Märkte Kurzausflug über die 5000-Punkte-Marke

Erstmals seit Anfang Januar hat der Dax am Dienstag die Marke von 5000 Zählern geknackt - aber nur kurz, denn viele Anleger nahmen anschließend schnell Gewinne mit. Binnen zehn Wochen hat der Index knapp 40 Prozent zugelegt. Die Wall Street dagegen ging mit leichten Verlusten aus dem Handel.

New York - Die US-Börsen haben am Dienstag uneinheitlich geschlossen. Die Standardwerte fanden lange keine einheitliche Richtung und rutschten schließlich überwiegend ins Minus. Händler begründeten dies mit Verlusten bei einigen Bankaktien und mit enttäuschenden Daten vom Immobilienmarkt.

Der Leitindex Dow Jones  konnte nicht an seine Gewinne vom Vortag anknüpfen und fiel um 0,3 Prozent auf 8474,85 Zähler. Der marktbreite S&P-500-Index  endete mit minus 0,2 Prozent bei 908,13 Punkten. Gestützt von der Hoffnung auf positive Quartalszahlen des weltgrößten PC-Herstellers Hewlett-Packard  verbuchten viele Technologieaktien aber Gewinne. An der Nasdaq-Börse schloss der Composite-Index  0,1 Prozent höher bei 1734,54 Zählern.

Die Baubeginne und Baugenehmigungen in den USA sind im April überraschend gefallen. Besonders deutlich gerieten die Baubeginne unter Druck. Sie seien zum Vormonat um 12,8 Prozent auf eine auf das Jahr hochgerechnete Zahl von 458.000 gefallen, teilte das US-Handelsministerium am Dienstag in Washington mit. Das ist ein Rekordtief. Volkswirte hatten zuvor einen Anstieg auf 520.000 erwartet.

Unter Druck waren etwa die Aktien von American Express , die 5,1 Prozent auf 24,79 US-Dollar verloren. Der Kreditkartenanbieter drückt wegen der Krise noch kräftiger auf die Kostenbremse als bislang bekannt und will unter anderem weitere 4000 Stellen streichen. Auch andere Finanztitel büßten an Zuspruch ein. So fielen die Aktien von J. P. Morgan Chase  um 3,9 Prozent auf 35,81 Dollar. Die US-Bank bedenkt in der Finanzkrise anders als andere Unternehmen auch ihre Aktionäre. Diese erhalten eine Quartalsdividende von fünf Cent. Aktien der Bank of America  verloren 4,1 Prozent auf 11,25 Dollar.

Am Dow-Ende sackten die Papiere der Baumarktkette Home Depot  um 5,3 Prozent auf 24,63 US-Dollar ab. Analyst Brian Sozzi von Wall Street Strategies begründete die Kursabschläge damit, dass Konkurrent Lowe's am Vortag überzeugendere Zahlen vorgelegt habe. Dessen Titel stiegen um weitere 0,6 Prozent auf 20,05 Dollar, nachdem sie am Montag schon um 6,6 Prozent angesprungen waren.

Hewlett-Packard  (HP) legte erst nach Börsenschluss Quartalszahlen vor. Börsianer verteilten jedoch schon im voraus Vorschusslorbeeren und griffen bei den Titeln zu. HP-Papiere verteuerten sich als einer der besten Werte im Dow Jones um 2,4 Prozent auf 36,58 Dollar.

Dax erreicht erstmals seit Januar 5000 Punkte

Eine Stunde vor Handelsschluss wurde die Luft für den Dax  laut Händlern beim Tageshoch von 5005,45 Punkten schnell zu dünn - mit Gewinnen von 2,2 Prozent auf 4959,62 Punkte schloss er deutlich unter der psychologisch wichtigen Marke. Der MDax  der mittleren Werte verabschiedete sich 1,6 Prozent höher bei 5856,85 Zählern. Für den Technologiewerte-Index TecDax  ging es um 4,0 Prozent auf 632,84 Punkte hoch.

"Hoffentlich ist das keine Top-Bildung", argwöhnte ein Börsianer. In der Diskussion darum, ob es sich bei der seit Wochen anhaltenden Aufwärtsentwicklung um eine Bärenmarktrally handele - also nur um eine zwischenzeitliche Erholung in einem übergeordneten Abwärtstrend -, sei die 5000-Punkte-Marke oft als Ziel genannt worden.

Bank- und Stahlaktien gefragt

Vor allem die Banken- und Stahlwerte legten deutlich zu. ThyssenKrupp-Aktien  stiegen um 5,2 Prozent auf 17,26 Euro, die von Salzgitter  gewannen 8,8 Prozent auf 60,27 Euro und setzten sich damit an die Dax-Spitze. Die im MDax notierten Titel von Klöckner & Co.  profitierten von einem positiven Analystenkommentar und gewannen 8,6 Prozent auf 14,59 Euro. UBS erhöhte die Einstufung von "Neutral" auf "Buy".

Commerzbank-Aktien  legten 3,1 Prozent auf 5,86 Euro zu. Papiere der Deutschen Bank  steigen um 6,4 Prozent auf 45,79 Euro. Ein Händler verwies auf einen positiven Analystenkommentar aus den USA vom Vortag.

Dort hatte Goldman Sachs die Titel der Bank of America auf die "Conviction Buy"-Liste gesetzt. "Da trauen sich dann auch die Deutschen wieder, Bankaktien zu kaufen", sagte der Händler.

VW-Aktien Schlusslicht im Dax

Weiter im Fokus stand der Machtkampf zwischen dem Autobauer Volkswagen  (VW) und dem Stuttgarter Sportwagenbauer und Großaktionär Porsche . Die hoch verschuldeten Schwaben hoffen weiter auf einen Milliardeninvestor und sehen entsprechende Gespräche"auf einem guten Weg". Konzernkreise sprachen von einem arabischen Investor.

Zudem sagte die baden-württembergische Landesregierung Porsche Hilfe zu - laut "Stuttgarter Zeitung" rang Ministerpräsident Günther Oettinger der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bereits Kredite von zwei Milliarden Euro ab. Christian Wulff, Ministerpräsident des VW-Aktionärs Niedersachsen, hält den Einstieg weiterer Investoren für sinnvoll. VW-Stammaktien waren mit Verlusten von 2,2 Prozent auf 220,05 Euro Schlusslicht im Dax. Für Porsche-Vorzüge ging es um moderate 0,2 Prozent auf 41,30 Euro hoch.

Der Autobauer Daimler  steigt mit knapp 10 Prozent beim amerikanischen Elektro-Sportwagenbauer Tesla ein. Dafür zahlen die Stuttgarter einen zweistelligen Millionenbetrag. Die Daimler-Aktien gewannen 2,3 Prozent.

Apothekenmarkt: Celesio stürzt nach EuGH-Urteil ab

Die im MDax notierten Titel von Celesio  stürzten nach dem Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zum Apothekenmarkt um 14,5 Prozent auf 16,11 Euro ab. Apothekenketten bleiben in Deutschland nach wie vor verboten. Das entsprechende deutsche "Apothekengesetz" ist vereinbar mit Europarecht, urteilte der Europäische Gerichtshof.

Aktien von Pfleiderer  stiegen am Tag vor Veröffentlichung ihrer Bilanz um 10,7 Prozent auf 4,97 Euro. Zudem hob die Deutsche Bank die Aktien von "Sell" auf "Hold" an, senkte das Kursziel aber von 6,00 auf 5,00 Euro. Der Umsatz des Möbel- und Bauzulieferers dürfte zwar im ersten Quartal im Vergleich zum Schlussquartal 2008 deutlich geschrumpft sein, schrieben die Analysten in einer Studie. Die Gewinnmargen vor Zinsen und Abschreibungen sollten sich aber als robust erweisen. Kostensenkungen hätten den Preisdruck wettgemacht. Das Kursrückschlagspotenzial halten die Experten für begrenzt.

Euro steigt über 1,36 Dollar

Das Photovoltaik-Systemhaus Phoenix Solar  erhielt einen Großauftrag für den Bau eines Solarkraftwerks in Kenn (Rheinland-Pfalz). Die im TecDax notierten Aktien stiegen um 6,24 Prozent auf 39,15 Euro.

Der Kurs des Euro  stieg zum US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,3612 (Montag: 1,3494) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7346 (0,7411) Euro.

Die Aussicht auf Lieferengpässe in Nigeria hat Öl am Dienstag verteuert. Nachdem gewaltbereite Gruppen gedroht hatten, für den Öltransport wichtige Wasserwege zu blockieren, befürchteten Marktteilnehmer ein knapperes Angebot aus dem wichtigen Förderland. Auch Hoffnungen auf ein Anziehen der Konjunktur gaben dem Preis Auftrieb. Die US-Sorte WTI verteuerte sich um mehr als 1 Prozent auf zeitweise über 60 Dollar je Fass, nachdem der Preis zum Handelsschluss am Vortag der höchste seit sechs Monaten gewesen war. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um knapp 1 Prozent auf rund 59 Dollar.

Am Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere auf 3,13 (Vortag: 3,07) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,2 Prozent auf 122,44 Punkte. Der Bund Future fiel um 0,46 Prozent auf 120,78 Punkte. Der Kurs des Euro stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3612 (Montag: 1,3494) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7346 (0,7411) Euro.

manager-magazin.de mit Material von ap, reuters und dpa-afx

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