Märkte US-Börsen geben nach

Enttäuschende Konjunkturdaten haben die New Yorker Aktienbörsen belastet. Zahlen aus dem Dienstleistungssektor und zum Auftragseingang der Industrie fielen schlechter aus gedacht. Ein Anstieg der Öl-Lagerbestände lastete auf Aktien der Energiebranche.

New York - Der Dow Jones  schloss 0,7 Prozent tiefer bei 8675 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte er dabei zwischen 8598 und 8740 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank um 1,4 Prozent auf 931 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  verlor 0,6 Prozent auf 1825 Stellen. Der Dax  in Frankfurt schloss 1,7 Prozent tiefer bei 5054 Zählern.

Der US-Arbeitsagentur ADP zufolge sank die Zahl der Jobs in der Privatwirtschaft im Mai um 532.000. Analysten hatten im Schnitt mit nur 520.000 gerechnet. Auch die Geschäfte der Dienstleister schrumpften im Mai weiter, der Abschwung verlor aber an Schärfe. Der Service-Index des Institute for Supply Management stieg auf 44,0 von 43,7 Zählern im April. Damit blieb er aber unter der Marke von 50 Punkten, ab der er ein Wachstum signalisiert.

Experten hatten aber einen noch stärkeren Anstieg erwartet. Das Plus beim Auftragseingang in der Industrie fiel im April mit 0,7 Prozent ebenfalls geringer aus als angenommen.

"Auch wenn sich der Abschwung verlangsamt hat, ist es Tatsache, dass wir keine stabilen Verhältnisse haben und weit von Wachstumszahlen entfernt sind", sagte Todd Clark von Nollenberger Capital Partners. US-Notenbankchef Ben Bernanke sagte in einer Kongressanhörung, er erwarte "etwas Wachstum, kein robustes, aber etwas positives Wachstum im späteren Jahresverlauf".

Die Verkaufszahlen vom US-Automarkt für den Monat Mai lastete zunächst auf den Aktien von General Motors  und Ford . Der unter Insolvenz arbeitende GM-Konzern verkaufte rund 30 Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahreszeitraum. Die kürzlich aus dem Dow Jones verbannten Papiere von GM gaben zunächst nach, schlossen dann aber 0,8 Prozent im Plus. Für die Anteilsscheine von Ford ging es dagegen um 3,6 Prozent bergab. Der Autobauer hatte 24,2 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft.

Die Aktien des Raffineriebetreibers Valero stürzten um fast 18 Prozent in die Tiefe. Der Konzern hatte mitgeteilt, er werde im zweiten Quartal wegen des schwierigen Marktumfelds wohl in die Verlustzone rutschen. Die Papiere des Ölmultis Chevron  lagen 1,6 Prozent tiefer. Höhere Lagerbestände signalisieren eine schwächere Öl-Nachfrage. Der Ölpreis fiel um 3,3 Prozent auf 66,30 Dollar pro Fass.

Papiere des Versicherungskonzerns American International Group (AIG) rutschten belastet von einem Pressebericht um 5,77 Prozent auf 1,47 Dollar ab. Der Konzern habe Schwierigkeiten, sein Luftfahrt-Leasinggeschäft zu verkaufen und sei möglicherweise dabei auf die Hilfe der US-Regierung angewiesen, hatte die "New York Post" berichtet. Potenzielle Käufer forderten größere Garantien von der Regierung, um den Verkauf zu ermöglichen.

Stahlwerte gerieten unter Druck, nachdem Steel Dynamics am Vortag nach Börsenschluss seine Dividende kräftig gekürzt hatte. Außerdem will das Unternehmen 27 Millionen Aktien auf den Markt werfen, um Schulden zurückzuzahlen. Die Titel von Steel Dynamics brachen um 10,01 Prozent auf 14,03 Dollar ein. United States Steel gaben um 6,73 Prozent auf 33,98 Dollar nach.

Starke Schwankungen bei Arcandor und Metro

In Frankfurt sackte Dax  sackte wieder unter die Marke von 5100 Punkten und schloss auf Xetra mit minus 1,7 Prozent auf 5054 Zähler. Der MDax gab um 1,9 Prozent und der TecDax um 1,1 Prozent nach. In den USA notierte der Dow Jones  zu diesem Zeitpunkt 0,9 Prozent schwächer.

"Nachdem der Dax so rasch nach oben gelaufen ist, haben wir nun einen Tag der Zurückhaltung erlebt", sagte Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank. "Das ist gesund."

Vor allem Enttäuschungen über die US-Industrieaufträge im April am Nachmittag hatten zu weiteren Verlusten im Dax geführt. "Hier war am Markt ein etwas stärkerer Anstieg erwartet worden", so Halver. "Wir sind zwar aus dem Gröbsten raus, aber es wird immer wieder deutlich, dass die Rezession noch nicht vorbei ist."

Starke Schwankungen bei Arcandor und Metro

Gesprächsthema Nummer eins waren die Bemühungen um die Rettung des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor , dessen Aktien im MDax  notiert sind. Zeitweise stiegen die Titel um knapp 11 Prozent auf 2,15 Euro, rutschten dann aber bis Handelsschluss knapp ins Minus.

Die Europäische Kommission hatte Arcandor abgesprochen, Staatshilfen aufgrund der Wirtschaftskrise beantragen zu dürfen. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) riet Arcandor-Chef Karl-Günther Eick zudem, bereits nach Alternativen dazu zu suchen.

Im Dax gerieten die Aktien von Arcandor-Konkurrent Metro  unter Druck, da viele Anleger ihre Gewinne mitnahmen. "Bislang haben viele gedacht, dass Metro günstig an Karstadt herankommt, jetzt scheint das nicht mehr ganz so sicher zu sein", sagte ein Händler. Metro will seine Kaufhof-Kette mit Karstadt unter Umständen zu einer Warenhaus AG zusammenlegen. Die Metro-Aktien fielen um knapp 6,5 Prozent auf 35,50 Euro und gehörten zu den schwächsten Werten im Dax.

Daimler, VW und BMW schwächer

Nach einem erneuten Absatzeinbruch auf dem US-Automarkt im Mai um mehr als ein Drittel machten viele Anleger auch bei den Autowerten Kasse. Daimler , BMW , Fiat, Renault und Peugeot verloren bis zu 3,5 Prozent.

Aktien von Volkswagen  gerieten ebenfalls in den Sog der Gewinnmitnahmen und fielen um sechs Prozent, nachdem sie am Vortag ohne klaren Grund zehn Prozent gewonnen hatten.

Stahlwerte geben nach

Gewinnmitnahmen drückten auch die zuletzt starken Rohstoff- und Stahlwerte. Salzgitter  verloren - auch angesichts einer Verkaufsempfehlung von UBS - 5,7 Prozent. Im Stoxx50 zählten neben den Aktien des weltgrößten Stahlkonzerns Arcelor Mittal mit einem Minus von 5,3 Prozent die Aktien von Anglo American mit minus 5,9 Prozent und Rio Tinto mit einem Abschlag von 4,6 Prozent zu den größten Verlierern.

Im französischen CAC40 waren nach Quartalszahlen die Aktien des Mischkonzerns Bouygues mit einem Kursverlust von 7,4 Prozent der größte Verlierer.

Gewinnmitnahmen bei Deutscher Bank - Bayer gefragt

Auch die Finanzwerte gehörten zu den Verlierern, allen voran Deutsche Bank . Im Stoxx50 zählten die britische Barclays  mit einem Abschlag von 5,4 Prozent erneut zu den größten Verlierern. Am Dienstag waren Barclays bereits um knapp 14 Prozent eingebrochen, nachdem bekanntgeworden war, dass ein arabischer Staatsfonds seinen Anteil verkauft hatte.

Dem Trend trotzten nur wenige Aktien. Dazu zählten im Dax Bayer, die mit einem Plus von 1,5 Prozent schlossen. "Der Investorentag ist bei Bayer gut gelaufen, das wurde wohl ganz positiv aufgenommen", sagte ein Händler.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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