Märkte Herber Dämpfer für Konjunktur-Optimisten

Das Konsumklima in den USA, Rückgrat der amerikanischen Wirtschaftsleistung, hat sich im Juni wieder eingetrübt. Parallel fallen die Häuserpreise weiter: Ohne eine Trendumkehr droht jeder dritte Eigenheimbesitzer in den USA in die Verschuldung zu rutschen. Dow und Dax schließen im Minus.

New York / Frankfurt am Main - Rückschlag für Investoren an der Börse: Das Konsumklima in den USA hat sich im Juni überraschend wieder eingetrübt, nachdem es im Vormonat noch leicht gestiegen war. Da auch die Hauspreise ihre Talfahrt fortsetzen, ergibt sich für die US-Konjunktur ein gefährlicher Mix.

Dow Jones  und Dax  reagierten mit Verlusten: Der Dow schloss knapp 1 Prozent im Minus, während der deutsche Leitindex Dax auf Xetra mit einem Verlust von 1,6 Prozent aus dem Handel ging und sich nur knapp über der Marke von 4800 Zählern hielt.

Händler verwiesen übereinstimmend auf die "katastrophalen" Daten zum US-Verbrauchervertrauen. "Der Rückgang des Verbrauchervertrauens in diesem Ausmaß wirft die Hoffnung zurück, dass wir auf dem Weg der Besserung sind", sagte ein Aktienhändler. "Die Erholung der Wirtschaft steht im Wesentlichen auf den Beinen der Konsumenten - wenn die aber nicht konsumieren, sondern sparen, dann 'Gute Nacht' für die Wirtschaftserholung."

Verbrauchervertrauen gibt wieder nach

Der Index für das Verbrauchervertrauen sank auf 49,3 von 54,8 Punkten im Mai, wie das Forschungsinstitut Conference Board am Dienstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem leichten Anstieg auf 55,0 Punkte gerechnet. Sorgen bereitet den Amerikanern vor allem die Lage auf dem Arbeitsmarkt.

Annähernd jeder zweite Befragte sagte, Jobs seien schwer zu bekommen. Die Stimmung der Verbraucher gilt als zentraler Indikator für die Konsumausgaben, die etwa zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen.

Hauspreise fallen: Konsumenten an zwei Fronten unter Druck

Was US-Konsumenten zusätzlich belastet: Auch die Häuserpreise fallen weiter. Der Preisrückgang im April war der 23. in Folge und betrug 18,1 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum, teilte das private Institut S&P/Case-Shiller am Dienstag in Washington mit.

Ohne eine Erholung der Häuserpreise, so das Urteil von Börsianern, werde es keine nachhaltige Erholung der US-Konjunktur geben. Auf Grund der schwierigen Situation auf dem Arbeitsmarkt und bei fallenden Immobilienpreisen geraten immer mehr Eigenheimbesitzer aus der Mittelschicht in Schwierigkeiten, ihre Hypotheken zu bedienen.

Fallen die Häuserpreise in den USA weiter, drohe jedem dritten US-Eigenheimbesitzer die Verschuldung, warnt Fondsmanager Hendrik Leber. Er rechnet mit einem weiteren Verfall der Häuserpreise: "Die Luft aus der Blase muss komplett raus", sagte Leber im Interview mit manager-magazin.de.

Caterpillar und P&G größte Verlierer im Dow

Angesichts der Katerstimmung bei den US-Verbrauchern zählten die Aktien des Konsumgüterproduzenten Procter & Gamble  zu den größten Verlierern im Dow . Sie fielen um 2,16 Prozent auf 51,10 Dollar. Titel des Unterhaltungsriesen Walt Disney  verbilligten sich um 1,39 Prozent auf 23,33 Dollar.

Schlusslicht im Dow waren die Titel des weltgrößten Baumaschinenherstellers Caterpillar  mit einem satten Abschlag von 4,89 Prozent auf 33,04 Dollar. Titel des Chemiekonzerns DuPont verbilligten sich um 1,50 Prozent auf 25,62 Dollar.

Die Papiere des Versicherers American International Group (AIG)  sackten gar um 12,78 Prozent auf 1,16 Dollar ab. Der bereits durch Milliardenhilfen gestützte Konzern warnte vor neuen massiven Risiken in seinem Geschäft mit europäischen Banken. Bei einer weiteren Talfahrt der Märkte drohten durch Wertpapiere im Umfang von fast 193 Milliarden Dollar (137 Milliarden Euro) zusätzliche Verluste in noch unbekannter Höhe.

Andere Finanztitel konnten sich dem negativen Sog nicht entziehen und verbuchten ebenfalls Abschläge. So fielen die Titel von JPMorgan um 1,42 Prozent auf 34,11 Dollar und die Aktien der Citigroup sanken um 1,66 Prozent auf 2,97 Dollar. Für die Anteilsscheine von Morgan Stanley ging es um 2,03 Prozent auf 28,51 Dollar nach unten und Goldman-Sachs-Papiere  verloren 1,29 Prozent auf 147,44 Dollar.

Die UBS hatte die Bewertung von JPMorgan , Citigroup  und Morgan Stanley  mit "Neutral" wieder aufgenommen. Die neue Einschätzung für die Papiere von Goldman Sachs  lautet nun "Buy". Goldman Sachs weise eine starke Eigenkapitalquote auf und wegen ihres Risikomanagements könne die Investmentbank offensiv auftreten, begründete Analyst Glenn Schorr in einer Studie seine "Buy"-Einschätzung. Bei der Citigroup hingegen fielen weiterhin Kredite aus, sodass deren Aktien lediglich mit "Neutral" bewertet würden. Auch JPMorgan habe weiterhin stark mit seinen Kreditpositionen zu kämpfen, sei aber ansonsten im Wettbewerb gut aufgestellt. Morgan Stanley schließlich befinde sich derzeit in einem Transitionsprozess, der kurzfristig die Gewinne dämpfen dürfte.

Aktien von Ford  aber arbeiteten sich gegen den negativen Trend um 5,02 Prozent auf 6,07 Dollar vor. Der Autobauer hatte am späten Montagabend mitgeteilt, er gehe davon aus, im Juni Marktanteile auf dem Heimatmarkt gewonnen zu haben. Gleichzeitig kündigte der Konzern an, seine Produktion in Nordamerika im dritten Quartal erhöhen zu wollen.

Gefragt waren auch Papiere von Electronic Arts , die um 4,37 Prozent auf 21,72 Dollar stiegen. Die Analysten von Merrill Lynch  hatten die Papiere des Computerspiele-Entwicklers von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft. Sie rechnen mit Blick auf starke Kernprodukte wie die Alltagssimulation "Sims" damit, dass die durchschnittlichen Marktschätzungen angehoben werden.

Stimmung der Einkaufsmanager erholt sich

Einen kleinen Hoffnungsschimmer in den USA gab es doch: In der Region Chicago hat sich die Stimmung der Einkaufsmanager im Juni überraschend deutlich aufgehellt.

Der entsprechende Index sei von 34,9 Punkten im Vormonat auf 39,9 Punkte gestiegen, teilte die regionale Einkaufsmanagervereinigung von Chicago am Dienstag mit. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg auf 38,3 Punkten gerechnet.

Indexstände von über 50 Punkten signalisieren eine wirtschaftliche Belebung, während Werte darunter auf einen Rückgang hinweisen. Der Chicago-Index gilt als Indikator für den nationalen Einkaufsmanagerindex ISM, der am morgigen Mittwoch veröffentlicht wird.

Die Deutsche Bank  hat außerdem ihre Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft im kommenden Jahr angehoben. Das Institut erwartet nun einen Anstieg von 2,5 Prozent in 2010, bislang hatte die Prognose auf zwei Prozent gelautet. "Die Anhebung erfolgt wegen deutlich verbesserter Aussichten für die Industrieländer, wo das Wachstum nächstes Jahr nun bei einem Prozent gesehen wird, verglichen mit zuvor 0,3 Prozent", schrieb die Bank. Ein Großteil der Anhebung gehe auf einen verbesserten Ausblick für das Wachstum der Investitionen zurück.

In den Fokus rückten vor allem die Aktien des Handels- und Tourismusunternehmens Arcandor : Ein Massekredit für das Unternehmen wurde nach tagelangem Tauziehen vereinbart. Die Zustimmung der EU-Kommission folgte am Dienstag Nachmittag.

Auch wenn das Papier von dieser Nachricht profitiere, sei der Konzern "noch nicht aus dem Gröbsten heraus", sagte Marktexperte Heino Ruland von Ruland Research. "Wir bleiben dem Papier weiter fern, da wir glauben, dass die zu verzinsenden Schulden deutlich die Vermögenswerte übersteigen", argumentierte er. Eine Insolvenz sei weiterhin naheliegend, zumal es Arcandor an einem vernünftigen Geschäftsmodell mangele.

Porsche verfolgt KfW-Kredit nicht weiter

In den Blick rückten erneut auch die Anteilsscheine von Porsche. Der Sportwagenbauer stellt keinen neuen Kreditantrag bei der KfW, sondern will Gespräche über alternative Finanzierungsmöglichkeiten aufnehmen.

Am Vortag hatte Porsche  mitgeteilt, dass der Staatsfonds des Emirats Katar (QIA) schriftlich seinen Einstieg angeboten habe und dass nun über den Preis verhandelt werde. Die VW-Stämme verbilligten sich indes um 0,81 Prozent auf 249,15 Euro. Laut der "Financial Times Deutschland" ist Katar nur an den Optionen von Porsche auf VW-Aktien interessiert. Dies ginge aus dem schriftlichen Angebot des Staatsfonds hervor, so die Zeitung.

Schlusslicht im Dax waren die Stammaktien von Volkswagen mit Abschlägen von 4 Prozent. Anleger spekulierten weiter darauf, dass die Papiere im Leitindex durch die VW-Vorzüge ersetzt werden, die sich mehr als 3 Prozent verteuerten. Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten Allianz und Merck KGaA mit einem Plus von 0,5 und 0,8 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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