Trinkaus & Burkhardt. Welche Richtung der Dax  letztlich einschlagen werde, hänge vor allem von der laufenden Berichtssaison in den USA ab. Auch in Deutschland stehen kursrelevante Quartalszahlen auf der Agenda. Besondere Aufmerksamkeit dürfte dabei den Konzernausblicken zuteil werden. Die Entwicklung des Ölpreises wird ebenfalls weiter mit Argusaugen verfolgt werden.

Hierzulande werden neben den Banken- und Technologietiteln zur Wochenmitte die Aktien von Südzucker  mit Zahlen in den Blickpunkt treten. Auch den Autowerten ist die Aufmerksamkeit der Investoren einmal mehr gewiss: Am Mittwoch informiert der Branchenverband über die Pkw-Neuzulassungen im Juni, am Donnerstag tagt bei Volkswagen  der Aufsichtsrat und am Dienstag berät der Aufsichtsrat von Magna  in seiner Europazentrale über das Ergebnis der Verhandlungen mit General Motors  (GM) zum Verkauf von Opel.

Bereits vor dem am Donnerstag stattfindenden Festakt zum hundertjährigen Bestehen von Audi  soll dem Vernehmen nach die Zukunft von Porsche  besiegelt werden. Offen ist noch immer, ob sich Volkswagen an Porsche beteiligen wird oder ob das Emirat Katar, das sieben Milliarden Euro für eine Beteiligung an der Porsche Holding und Optionen auf Volkswagen-Aktien geboten hat, zum Zuge kommt.

Die Wall Street steht in der kommenden Woche ganz im Zeichen der anlaufenden Berichtssaison. Im Mittelpunkt dürften dabei die Zwischenberichte mehrerer Großbanken stehen, darunter Bank of America  und Citigroup . Darüber hinaus kommt auf die Börsianer eine Flut von Konjunkturdaten zu, von denen sie sich näheren Aufschluss über die wirtschaftliche Entwicklung erhoffen.

Jede negative Überraschung könnte nach den jüngsten Kursrückgängen zu weiteren Abschlägen führen. "Es scheint, als ob der Markt anfällig für eine Korrektur sein könnte", sagte der Analyst Richard Sparks von Schaeffer's Investment Research. "Die Unternehmenszahlen sind wahrscheinlich der entscheidende Faktor in der kommenden Woche. Die Leute werden darauf schauen, ob es irgendeinen Hinweis für einen Turnaround bei den Earnings gibt."

US-Banken im Fokus

Auf Unternehmensseite dürften die Banken im Rampenlicht stehen. Ihr überraschend guter Start ins Jahr und die Mut machenden Ergebnisse der Stresstests waren ein wesentlicher Grund für die Rally im Frühjahr. Am Dienstag legt Goldman Sachs  Zahlen vor, gefolgt von JPMorgan  am Donnerstag und Bank of America  und Citigroup  am Freitag. An dem Tag veröffentlicht auch der Mischkonzern General Electric  seine Quartalsergebnisse. Bei den Technologiewerten stehen unter anderem die Zahlen von Intel  (Dienstag), Google  und IBM  (beide Donnerstag) an.

"Die Leute wollen gute Ergebnisse sehen und bei den Konjunkturdaten den nächsten Schritt nach oben", sagte Marktstratege Mike O'Rourke von BTIG. "Die Leute warten aufmerksam im Hintergrund, bis sie wieder einen Grund zum Kaufen haben oder bis die Daten schlecht werden und sie wieder verkaufen. Wir befinden uns in einer Warteschleife."

Zudem stehen in den auf USA auf Seiten der Konjunktur viele Daten an. Zu den jüngsten Erzeugerpreisen, den Lagerbeständen und den Einzelhandelsumsätzen (Dienstag), gesellen sich unter anderem die Industrieproduktion (Mittwoch), der Philly Fed Index und die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (beide Donnerstag) sowie die für die Immobilienbranche relevanten Daten zu Baubeginnen und -genehmigungen (Freitag). In Deutschland wird am Dienstag der ZEW-Index veröffentlicht.

Am Freitag hatten die US-Aktienmärkte uneinheitlich geschlossen. Ein verhaltener Ausblick des Ölmultis Chevron , der andauernde Ölpreisrückgang und das überraschend stark eingetrübte Verbrauchervertrauen belasteten. Technologiewerte profitierten dagegen von einer positiven Bewertung der US-Bank Goldman Sachs. Der Dow Jones  beendete den Handel mit einem Minus von 0,5 Prozent bei 8146 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,4 Prozent auf 879 Zähler. Der Technologie-Index Nasdaq  stieg dagegen um 0,2 Prozent auf 1756 Punkte.

Für die Gesamtwoche ergab sich ein Minus von 1,6 Prozent beim Dow, von 1,9 Prozent beim S&P und von 2,3 Prozent beim Nasdaq-Index. In Frankfurt schloss der Dax  1,2 Prozent schwächer bei 4576 Punkten.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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