Ausblick Woche der Wahrheit an der Börse

Eine Reihe von Konjunkturdaten aus den USA wird in der kommenden Woche zeigen, ob die Hoffnungen auf eine Konjunkturerholung berechtigt sind. Fallen die Daten schlechter aus als erwartet, dürften Dax und Dow weiter fallen. Doch auch positive Überraschungen sind möglich.

New York - Die Wall Street steht in der kommenden kurzen Handelswoche ganz im Zeichen der anstehenden Konjunkturdaten. Die Anleger warten auf Belege für eine wirtschaftliche Erholung, um zu sehen, ob die jüngste Rally auf kräftigen Beinen steht oder nicht. In den vergangenen zwei Handelswochen hatten Dow Jones  und Dax  bereits leicht konsolidiert, weil Anleger auf neue Impulse warten.

Entscheidender Faktor könnte am Donnerstag der Arbeitsmarktbericht für Juni sein. Die Zahlen für Juni werden einen Tag früher als gewohnt veröffentlicht, da die Aktienmärkte am Freitag am Vortag des US-Nationalfeiertags (Independence Day am 4. Juli) geschlossen bleiben.

Unerfreuliche Überraschungen auf Konjunkturseite könnten eine lange erwartete stärkere Korrektur einläuten. Im Fall weiterer Anzeichen für eine Stabilisierung der Wirtschaft gehen Analysten jedoch von einer positiven Woche aus.

"Es hängt viel davon ab, wo die Überraschung liegt", sagt Peter Jankovskis von OakBrook Investments mit Blick auf die Arbeitsmarktzahlen. "Im letzten Bericht haben die Leute darauf geschaut, dass der Rückgang nicht so groß war wie erwartet - die Arbeitslosenquote stieg aber dennoch gewaltig. Am Ende des Tages entschied dies alles."

Arbeitsmarktbericht am Donnerstag - Quote bei knapp 10 Prozent

Laut einer Reuters-Umfrage könnten in den USA außerhalb der Landwirtschaft im Juni 355.000 Jobs weggefallen sein. Im Mai waren es 345.000. Die Arbeitslosigkeit dürfte demnach auf um 0,2 Prozent auf 9,6 Prozent steigen.

Es könnte in der kommenden Woche aber noch etwas anderes eine Rolle spielen: Das "Window Dressing" vieler Fondsmanager. Denn am Dienstag enden sowohl der Juni als auch das zweite Quartal. Häufig wird sich an solchen Tagen von schwachen Aktien getrennt und das Portfolio mit einigen Überfliegern aufgehübscht.

Madoff-Urteil am Montag, Verbrauchervertrauen am Dienstag

Kurz vor beginn der Berichtssaison dürften am Dienstag das Verbrauchervertrauen für Juni und am Mittwoch der US-Autoabsatz sowie der Einkaufsmanagerindex Beachtung finden.

Mit besonderem Interesse dürfte zudem am Montag die Urteilsverkündung im Prozess gegen den geständigen Milliardenbetrüger Bernard Madoff verfolgt werden.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging am Freitag mit einem Minus von 0,4 Prozent auf 8438 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 verringerte sich um 0,2 Prozent auf 919 Zähler. Der Technologie-Index Nasdaq behauptete sich indes mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 1838 Punkten. In Frankfurt schloss der Dax mit einem Minus von 0,5 Prozent auf 4776 Punkten.

Im Wochenvergleich gab der Dow Jones  um 1,2 Prozent nach. Beim S&P-500-Index ergab sich ein Rückgang von 0,25 Prozent. Der Nasdaq-Index erhöhte sich im Wochenverlauf um 0,6 Prozent.

Dax: Schwankungen und neue Sorgen im Finanzsektor

Dax: Schwankungen nehmen zu

Auch der Dax  schwankte in der vergangenen Woche stark. Am Freitag schloss er 0,5 Prozent tiefer bei 4776 Punkten und büßte damit auf Wochensicht 1,3 Prozent ein. Die Experten der Landesbank Berlin erwarten Fortsetzung des Auf- und Abverlaufs.

Zur Begründung verweisen sie unter anderem auf neue Unsicherheiten im Finanzsektor. Nachdem sich dort die Wogen in den vergangenen Wochen etwas geglättet haten, sorgte am Freitag die Schweizer Großbank UBS  für einen Dämpfer. Sie sagte auch für das zweite Quartal einen Verlust voraus.

Erste Indikatoren für die US-Bilanzsaison sind bislang gemischt ausgefallen. Während der Postdienstleister FedEx im abgelaufenen Quartal einen kräftigen Umsatzeinbruch verbuchte, schlugen sich der Sportartikelhersteller Nike  und der Softwarekonzern Oracle  vergleichsweise wacker.

Zinsentscheid der EZB - Rückkaufprogramm für Pfandbriefe startet

Mit Aufmerksamkeit dürften Investoren wieder einmal den Zinsentscheid und die Pressekonferenz der EZB verfolgen. Volkswirte erwarten fast einhellig, dass die Notenbank den Leitzins unverändert lassen und erst einmal abwarten wird, wie ihre bisherigen Maßnahmen wirken.

Nur einen Tag vor dem Zinsentscheid startet das 60 Milliarden Euro schwere EZB-Rückkaufprogramm für Pfandbriefe. Und erst jüngst hatte die Notenbank über ihren ersten Jahrestender überhaupt den europäischen Banken fast eine halbe Billion Euro zur Verfügung gestellt.

Sehr genau gelesen werden dürfte auch der Jahresbericht der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die als Zentralbank der Zentralbanken gilt. Die BIZ hatte als eine der ersten internationalen Organisationen vor den Gefahren einer Immobilienblase in den USA und dem Ausbruch einer weltweiten Finanzkrise gewarnt. Der Bericht wird als eine Art Zwischenbilanz zur Krise gewertet.

Machtkampf zwischen VW und Porsche geht weiter

Dauerbrenner am Markt bleiben der Machtkampf zwischen Porsche  und Volkswagen  sowie die Frage, wie der Sportwagenbauer seine Schulden in den Griff bekommen will. In den vergangenen Tagen hatten Spekulationen, wonach das Emirat Katar einen direkten Einstieg bei den Wolfsburgern erwägen könnte, die VW-Aktie innerhalb von zwei Tagen um zeitweise mehr als zehn Prozent nach oben getrieben.

manager-magazin.de mit Material von reuters

Dax: "Rezessionsjahre sind oft gute Aktienjahre"

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