Märkte Wall Street berauscht sich an G20

Die großen Worte der 20 Staats- und Regierungschefs sorgen für satte Gewinne an den Kapitalmärkten. Kurstreibend wirkt auch eine Lockerung der Bilanzregeln für amerikanische Banken. In den USA klettert der Dow Jones zeitweilig wieder über die Marke von 8000 Zählern. Der Dax schließt gar mit einem Gewinn von 6 Prozent.

New York - Die Billionen-Hilfe der G20-Staaten und neue Bilanzierungs-Freiräume für US-Banken haben den Börsen in New York am Donnerstag Auftrieb gegeben. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte  notierte zum Handelsschluss 2,8 Prozent im Plus bei 7978 Punkten. Zwischenzeitlich hatte er lange oberhalb der 8000-Punkte-Marke notiert - erstmals seit zwei Monaten. Der Nasdaq Composite  stieg um 3,3 Prozent und ging mit 1602 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P500  gewann 2,9 Prozent auf 834 Zähler.

"Die Börse orientiert sich ja bekanntlich vor allem an Daten, die in die Zukunft gerichtet sind", sagte Helge Rechberger, Chef der Aktienmarktanalyse bei der Raiffeisen Zentralbank in Wien. "Zuletzt haben die nach vorne gerichteten Konjunkturdaten, wie etwa der ISM-Index aus den USA am Mittwoch, auf eine Bodenbildung hingewiesen. Und wenn diese Daten einen solchen Trend vollziehen, kann man das in der Regel auch am Aktienmarkt beobachten." Das erkläre die deutlichen Kursgewinne der Märkte.

Bank of America stützt Finanzbranche

Die Bank of America  sorgte für positive Stimmung bei den Finanzwerten nach einer Äußerung ihres Chefs Lewis. Er sagte dem Sender CNBC, dass das Kreditinstitut auch bei einer weiteren wirtschaftlichen Verschlechterung über einen "großen Kapitalpuffer" verfüge. Die Aktie sprang daraufhin zeitweise um 10 Prozent in die Höhe und schloss mit einem Plus von 2,7 Prozent auf 7,24 Dollar. Die Anteilsscheine der Citigroup  rückten um 2,2 Prozent auf 2,74 Dollar vor.

GM-Verwaltungsratschef erwägt Aufspaltung

Die Aktie des Autobauers General Motors  (GM) erholten sich von ihrem drastischen Vortageseinbruch und gewann als zweitstärkster Dow-Wert 8,29 Prozent auf 2,09 Dollar. Ford stiegen um 6,20 Prozent auf 2,91 Dollar. Die Verkaufszahlen der US-Autobauer brachen Börsianern zufolge im März weniger stark ein als befürchtet. Dies habe Hoffnungen genährt, dass sich der weltgrößte Automarkt seinem Boden nähert. Zudem heizte der Überlebenskampf der Autobauer GM und Chrysler laut "Wall Street Journal" neue Spekulationen über eine Fusion der beiden Hersteller an. Unterdessen sprach sich der neue Verwaltungsratschef von General Motors, Kent Kresa, im Fall einer unvermeidlichen Insolvenz für eine Aufspaltung des Konzerns aus.

Schwache Daten vom US-Arbeitsmarkt

Von der Konjunkturseite kamen indes schlechte Daten. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe war in der Woche zum 28. März auf 669.000 gestiegen. Von Reuters befragte Volkswirte hatten für die Berichtswoche im Schnitt dagegen nur mit 650.000 Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe gerechnet.

Dax verbucht größten Tagesgewinn seit Dezember

Trotz einer zaghafteren Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) verbuchte der deutsche Aktienmarkt seinen größten Tagesgewinn seit Mitte Dezember 2008. Der Leitindex Dax  verabschiedete sich bei 4381 Punkten und ging damit um 6,1 Prozent fester aus dem Handel. Der MDax  stieg um 5,9 Prozent auf 4800,26 Punkte. Der TecDax  zog um 4,6 Prozent auf 510,23 Zähler an. Der EuroStoxx 50  der größten Börsengesellschaften aus der Euro-Zone zog um 6,7 Prozent auf 2216 Stellen an.

Selbst die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Zinsen lediglich auf 1,25 Prozent zu senken, konnte die Märkte nur vorübergehend bremsen. Anleger hatten zuvor mit einer stärkeren Zinssenkung auf 1 Prozent gerechnet.

Der Welt-Finanzgipfel in London wird sich voraussichtlich auf neue Finanzmarktregeln verständigen und die Mittel des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Hilfen an bedrängte Länder massiv erhöhen. Zudem enthält ein Entwurf der Abschlusserklärung des Treffens der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Schwellen- und Industrieländer die Versicherung, alle Mittel zu nutzen, um aus der schlimmsten Rezession seit den 30er Jahren herauszukommen.

BMW und Daimler steigen um 15 Prozent

Autowerte profitierten laut Börsianern von positiven Vorgaben ihrer japanischen Branchenkollegen. Diese konnten dank eines Hoffnungsschimmers bei den Absatzzahlen auf dem US-Markt und Erwartungen, dass dieser bald seinen Tiefpunkt erreicht haben könnte, deutlich zulegen.

Die Aktien von BMW  und Daimler  setzten sich mit einem Plus von jeweils rund 15 Prozent auf 26,12 beziehungsweise 22,30 Euro an die Spitze der Dax-Gewinnerliste. Börsianern zufolge profitierten sie dabei von überraschend positiven US-Absatzzahlen. Die in keinem der großen deutschen Indizes gelisteten Porsche-Aktien  legten sogar 16,7 Prozent auf 42,20 Euro zu, obwohl Analysten gerade von den Verkäufen des Sportwagenherstellers enttäuscht waren. Auch die Autozulieferer legten kräftig zu. So verteuerten sich die Papiere von Continental  13 Prozent auf 14,20 Euro. In Paris zogen Michelin-Aktien  um 16,6 Prozent auf 32,60 Euro an. Die Titel der Opel-Muttergesellschaft General Motors  (GM) stiegen an der New Yorker Börse um 10,4 Prozent auf 2,13 Dollar.

Die deutschen Autobauer haben im März auf dem US-Markt einen weiteren bösen Absatzeinbruch erlebt, stehen aber besser da als die drei amerikanischen Konzerne. Der größte deutsche Importeur Volkswagen verlor 20 Prozent im Vergleich mit dem März 2007, BMW und Daimler büßten je 23 Prozent ein und Porsche verkaufte 29 Prozent weniger. Der Gesamtmarkt fiel sogar um 37 Prozent auf rund 860.000 Autos, wie das Unternehmen Autodata mitteilte.

Auch Finanztitel legen zweistellig zu

Unter den Finanzwerten gehörten Deutsche-Bank-Papiere  zu den Favoriten. Ihre Titel verteuerten sich um 14,6 Prozent auf 35,64 Euro, nachdem Firmenchef Josef Ackermann die Betriebseinnahmen im März als solide beschrieben hatte. Aber auch die europäischen Konkurrenten UBS , Axa  oder HSBC  verbuchten teilweise zweistellige prozentuale Kursgewinne.

Titel der Deutschen Börse  legten 5,5 Prozent auf 49,35 Euro zu. Der Börsenbetreiber musste im März auf dem elektronischen Handelssystem Xetra erneut einen Umsatzeinbruch um 49 Prozent hinnehmen. Zudem geht aus einer Stimmrechtsmitteilung hervor, dass der ehemalige Großaktionär Atticus seinen Anteil an dem Börsenbetreiber auf 2,05 Prozent senkte.

Der US-Fonds Atticus hatte bereits am Dienstag mitgeteilt, seinen Anteil von ehemals rund 9 Prozent unter die Meldeschwelle von 3 Prozent gesenkt zu haben. Der Anteil des zweiten bei der Börse engagierten, britischen Hedgefonds Children's Investment Fund (TCI) blieb hingegen unverändert bei 10,26 Prozent.

Stahlwerte haussieren, K+S wegen Milliardenübernahme im Plus

Stahlwerte standen ebenfalls ganz oben auf den Kauflisten der Börsianer: Die Aktien von ThyssenKrupp-Aktien  gehörten mit plus 16,21 Prozent auf 15,20 Euro zu den Dax-Spitzenreitern, Papiere von Salzgitter  verteuerten sich um 12,66 Prozent auf 48,13 Euro und die Anteile an dem Stahlhändler Klöckner & Co.  sprangen im MDax um 15,08 Prozent auf 8,47 Euro nach oben.

Händler sprachen in erster Linie von einer Erholung, nachdem die Stahlwerte kaum an der Erholung des Dax im vergangenen Monat teilgenommen hätten. Außerdem habe der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal seine bis 2012 laufende Kreditlinie um 1,2 Milliarden auf nun 6,0 Milliarden Euro ausgeweitet. Dies ist Händlern zufolge ein positives Zeichen und stütze die Sektorerholung.

K+S-Aktien  legten im Kielwasser von Nachrichten zu einer Übernahme um 11,2 Prozent auf 38,70 Euro zu. Der Düngemittelhersteller wird in einer milliardenschweren Transaktion die amerikanische Morton Salt übernehmen.

Analysten fanden lobende Worte für den Zukauf. Da das Salzgeschäft von Morton Salt eine höhere Ebitda-Marge als das von K+S aufweise, der Zukauf sich wie von K+S angekündigt ab 2010 deutlich positiv auf das Ergebnis je Aktie auswirke und Synergien bringe, sei die Transaktion eine gute Nachricht. Zudem verringere sie die Saisonalität der Gewinnentwicklung. Ein Händler kritisierte den Zukauf allerdings als etwas zu teuer.

Das Transaktionsvolumen belaufe sich auf 1,675 Milliarden Dollar und man habe mit Rohm and Haas, einer Tochtergesellschaft von Dow Chemical, einen Vertrag über den Erwerb von Morton abgeschlossen, hieß es.

Ölpreis überspringt 50-Dollar-Marke

Bei den Technologiewerten sprangen Solon  mit plus 17,14 Prozent auf 10,80 Euro an die Indexspitze. Der Berliner Solarmodulhersteller Solon verzichtet zwar aufgrund der Wirtschaftskrise weiter auf eine konkrete Prognose für dieses Jahr, bestätigte aber weitgehend die im Februar gemeldeten vorläufigen Zahlen für 2008.

Der Euro  tendierte am Abend erneut fester und wurde zu 1,3441 Dollar gehandelt, nachdem die EZB am Nachmittag einen Referenzkurs von 1,3392 Dollar festgestellt hatte. Die EZB-Entscheidung habe die Hoffnung auf ein näherrückendes Ende des Konjunktureinbruchs genährt und den Risikoappetit der Anleger kräftig angeregt, sagte ein Devisenhändler.

Die Ölpreise legten am Nachmittag kräftig zu. Der Preis für ein Fass (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Mai stieg um 3,57 US-Dollar auf 51,96 Dollar. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent  kletterte um 3,84 auf 52,28 Dollar. Am Mittwoch hatten erneut angewachsene Rohöllagerbestände in den USA die Ölpreise gedrückt.

Der Goldpreis  rutschte erstmals seit Mitte März wieder unter die Marke von 900 US-Dollar. Am Nachmittag kostete eine Feinunze (31,1 Gramm) 899,50 Dollar und damit 27,90 Dollar weniger als am Vortag. Händler machten die starken Kursgewinne an den Aktienmärkten für den Preisrutsch beim gelben Edelmetall verantwortlich. Die Nachfrage nach Gold als sicherer Hafen habe nachgelassen. Die Anleger seien wieder etwas risikofreudiger geworden. Außerdem vereinbarten die G20 auf ihrem Gipfel, dass Verkäufe von Goldreserven zur Aufstockung des IWF-Budgets verwendet werden sollen. Ende Februar trieb die Sorge vor einem weiteren Abrutschen der Weltwirtschaft den Goldpreis zeitweise noch knapp über die Marke von 1000 Dollar.

Der deutsche Rentenmarkt setzte am Donnerstagabend nach einer Talfahrt im Tagesverlauf zu einer Bodenbildung an. Nach robusten Konjunkturdaten aus den USA, einer unerwartet moderaten Zinssenkung der EZB und einer Rally an den Aktienmärkten war der Rentenmarkt unter starken Druck geraten. Am Abend notierte der für den Anleihemarkt richtungsweisende Euro-Bund-Future mit Minus 1,60 Prozent bei 122,78 Punkten. Vor der EZB-Entscheidung am Nachmittag hatte der Future noch bei rund 124,15 Punkten notiert. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleige lag bei 3,160 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ddp und reuters

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