Märkte Wall Street auf Talfahrt

Die US-Börsen sind mit deutlichen Kursverlusten in die neue Handelswoche gestartet. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss 2,4 Prozent im Minus bei 8339 Punkten. Verlierer des Tages waren die Bank of America, Alcoa und American Express.

New York - Die US-Börsen haben den ersten Tag der Woche tief im Minus geschlossen. Der Dow Jones  verlor 2,4 Prozent auf 8339 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 büßte 3,1 Prozent auf 893 Stellen ein, während die Technologiebörse Nasdaq  3,4 Prozent auf 1766 Zähler fiel. In Frankfurt schloss der Dax  3 Prozent leichter auf einem Vier-Wochen-Tief von 4693 Punkten.

Viele Anleger blieben am Montag zurückhaltend, nachdem die Weltbank ihre Konjunkturprognosen für die USA, die Euro-Zone und Japan gesenkt hatte. Die Aussichten für die Wirtschaft seien weiter ungewöhnlich unsicher, erklärte die Bank und verdarb damit den Investoren gründlich die Kauflaune. Der Ölpreis rutschte unter die Marke von 67 Dollar und setzte im Dow Energiewerte wie Exxon Mobil  und Chevron  unter Druck. Aktien des iPhone-Herstellers Apple  machten eine Berg- und Talfahrt durch: Die Anleger beschäftigten Verkaufszahlen, aber auch einmal mehr die Gesundheit von Konzernchef Steve Jobs.

In New York sorgten sich die rezessionsgeplagten Anleger, dass die erhoffte Konjunkturerholung nur schwach ausfallen könnte. "Obwohl das Schlimmste vielleicht überstanden sein könnte, heißt das nicht, dass wir in irgendeiner der großen Volkswirtschaften weltweit vor einem starken Wachstum stünden", sagte Alan Lancz von Alan B. Lancz & Associates.

Mehr Klarheit erhofften sich Börsianer von dem am Dienstag beginnenden Treffen der Notenbank Fed. Den Ausblick der Währungshüter werden die Anleger auch auf Hinweise darauf durchforsten, wie lange die gegenwärtige Null-Zins-Politik noch andauern wird. Zudem werden im Laufe der Woche eine Reihe von Konjunkturdaten erwartet, darunter vom kriselnden Häusermarkt.

Auf Unternehmensseite standen am Montag die Titel von Apple im Blickpunkt, die nach anfänglichen Gewinnen stark nachgaben. Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, Apple-Chef Jobs habe sich vor zwei Monaten einer Lebertransplantation unterziehen müssen. Er werde aber diesen Monat seine Arbeit wieder aufnehmen. Händler verwiesen auch auf Aussagen des Konzerns, über eine Million Geräte des neuesten iPhone-Modells 3GS verkauft zu haben.

Zu den Verlierern zählten Energiewerte, die unter dem Ölpreisrückgang litten: Der Ölpreis fiel um gut 4 Prozent auf 66,76 Dollar je Barrel. Die Aktie von Exxon Mobil notierte 2,6 Prozent leichter, Rivale Chevron  büßte sogar gut 3 Prozent an Wert ein.

Die Aktie der Drogerie-Kette Walgreen  verlor 5,6 Prozent, nachdem das US-Unternehmen mit dem Quartalsergebnis die Markterwartungen verfehlt hatte. In derselben Branche büßte CVS Caremark 1,6 Prozent ein.

Bankenwerte unter Druck

Auch der deutsche Aktienmarkt ist sehr schwach in die neue Woche gestartet. Der Dax  rutschte um gut 3 Prozent auf 4693 Punkte ab und schloss auf seinem Tagestief. Damit büßte der Leitindex die Gewinne eines Monats wieder ein und ging unter der technisch wichtigen 200-Tage-Linie aus dem Handel. Der MDax  mittelgroßer Werte verlor 3,5 Prozent auf 5485 Zähler und der Technologiewerte-Index TecDax  fiel um 3,7 Prozent auf 590 Punkte nach unten.

Das Handelsvolumen im Dax fiel auf 115 (Freitag 230) Millionen Aktien. Der Umsatz belief sich auf 2,9 (6,5) Milliarden Euro. An den US-Börsen notierte zum Handelsschluss in Europa der Dow Jones  mit 8385 Punkten 1,8 Prozent im Minus, der S&P500 verlor 2 Prozent auf 901,51 Zähler. Der Nasdaq Composite  notierte mit 1782 Zählern 2,4 Prozent niedriger.

"Die Luft ist raus aus dem Ballon", lautete das Fazit von Aktienhändler Oliver Roth von der Close Brothers Seydler Bank. Die Börsianer akzeptierten, dass die wirtschaftliche Erholung noch weit entfernt sei und der deutsche Markt gehe im Einklang mit der US-Börse und den anderen europäischen Märkten nach unten. Die Kursentwicklung zeige, dass in den Handelsräumen nun etwas mehr Realismus Einzug gehalten habe. Dies sei die "mehr als überfällige Reaktion" auf die permanent negativen Voraussagen der Realwirtschaft.

Unter Druck waren besonders die Bankenwerte. Deutsche Bank verloren 6,8 Prozent auf 40,695 Euro, was Händler auch auf die starken Zuwächse der letzten Monate zurückführten, der der Aktie eine Verdreifachung des Kurses beschert hatte.

Commerzbank-Aktien  fielen um fast 7 Prozent, Deutsche Börse um 5,3 Prozent. Im Stoxx 50 50 zählten neben der Deutschen Bank Unicredit  mit einem Minus von 5 Prozent und ING  mit einem Minus von 4 Prozent zu den größten Verlierern.

Im Dax setzten die Aktien von K+S ihre Talfahrt im Sog der Gewinnwarnung in der Vorwoche fort und verloren 6,5 Prozent auf 39,26 Euro. "Zyklische Werte sind heute absolut nicht gefragt", kommentierte ein Händler. Auch die meisten Auto- und Stahlwerten brachen ein. ThyssenKrupp  und Salzgitter  verloren 5,3 beziehungsweise 6,2 Prozent.

Beide Werte hatten in den vergangenen drei Monaten kräftige 30 bis 40 Prozent zugelegt. In Paris brachen ArcelorMittal-Aktien  um 7 Prozent ein. Die Titel des Branchenprimus hatten in den vergangenen drei Monaten sogar über 70 Prozent gewonnen.

Porsche und VW im Minus

Auf den Verkaufszetteln der Anleger ganz oben standen auch Lufthansa-Aktien , die 2,7 Prozent auf 8,555 Euro verloren. Das Unternehmen sieht nach eigenen Angaben vom Freitagabend seine Gewinnziele gefährdet. Zudem senkte die Ratingagentur Moodys den Ausblick für die Verbindlichkeiten der Fluggesellschaft auf negativ. In London verloren British Airways  über 8,6 Prozent. Händler verwiesen unter anderem darauf, sich Virgin-Atlantic-Gründer Richard Branson gegen staatliche Rettungsmaßnahmen für die zuletzt hohe Verluste schreibende BA ausgesprochen hatte.

Spekulationen über einen möglichen Einstieg bei Porsche  gaben den Daimler-Aktien  etwas Rückenwind, obwohl sich Analysten eher skeptisch äußerten. Die Titel stiegen zeitweise um über 2 Prozent, bröckelten bis Handelsschluss aber ab und schlossen 0,3 Prozent niedriger. Am Freitag hatte das manager magazin von Daimlers Plänen berichtet, bei dem Sportwagenbauer Porsche einzusteigen.

Porsche verloren 4,3 Prozent auf 42,11 Euro. VW-Aktien behaupteten sich über weite Strecken des Handelstages nach den glimpflichen Verlusten vom Freitagabend. In der Schlussauktion weiteten die Aktien aber ihre Verluste doch noch aus und gingen mit 219,45 Euro 2 Prozent niedriger aus dem Handel. Porsche will unterdessen seinen Antrag für einen Milliardenkredit durch die staatliche Förderbank KfW nachbessern.

manager-magazin.de mit Material der Nachrichtenagenturen

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