Märkte Dax erleidet Schwächeanfall

Der Dax hat den Aufwärtstrend der vergangenen drei Tage nicht fortsetzen können. Angesichts schwacher US-Börsen beendete der Leitindex, der am Vortag auf einem neuen Jahreshoch geschlossen hatte, einen feiertagsbedingt impulsarmen Handelstag 2,7 Prozent tiefer bei 4900 Zählern.

New York/Frankfurt am Main - Ein ernüchternder Konjunkturausblick der Fed und der drohende Bonitätsverlust Großbritanniens haben an Christi Himmelfahrt die europäischen Aktienmärkte belastet. Der Dax  fiel um 2,7 Prozent auf 4900 Punkte und konnte damit die erst am Vorabend erstmals seit Januar wieder überwundene 5000-Punkte-Marke nicht verteidigen.

Der Stoxx 50  verlor etwa 2 Prozent, und in London rutschte der FTSE-Index  um 2,7 Prozent. Die Ratingagentur Standard & Poor's senkte ihren Ausblick für Großbritannien wegen der gestiegenen Staatsverschuldung auf "negativ" von "stabil".

"Nach den Gewinnen der vergangenen Wochen sehen wir heute Gewinnmitnahmen von kurzfristig orientierten Anlegern, was angesichts des Feiertages bei uns und dem anstehenden langen Wochenende in den USA auch ganz normal ist", sagte ein Händler.

Am Montag werden die Börsen in den USA wegen des Feiertages Memorial Day geschlossen bleiben. Am Donnerstag wurde in vielen europäischen Ländern - darunter Schweiz und Österreich - an der Börse wegen des Feiertags Christi Himmelfahrt nicht gehandelt.

Die US-Konjunkturdaten fielen am Nachmittag etwas schlechter als erwartet aus und bestätigten damit den ernüchternden Ton des Protokolls der US-Notenbanksitzung vom April. Aus dem war hervorgegangen, dass die US-Notenbanker zwar Zeichen für eine Verlangsamung des Abschwungs sehen. Doch warnten sie zugleich, der prognostizierte Aufschwung im nächsten Jahr könne etwas schwächer ausfallen als erhofft und in diesem Jahr könne die Wirtschaft stärker schrumpfen als bisher befürchtet.

Die Aktien von Metro  und Arcandor  profitierten von einer möglichen Fusion von Karstadt und Kaufhof. Kaufhof-Mutter Metro kletterten um 0,8 Prozent auf 35,20 Euro und zählten damit zu den wenigen Dax-Gewinnern. Die im MDax  gelisteten Aktien der Karstadt-Mutter Arcandor zogen um 3,7 Prozent auf 2,24 Euro an. Die Handelsriesen halten nach einem Treffen ihrer Chefs - Eckhard Cordes für die Metro und Karl-Gerhard Eick für Arcandor - eine Fusion ihrer Warenhäuser für vernünftig. Arcandor kämpft derzeit ums Überleben. Ein Arcandor-Sprecher sagte, bis zum 12. Juni müsse eine Lösung für die Finanzierungsprobleme von Arcandor gefunden werden.

Ansonsten bewegten sich fast alle Dax-Werte im roten Bereich. Zu den größten Verlierern zählten die Finanz-, Auto- und Stahlwerte. Allianz  verloren 4,6 Prozent und Commerzbank  4,2 Prozent. Auch im Stoxx50 standen Bankaktien unter Druck. In London rutschten HSBC  um 3,7 Prozent ab, während in Mailand Unicredit  5 Prozent einbüßten.

Mit Gewinnmitnahmen begründeten Händler die Kursverluste bei Salzgitter  und ThyssenKrupp  von 4,9 Prozent beziehungsweise 4,2 Prozent. Im Stoxx50 fielen ArcelorMittal  um 8,4 Prozent. Die Ratingagentur Moody's hatte am Vorabend die Bewertung für den weltgrößten Stahlkonzern auf "Baa3" gesenkt, die niedrigste Stufe, die noch zu Investment Grade gehört. Die Analysten begründeten die Herunterstufung mit der schwachen Nachfrage und fallenden Stahlpreisen. Zudem senkten die Analysten von Credit Suisse ihre Anlageempfehlung für Stahl- und Bergbauaktien. In London verloren Rio Tinto 7,2 Prozent und BHP 6,3 Prozent. Händler verwiesen auch auf die fallenden Kupferpreise.

Von der Zusage einer staatlichen Großbürgschaft profitierten im MDax  Heidelberger Druck , die mit einem Plus von 3 Prozent aus dem Handel gingen. Am Vorabend hatte der Lenkungsausschuss des "Wirtschaftsfonds Deutschland" die Entscheidung für Staatshilfen für den Druckmaschinenbauer bekanntgegeben.

Auch an der Wall Street übernahmen die Skeptiker das Ruder und drückten die großen Indizes bis Handelsschluss in Europa um fast 2 Prozent ins Minus.

Schlechte Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt drückten die US-Börse ins Minus. Die Zahl der US-Bürger, die länger Arbeitslosenhilfe beziehen, stieg auf ein Rekordhoch. Auf die Stimmung der Marktteilnehmer drückten zudem noch immer die Aussagen der Fed vom Vorabend, die sich pessimistischer zur wirtschaftlichen Entwicklung in diesem Jahr zeigte. Dies versetzte Konjunkturoptimisten einen Dämpfer.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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