US-Börsenschluss Wall Street schnuppert Höhenluft

Beflügelt von Kursgewinnen bei Aktien von Einzelhandels- und Bauunternehmen hat sich die Wall Street zum Handelsschluss sehr fest präsentiert. Der Dow Jones legte um 2,1 Prozent auf 8472 Punkte zu. Zur guten Stimmung trugen die Zahlen zum US-Bruttoinlandsprodukt bei, das im ersten Quartal geringer als erwartet schrumpfte.

New York - Der Dow Jones  legte nach einem zunächst schwachen Auftakt um 2,1 Prozent auf 8472 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 erhöhte sich um ebenfalls 2,1 Prozent auf 920 Zähler. Der Technologie-Index Nasdaq  rückte um 2,1 Prozent auf 1830 Punkte vor.

"Derzeit hofft der Markt, dass die USA etwa im dritten Quartal aus der Rezession herauskommen", sagte Steve Goldman von Weeden & Co. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft sank mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 5,5 (zweite Schätzung: minus 5,7) Prozent. Zudem zeigten sich die Börsianer erleichtert, dass US-Notenbankchef Ben Bernanke die Befragung des Kongresses zur Rolle der Fed bei der Übernahme von Merrill Lynch  durch die Bank of America  relativ gut überstanden habe.

Zur Handelseröffnung hatten noch enttäuschende Daten vom Arbeitsmarkt das US-Börsengeschehen belastet. Die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe war in der vergangenen Woche mit 627.000 höher ausgefallen als von Experten erwartet.

Auf den Kauflisten der Börsianer standen die Aktien von Bed Bath & Beyond  mit einem Aufschlag von über 10 Prozent. Der Einzelhändler hatte mit einem Gewinnanstieg im Quartal die Investoren positiv überrascht. Ebenfalls gefragt waren die Anteilsscheine des Bauunternehmens Lennar, dessen Dividendenpapiere sich um 17 Prozent verteuerten. Trotz eines höheren Quartalsverlustes hatte der Konzern zuvor von einem Anstieg bei Hausverkäufen und Aufträgen berichtet. Die Aktien des Einzelhändlers J.C. Penney rückten um 7 Prozent vor, nachdem JPMorgan  seine Bewertung auf "übergewichten" von zuvor "neutral" erhöht hatte.

Negativ aufgenommen wurden am Markt die Zahlen des Sportartikel-Giganten Nike , der die Auswirkungen der Wirtschaftskrise im zurückliegenden Quartal deutlich zu spüren bekam. Im Vergleich zum Erzrivalen Adidas  fiel der Umsatz- und Gewinnrückgang bei Nike zwar moderat aus, aber Analysten fürchten wegen rückläufiger Auftragseingänge weniger Umsatz in den kommenden Monaten. Nike-Papiere verloren mehr als 3 Prozent.

Zulegen konnten dagegen die Titel der Investmentbank Jefferies. Das Institut, das sich auf mittelständische Unternehmen konzentriert, übertraf mit seinen Gewinn- und Einnahme-Erwartungen fürs zweite Quartal die Einschätzungen der Analysten. Jefferies-Papiere verteuerten sich um gut 7 Prozent.

US-Notenbankchef Bernanke verteidigte derweil seine Rolle beim Notverkauf von Merrill Lynch an die Bank of America (BoA). Er habe zu keinem Zeitpunkt dem Management oder BoA-Chef Ken Lewis gedroht oder dazu aufgefordert, die Milliardenrisiken des Geschäfts der Öffentlichkeit und damit auch den Aktionären zu verschweigen, erklärte Bernanke am Donnerstag bei einer Anhörung im US-Kongress. Die Aktien von Bank of America  gaben um 0,3 Prozent nach.

Dax im Minus

Der Dax  schloss 0,7 Prozent tiefer bei 4800 Punkten, blieb damit aber dank einer freundlichen Wall Street deutlich über seinem Tagestief. Der MDax der mittelgroßen Werte verlor 0,8 Prozent auf 5621 Zähler. Abschläge von lediglich 0,1 Prozent auf 615 Punkte gab es beim Technologiewerte-Index TecDax. Der Dow Jones  notierte zum Handelsschluss in Frankfurt 1,3 Prozent fester.

"Wir haben heute einen rein technisch getriebenen Handel gesehen, fundamental gab es keine marktbestimmenden Nachrichten", sagte Händler Florian Weber von der Schnigge Wertpapierhandelsbank. "Gestern hat der Markt zwei Schritte nach vorn gemacht, heute wieder einen zurück."

Der Aufwärtstrend scheine gebrochen und angesichts des beginnenden Sommerlochs sei in den kommenden Wochen ein ruhiger, eher nach unten gerichteter Markt zu erwarten. Mit einem Einbruch rechnet der Experte nicht - "allerdings könnte der Dax wieder bis auf gut 4.400 Punkte zurückkommen".

Adidas nach Nike-Zahlen schwächer

Aktien von Sportartikelherstellern litten unter negativ aufgenommenen Zahlen des US-Konkurrenten Nike . Dieser konnte zwar die Erwartungen der Wall Street schlagen.

Börsianer verwiesen allerdings auf den prozentual zweistelligen Rückgang des Auftragsbestands zum Geschäftsjahresende. Die schwache Auftragsentwicklung in Europa sei hierzulande auch für Adidas und Puma  ein negatives Signal, sagte ein Händler.

Adidas  verloren marktkonforme 0,69 Prozent auf 27,54 Euro, für Puma ging es um deutlichere 2,68 Prozent auf 155,13 Euro bergab.

Lufthansa-Aktie legt zu

Lufthansa  stiegen hingegen um 1,56 Prozent auf 8,77 Euro. Die Fluggesellschaft bereitet sich nach ihrer jüngsten Gewinnwarnung auf Kurzarbeit und weitere Streckenstreichungen im Passagiergeschäft vor. "Die Pläne kommen an der Börse gut an", kommentierte ein Händler die Kursgewinne. Bereits am Vortag hatte die Lufthansa angekündigt, wegen des gestiegenen Ölpreises teilweise ihre Treibstoffzuschläge anzuheben, was ebenfalls stützen dürfte, sagte der Börsianer.

Titel von Salzgitter  profitierten von einem positiven Analystenkommentar und verteuerten sich um 1,47 Prozent auf 63,64 Euro. JP Morgan hob die Titel des Stahlkonzerns von "Neutral" auf "Overweight" und erhöhte das Kursziel von 55,00 auf 86,00 Euro.

Es gebe erste Anzeichen für eine Stabilisierung der europäischen Stahlnachfrage, hieß es.

Gerüchte stützen Porsche - Gewinnmitnahmen bei VW

Aktien von Porsche  legten um 7,62 Prozent auf 46,35 Euro zu. Börsianer verwiesen mit Blick auf einen Medienbericht auf Spekulationen, das Emirat Katar könnte dem Großaktionär von Volkswagen  VW-Optionen abkaufen. Zudem werde die Aktie weiter durch eine positive Studie der Credit Suisse vom Vortag gestützt. Am Vortag hatte die "Financial Times Deutschland" (FTD) geschrieben, Katar denke Finanzkreisen zufolge über eine direkte Beteiligung bei VW nach und Porsche sei in fortgeschrittenen Verhandlungen über den Verkauf von Optionen auf VW-Stammaktien. "Damit wäre Porsche aus dem Schlamassel raus", kommentierte ein Händler. Volkswagen-Stämme büßte 3,19 Prozent auf 242,50 Euro ein.

Im MDax  überraschten Südzucker  und SGL Carbon  den Markt mit der Ankündigung von Wandelanleihen. Südzucker legte zudem unerwartet Eckdaten für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2009/10 vor. "Das sieht nach einem soliden Start ins neue Geschäftsjahr aus", sagte ein Händler in einer ersten Reaktion. Allerdings drücke die angekündigte Wandelanleihe mit einem Basis-Emissionsvolumen von 255 Millionen Euro den Kurs. Die Titel von Südzucker verloren als Schlusslicht 4,97 Prozent auf 14,35 Euro.

SGL-Papiere sanken um 4,09 Prozent auf 22,25 Euro. Der Kohlenstoffspezialist hatte eine Wandelanleihe über 190 Millionen Euro angekündigt. "Das kommt nicht ganz unerwartet - viele Unternehmen stehen derzeit vor der Wahl, entweder eine Kapitalerhöhung durchzuführen oder aber eine Wandelanleihe zu begeben, um sich frisches Kapital zu beschaffen", sagte ein Händler.

TecDax: PhoenixSolar bricht ein

Im Technologiesektor stürzten Papiere von Phoenix Solar  mit minus 14,30 Prozent auf 34,45 Euro ans Indexende. Das Photovoltaik-Unternehmen strich wegen des anhaltenden Preisverfalls bei Solarmodulen sein operatives Gewinnziel für das laufende Jahr. "Die Preissenkungen bei Modulen schlagen jetzt voll bei Phoenix durch, wie zuvor bei Solon  und Conergy ", kommentierte ein Händler.

Dagegen verhalf eine höhere Prognose Infineon-Titeln  mit plus 4,62 Prozent auf 2,490 Euro an die TecDax-Spitze. Der Umsatz im dritten Geschäftsquartal werde um etwas mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorquartal steigen, teilte der Halbleiterhersteller mit. Ende April hatte Infineon ein Umsatzplus von etwa zehn Prozent angekündigt. Zudem werde mit einem "deutlich positiven" Free Cash Flow zu rechnen sein. Ein Händler bewertete die Aussagen indes als "nicht so spektakulär".

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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