Börsenschluss Kursfeuerwerk an US-Börsen

Der New Yorker Aktienmarkt hat mit enormen Kursgewinnen geschlossen. Der Dow Jones legte um knapp 7 Prozent zu. Die stärksten Zuwächse verzeichneten Banktitel: Citigroup-Aktien stiegen um über 19 Prozent, Papiere der Bank of America um 26 Prozent, die von JPMorgan gar um knapp 25 Prozent.

New York - Die US-Börsen haben am Montag nach der Veröffentlichung eines Hilfsprogramms der US-Regierung für die schwer angeschlagenen amerikanischen Banken den Handel mit starken Kursgewinnen beendet. Die New Yorker Börsen feierten den Plan des US-Finanzministers Timothy Geithner, hieß es von Marktbeobachtern.

Der Dow Jones  schloss 6,84 Prozent fester mit 7775 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 kletterte um 7,07 Prozent auf 822 Stellen. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  legte um 6,76 Prozent auf 1555 Zähler zu.

Zu den größten Gewinnern zählten die Aktien der führenden amerikanischen Finanzkonzerne. Die Aktien der Citigroup  schlossen am Ende mit einem plus von 19,47 Prozent auf 3,13 Dollar, Bank of America  rückten um 26,01 Prozent auf 7,80 Dollar vor und die Aktien von JPMorgan sprangen um 24,67 Prozent auf 28,86 Dollar hoch. Trotz der zum Teil starken Kursgewinne gab es auch warnende Stimmen von Börsen-Experten: Sie sprachen von einem "Bullenrennen auf dünnem Eis".

Die Regierung in Washington hatte ein Programm zum Kauf von Wertpapieren von bis zu einer Billion US-Dollar (740 Milliarden Euro) aufgelegt. Ziel sei, privates Kapital für den Kauf dieser Vermögenswerte anzulocken und dadurch die Bilanzen der Banken von diesen erheblichen Belastungen zu befreien. "Das wird den Banken erlauben, ihre Bilanzen aufzuräumen", zeigte sich Geithner zuversichtlich.

Der Plan zur "Entgiftung" des schwer angeschlagenen Bankensektors sieht vor, private Investoren ins Boot zu holen, um faule Kredite und Wertpapiere im Wert von bis zu einer Billion Dollar aufzukaufen. Das Finanzministerium hofft auf eine ganze Reihe von Interessenten wie Pensionsfonds oder Versicherungen.

Die amerikanische Immobilienkrise 2007 sowie im September 2008 die Pleite der Bank Lehman Brothers  hatten den Markt für derartige Papiere zusammenbrechen lassen. Die US-Regierung hofft jetzt auf soviel Interesse von Investoren, dass 500 Milliarden Dollar zusammenkommen. Bei Bedarf könnte der Plan sogar auf eine Billion Dollar ausgeweitet werden. Allein für den Kauf fauler Altkredite sollen 75 bis 100 Milliarden aus dem bestehenden Bankenrettungsplan verwendet werden.

Auch die Aktien des schwer angeschlagenen Versicherungskonzerns American International Group (AIG)  konnten mit der allgemein guten Stimmung für Finanzwerte kräftig zulegen. Die Papiere von AIG gewannen 17,46 Prozent auf 1,48 Dollar. Dabei gab es erneut negative Schlagzeilen von der AIG. So lagen die umstrittenen Bonuszahlungen an führende Manager des Versicherungskonzerns höher als bisher angenommen und betrugen laut Staatsanwaltschaft 218 Millionen Dollar (161 Millionen Euro) statt der bislang bekannten 165 Millionen Dollar. Die AIG-Konkurrenten haben laut der Finanzzeitung "Wall Street Journal" zudem gegen die Staatshilfe für den Versicherer protestiert.

Zu den Gewinnern des Tages zählten auch die Aktien der großen Ölkonzerne. Im Zuge der starken Kursentwicklung an den Aktienmärkten sprang auch der Ölpreis deutlich nach oben. So schlossen die Aktien von Exxon Mobil  den Handel mit einem Aufschlag von 6,72 Prozent auf 70,53 Dollar und die von Chevron  mit 6,86 Prozent auf 69,15 Dollar.

Die Aktien des Computerkonzerns IBM  legten um 6,70 Prozent auf 98,71 Dollar zu. Das vom Markt erwartete Übernahmeangebot für den Konkurrenten Sun Microsystems  soll sich laut einem Pressebericht verzögern. IBM prüfe derzeit die Bücher, berichtete das WSJ unter Berufung auf mehrere mit der Situation vertraute Personen. Die Aktien von Sun Mircosystems verzeichneten hingegen Kursverluste und rutschten um 1,98 Prozent auf 7,94 Dollar.

Commerzbank gefragt

Die Pläne der US-Regierung haben auch die deutschen Aktienmärkte beflügelt. Der Dax beendete den Handel 2,7 Prozent höher bei 4176 Punkten.

Gefragt bei Investoren waren insbesondere Finanzwerte - der europäische Branchenindex legte 7,4 Prozent zu. Das milliardenschwere Programm von Geithner könnte zum Ende der Vertrauenskrise beitragen, sagten Börsianer. "Erst wenn die Banken in der Lage sind, die Krediteinschränkungen zu lockern, werden sich die Maßnahmen der Zentralbanken und Regierungen rund um die Welt in Form von verstärkter Darlehens- und Kredittätigkeit auszahlen", erklärte Schroders-Chefvolkswirt Keith Wade.

Im Dax  hoben Commerzbank  um 9,5 Prozent auf 3,01 Euro ab, Deutsche Bank  legten 8,5 Prozent auf 30,70 Euro und Allianz  5,6 Prozent auf 67,54 Euro zu. Im Stoxx 50  waren ING  mit einem Kurssprung von 17 Prozent größter Gewinner. "Es ist aber noch zu früh, von einer Trendwende zu sprechen, dafür stehen noch zu viele schlechte Nachrichten an", warnte ein Händler mit Blick auf die im April beginnende Quartals-Berichtssaison.

In London schossen Barclays-Aktien  als Reaktion auf Spekulationen auf einen baldigen Verkauf der ETF-Sparte Ishares 15 Prozent nach oben. Die Privat-Equity-Häuser Hellman & Friedman, Bain Capital und TPG  haben nach Angaben von mit der Situation vertrauten Personen Interesse an Ishares bekundet. Der Verkaufspreis könnte Analystenschätzungen zufolge bei etwa drei Milliarden Pfund liegen. Damit könnte nach HSBC  nach Expertenmeinung um eine Kapitalerhöhung herumkommen.

In Frankfurt drehten Aktien der Deutsche Börse  nach der überraschenden Trennung von Finanzvorstand Thomas Eichelmann zeitweilig ins Minus und schlossen nahezu unverändert. "Eichelmann war erfolgreich, er war ein Macher des Erfolgs der letzten Jahre", sagte ein Börsianer.

Daimler-Aktien schossen nach dem Einstieg der Investmentfirma Aabar - hinter der die staatliche International Petroleum Investment Company (IPIC) steht - bis zu 8,3 Prozent auf 23,10 Euro nach oben. Allerdings schmolz das Plus bis zum Handelsschluss auf 1,4 Prozent zusammen. "Erst gab es die große Euphorie, dann verflogen die Übernahmespekulationen wieder. Daimler hat jetzt einen weiteren Großaktionär und braucht keine zusätzliche Unterstützung etwa durch eine Überkreuzbeteiligung mit BMW", sagte ein Börsianer.

Goldman Sachs stuft Autosektor hoch

Goldman Sachs stuft Autosektor hoch

Neben den positiven Neuigkeiten aus Stuttgart habe auch eine Sektorstudie die Automobilwerte angetrieben, sagten Börsianer. Goldman Sachs stufte den europäischen Autosektor auf "Attractive" hoch.

Zudem erhöhten die Experten ihr Votum für die Titel des Autozulieferers Leoni  von "Neutral" auf "Buy". Die Experten sehen im Automobilsektor die beste Kaufgelegenheit seit zehn Jahren. Leoni-Titel verteuerten sich um 6,76 Prozent auf 6,79 Euro und waren damit einer der Favoriten im MDax .

Eon will sich gegen Gasnetzverkauf wehren

Eon  gewannen rund 3 Prozent. Dem Energiekonzern könnten einem Pressebericht zufolge Millionenbußen oder ein Zwangsverkauf der Gasnetze ins Haus stehen. In den zur Entscheidung anstehenden EU-Verfahren, wolle Deutschlands größter Energieversorger alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen - notfalls bis hin zum Europäischen Gerichtshof, zitierte der SPIEGEL Unternehmenskreise. Nachdem RWE bereits zum Verkauf seines Gasnetzes gezwungen worden sei, würde eine ähnliche Entscheidung der EU bezüglich Eon nicht überraschen, sagte ein Händler.

Rekordgewinn bei MTU, Kooperation bei Gildemeister

Die Titel von MTU Aero Engines  profitierten derweil von einem Rekordgewinn des Triebwerksbauers im abgelaufenen Jahr und gewannen nach der Vorlage des Zahlenwerks zuletzt noch rund 2,60 Prozent auf rund 19 Euro. Besonders der Geschäftsbereich MRO mit dem zivilen Instandhaltungsgeschäft habe dank der abgeschlossenen Restrukturierung die Marge deutlich gesteigert, kommentierte Analyst Markus Turnwald von der DZ Bank.

Papiere von Gildemeister  mussten einen Großteil ihrer Gewinne wieder abgeben und notierten zuletzt noch mit rund 0,50 Prozent im Plus. Der Werkzeugmaschinenbauer kündigte eine Kooperation mit dem japanischen Wettbewerber Mori Seiki an.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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