Märkte Rekordarbeitslosigkeit schockt US-Börsen

Die Wirtschaftskrise zieht den US-Arbeitsmarkt stärker als erwartet in Mitleidenschaft - die Kurse an den Börsen fallen auf breiter Front. Anleger befürchten, dass der Aufschwung in weite Ferne rückt.

New York/Frankfurt am Main - Unerwartet schwache Daten vom US-Arbeitsmarkt haben die Kurse an der Wall Street am Donnerstag stark ins Minus gedrückt. Der Dow Jones  fiel um 2,63 Prozent auf 8281 Zähler - am Mittwoch war er noch mit einem Plus von 0,68 Prozent aus dem Handel gegangen. Auf Wochensicht verlor der Index 1,87 Prozent.

Der breit gefächerte S&P-500-Index sank um 2,91 Prozent auf 896 Zähler. An der Technologiebörse Nasdaq  verlor der Composite-Index 2,67 Prozent auf 1797 Zähler. Für den Auswahlindex Nasdaq 100  ging es um 2,37 Prozent auf 1446 Punkte nach unten.

In den Vereinigten Staaten war die Zahl der Beschäftigten im Juni überraschend deutlich gesunken. Außerhalb der Landwirtschaft war die Beschäftigtenzahl im Vergleich zum Mai um 467.000 zurückgegangen. Experten aber hatten lediglich mit einem Rückgang um 363.000 Stellen gerechnet.

Die Anleger seien nun besorgt, dass sich die erhoffte wirtschaftliche Erholung verzögern könnte, sagten Händler. Da die US-Börsen am Freitag (3.7.) wegen des am darauf folgenden Samstag anstehenden Feiertages "Independence Day" geschlossen bleiben, hatte das Arbeitsministerium die viel beachteten monatlichen Arbeitsmarktdaten bereits an diesem Donnerstag veröffentlicht. Wegen technischer Probleme schloss die Wall Street eine viertel Stunde später als gewohnt.

Die Aktien des Aluminiumherstellers Alcoa  litten unter den nachgebenden Rohstoffpreisen. Sie sackten als schwächster Wert im Dow um 4,73 Protzen auf 9,86 Dollar ab. Unter den Finanzwerten sanken die Papiere von US Bancorp um 3,07 Prozent auf 17,04 Dollar. Der Finanzkonzern liebäugelt mit Expansionsplänen im Westen der USA, sagte Konzernchef Richard Davis in einem Interview.

Für die Aktien des Tabakkonzerns Philip Morris ging es unterdessen um 2,61 Prozent auf 42,94 Dollar herunter. Der skandinavische Wettbewerber Swedish Match  verkauft seine südafrikanischen Geschäftssparten an die Amerikaner. Titel von Swedish Match schlossen an der Börse in Stockholm mit einem Plus von 0,79 Prozent.

Papiere von Boeing  fielen derweil um 3,32 Prozent auf 40,83 Dollar. Der Flugzeugbauer hatte im zweiten Quartal dieses Jahres 125 Verkehrsflugzeuge und damit eine Maschine weniger als im Vorjahresquartal ausgeliefert.

In Frankfurt hatte der Leitindex Dax  bis zum Handelsschluss auf Xetra 3,8 Prozent auf 4718 Zähler verloren. Der MDax sank um 2 Prozent auf 5762 Punkte. Der TecDax gab um 1,8 Prozent auf 623 Zähler nach. An der Wall Street notierte der Dow Jones  zu diesem Zeitpunkt mit 2 Prozent im Minus.

Autotitel leiden unter schwachen US-Absatzzahlen

Die unerwartet drastische Verschärfung der Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt drückte so sehr auf die Stimmung an der Wall Street, dass auch die verbesserte Auftragslage der US-Industrie keine Erleichterung bringen konnte.

"Mit der starken Zunahme an Arbeitslosen kann sich auch sehr schnell wieder das Konsumklima verdunkeln", sagte Aktienhändler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. Mit einer schnellen Belebung des US-Arbeitsmarktes könne man nicht rechnen. Es könnte demnach sein, dass der Aufschwung erst Anfang 2010 spürbar werde.

In Deutschland litten insbesondere die Autowerte unter schwachen US-Absatzzahlen für den Monat Juni. Bei Daimler  waren die Verkäufe im Jahresvergleich um mehr als 26 Prozent zurückgegangen, was der Aktie ein Minus von 5,54 Prozent auf 24,980 Euro einbrachte.

Volkswagen  fielen sogar um 7,80 Prozent auf 228,85 Euro. Die Porsche-Aktien büßten 3,94 Prozent auf 45,86 Euro ein, nachdem der Absatz des Sportwagenherstellers in Nordamerika um mehr als 60 Prozent eingebrochen war.

Mit einem Abschlag von 2,21 Prozent auf 8,390 Euro hielten sich die Aktien der Deutschen Telekom  immer noch besser als der Gesamtmarkt. Laut der "Financial Times" könnte die spanische Telefonica  Interesse an T-Mobile UK zeigen und einen Bieterwettstreit um das britische Mobilfunkgeschäft der Telekom auslösen.

Ölpreis rutscht, Tui bricht ein

Zu den stärksten Werten im MDax  zählten die Aktien von Celesio  mit plus 1,12 Prozent auf 17,15 Euro. Dem Stuttgarter Pharmagroßhändler zufolge gibt es entgegen zuvor anders verlautender Aussagen aus unternehmensnahen Kreisen keinen Zwist in der Führungsriege hinsichtlich der Übernahme des brasilianischen Wettbewerbers Panpharma. Zudem gab es einen positiven Analystenkommentar zum Einstieg von Celesio in den schwedischen Apothekenmarkt.

Schwächster Index-Wert war Tui  mit minus 8,05 Prozent auf 5,02 Euro. Händler verwiesen unter anderem auf einen Bericht der "Financial Times Deutschland". Die TUI-Beteiligung Hapag Lloyd will demzufolge ihren Mehrheitseigner, die Seefahrtsbeteiligung Albert Ballin, um zusätzliche finanzielle Mittel bitten. "Wenn Ballin um Geld gebeten wird, könnte die Bitte auch an TUI gerichtet werden - das belastet", sagte ein Händler dazu.

Der Ölpreis ist ebenfalls deutlich gesunken. "Die globalen Konjunkturerwartungen haben sich wieder eingetrübt", sagte Händler Benson Wang von Commodity Broking Services in Sydney. Außerdem sei absehbar, dass einige Investoren nach einem mehr als vierzigprozentigen Preisanstieg im abgelaufenen Quartal Kasse machten.

Das Fass (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI kostete am Mittag mit 67,84 Dollar gut 2 Prozent weniger als am Vorabend. Ein Fass Nordseeöl der Sorte Brent notierte mit 67,49 Dollar knapp 2 Prozent niedriger.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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