Märkte US-Börsen nach Schlussspurt ins Plus

Die US-Börsen haben nach einer Berg- und Talfahrt deutlich im Plus geschlossen. Gewinner des Tages waren erneut Banktitel: Aktien der Bank of America legten um knapp 8 Prozent zu, bei JPMorgan waren es sogar fast 9 Prozent. Technologietitel mussten dagegen Einbußen hinnehmen.

New York - Die Börsianer waren im Handelsverlauf hin- und hergerissen zwischen der aufkeimenden Hoffnung auf ein Abflauen der Rezession sowie Sorgen über die schwache Nachfrage bei der Emission neuer US-Staatsanleihen. Auf der Stimmung lasteten zusätzlich Spekulationen, die Bedeutung des Dollars als Reservewährung könne schwinden. In einem Schlussspurt gewannen dann jedoch die Optimisten die Oberhand.

Der Dow Jones  verließ den Handel 1,2 Prozent fester bei 7749 Punkten, nachdem er im Handelsverlauf zwischen 7863 und 7550 Punkten geschwankt war. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 1 Prozent auf 813 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  tendierte 0,8 Prozent höher bei 1528 Stellen.

Vor allem ein überraschendes Auftragsplus in der Industrie sowie eine Belebung am Immobilienmarkt schürten die Hoffnung, dass die Talsohle der Wirtschaftskrise erreicht sein könnte. Ein überraschender Anstieg der Verkäufe von Einfamilienhäusern verhalf vielen Titeln aus dieser Branche ins Plus. So legten etwa die Aktien des Hausbauers DR Horton knapp 6 Prozent zu. Auch viele Titel der Finanzbranche konnten ihre jüngste Rally fortsetzen: Die Papiere der Bank of America  legten um knapp 8 Prozent zu, bei JPMorgan waren es sogar fast 9 Prozent.

Für Verunsicherung sorgte jedoch US-Finanzminister Timothy Geithner, der sich "ziemlich offen" für einen Vorschlag Chinas zur Neuregelung des weltweiten Währungssystems zeigte und damit den Dollar auf Talfahrt schickte. Der Druck auf die US-Währung ließ jedoch deutlich nach, als Geithner betonte, ein starker Dollar sei weiter im Interesse der USA und werde wohl noch lange Reservewährung bleiben. Das geringe Interesse der Investoren an neuen 5-jährigen Staatsanleihen schürte Sorgen über die anstehende Finanzierung der gigantischen Konjunkturprogramme in den USA.

Technologiewerte schlugen sich meist deutlich schlechter als der Gesamtmarkt. So gingen Apple  nahezu unverändert aus dem Handel, während Google  1 Prozent einbüßte und die Aktien des Blackberry-Herstellers Research in Motion  sogar 3 Prozent verloren.

An den US-Kreditmärkten fielen die zehnjährigen Staatsanleihen um 21/32 auf 99-23/32. Sie rentierten mit 2.783 Prozent. Die 30-jährigen Bonds gaben mehr als anderthalb Punkte auf 95-27/32 Stellen nach, wodurch die Rendite auf 3,732 Prozent stieg.

Dax gewinnt

Der Dax  schloss um 0,9 Prozent höher als am Vortag und ging bei 4223 Punkten aus dem Handel. Aufgehellt wurde die Stimmung an den deutschen Börsen von überraschend gut ausgefallenen US-Konjunkturdaten. Die Anleger seien zwar nicht übermäßig optimistisch, aber sie hinterfragten den extremen Pessimismus von vor wenigen Wochen, sagte ein Börsianer. Gebremst von schwachen britischen Minenwerten stieg der Europa-Index Stoxx 50  nur um 0,2 Prozent auf 1835 Stellen.

Dagegen rutschten in Frankfurt die Aktien des Elektrokonzerns Siemens  4 Prozent ab und waren damit größter Dax-Verlierer. "Siemens hat den Markt auf eine Gewinnwarnung vorbereitet, das drückt die die Stimmung", sagte ein Händler. Konzernchef Peter Löscher hatte in einem Interview gesagt, seit Januar habe sich das wirtschaftliche Umfeld für Siemens noch einmal erheblich verschlechtert.

DZ-Bank-Analyst Karsten Oblinger erklärte, schon seit der Vorlage der letzten Quartalszahlen sei nicht mehr damit zu rechnen gewesen, dass Siemens seine Geschäftsziele erreicht. Die Aussagen Löschers lasteten auf den ganzen Sektor. In Paris fielen die Aktien des Konkurrenten Alstom  um 4,6 Prozent und in Zürich ABB  um 0,3 Prozent.

Belastet von der schwachen Auftragslage in der Chemiebranche gaben die zuletzt gefragten Aktien von Weltmarktführer BASF  um 1,9 Prozent nach. BASF will wegen der Auftragsflaute eine Anlage in Ludwigshafen zur Herstellung von Petrochemikalien vorübergehend abstellen.

Für etwas Enttäuschung bei Investoren sorgte auch der Ifo-Konjunkturindex. Zwar fiel der Gesamtindex im Rahmen der Erwartungen aus, der erneut gestiegene Teilindex, der die Einschätzung der deutschen Firmen für die kommenden sechs Monate misst, lag aber unter den Prognosen von Experten.

Europäische Bankaktien legten eine Atempause ein, der Branchenindex verlor 0,9 Prozent. "Die Bankaktien sind soweit vorgelaufen, das ist jetzt ganz normal", sagte ein Händler. Gegen den Branchentrend schossen im Dax Commerzbank-Aktien  15,7 Prozent auf 3,82 Euro nach oben. Seit ihrem Tiefststand von 2,22 Euro am 6. März haben die Papiere damit rund 40 Prozent an Wert gewonnen. Händler verwiesen auf das im Vergleich zu Konkurrenten noch immer bestehende Nachholpotenzial der Aktie sowie auf einen Zeitungsbericht, wonach die Bank der EU-Kommission noch vor ihrer Hauptversammlung am 15. Mai einen umfassenden Restrukturierungsplan vorlegen will. "Das schafft Sicherheit", kommentierte ein Börsianer.

Gefragt waren auch Volkswagen-Papiere , die gut 10 Prozent anstiegen. Händler verwiesen darauf, dass Großaktionär Porsche  von Banken neue Kredite über zehn Milliarden Euro erhält.

Tui präsentiert Jahresverlust

Auch Aktien von Tui  stehen mit Zahlen im Fokus. Der Reisekonzern hat 2008 im fortgeführten Geschäft einen höher als erwarteten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erwirtschaftet, wagt aber noch keine Gesamtprognose für 2009.

Tui ist im vergangenen Jahr tiefer in die roten Zahlen gerutscht als erwartet. Der auf die Tui-Aktionäre entfallende Verlust betrage unter dem Strich 121,3 Millionen Euro, teilte der Konzern am Mittwoch in Hannover mit.

Der Vorstand konnte seine Zusage vom Dezember, 2008 ein positives Nettoergebnis zu erzielen, nicht halten. Für das laufende Jahr wagte der Vorstand noch keine Gesamtprognose. Allerdings soll das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Unternehmenswerte in der Touristik steigen. In der Containerschifffahrt erwartet der Vorstand einen Ergebnisrückgang und startet ein Sparprogramm für Hapag Lloyd.

Nebenwerte: Hochtief besser als erwartet

Zudem rücken einige Unternehmen aus der zweiten Reihe mit Geschäftszahlen in den Blick. Das Zahlenwerk von Hochtief  etwa ist Händlern zufolge solide und besser als erwartet ausgefallen.

Vor allem auf der Gewinnebene habe der Bau- und Dienstleistungskonzern gut abgeschnitten, sagte ein Börsianer am Mittwochmorgen. Zwar erwarte HOCHTIEF, dass Auftragseingang, Auftragsbestand und Umsatzerlöse 2009 unter dem Vorjahresniveau liegen werden.

Das Vorsteuerergebnis und das Konzernergebnis sollen hingegen die Werte von 2008 treffen. Alles in allem klängen die Aussagen damit positiv, so dass die Aktien im frühen Handel zu den Gewinnern zählten.

Gagfah behält Dividende bei

Die Immobiliengesellschaft Gagfah  hat indes im Jahr 2008 die Mieteinnahmen leicht gesteigert und schüttet eine stabile Quartalsdividende aus.

Auf operativer Ebene ist das EBIT stark eingebrochen, da Gagfah im Vorjahr von Bewertungsgewinnen profitierte. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern ohne die Berücksichtigung von Änderungen in der Bewertung des Immobilienstandes stieg dagegen um 9 Prozent auf 449,6 Millionen Euro. Im laufenden Jahr will das Unternehmen weiter organisch wachsen.

Euro etwas schwächer

Der Roboterhersteller Kuka  verbaut seinem neuen Großaktionär, dem schwäbischen Mittelständler Grenzebach, den Einzug in den Aufsichtsrat. Laut einem Bericht im "Handelsblatt" hat sich ein Aufsichtsratsmitglied der Kapitalseite gegen einen Einstieg des neuen Großaktionärs ausgesprochen.

Einen konkreten Grund dafür habe er allerdings nicht genannt. Ein Börsianer wertete die Nachricht leicht negativ, da dies die geplante Kooperation zwischen den beiden Unternehmen belasten könnte.

Die Papiere von United Internet  gaben leicht nach. Händler verwiesen als Belastung auf enttäuschende Zahlen der Tochter AdLINK Internet Media.

Der Vakuumpumpen-Hersteller Pfeiffer Vacuum  will derweil für das "schwierige Jahr" 2008 die Dividende um rund 6 Prozent anheben. Entsprechend gefragt waren die Aktien vorbörslich.

Euro vor ifo-Index etwas schwächer

Vor der Veröffentlichung des deutschen Ifo-Geschäftsklima-Index hat der Euro am Mittwoch keine klare Richtung gefunden. Mit 1,3450 Dollar notierte die Gemeinschaftswährung leicht unter dem New Yorker Schlussniveau von 1,3475 Dollar.

Händler sagten, viele Anleger wollten abwarten, wie sich das Geschäftsklima im März in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone entwickelt habe.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa und ap

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