Wochenausblick Ist das Schlimmste überstanden?

Anleger schöpfen Hoffnung. Nach einer erholsamen Woche könnte der Aktienmarkt endlich seinen Boden gefunden haben, orakeln Strategen in Frankfurt und New York. Gebannt blicken sie auf die erwarteten Konjunktur- und Firmendaten. Noch immer steht jedoch die Befürchtung im Raum, dass die Lage dramatischer ist als angenommen.

Frankfurt - Anleger am deutschen Aktienmarkt können in der neuen Woche auf weiter steigende Kurse hoffen - auf eine mit dem Frühling einsetzende Trendwende aber wohl noch nicht. Am Freitag hatte der Dax  zwar vorübergehend wieder die psychologisch wichtige Marke von 4000 Punkten genommen, was LBBW-Aktienstratege Michael Köhler als Zeichen wertete, dass möglicherweise Raum nach oben geöffnet werde.

Allerdings blieb dem deutschen Leitindex ein krönender Abschluss der Handelswoche dann doch verwehrt: Er schloss am Ende 0,1 Prozent tiefer bei 3954 Punkten. Auf Wochensicht war dies aber immer noch ein Plus von 7,8 Prozent.

Die Erholungsbewegung an den Aktienmärkten bestärkt Georg Elsäßer, Analyst bei der WestLB, darin, dass eine Bodenbildung an den Märkten im Gange ist. Gleichwohl sieht er darin noch nicht den Auftakt zu einer nachhaltigen Rally. Seiner Ansicht nach spricht eine Vielzahl von Unsicherheitsfaktoren, insbesondere im Hinblick auf die globalen Wachstumsperspektiven gegen eine nachhaltige Trendwende. Einen "Fall ins Bodenlose" befürchtet er allerdings nicht. Mit Anzeichen einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung rechnet er allerdings frühestens ab der zweiten Jahreshälfte.

Zu Wochenbeginn dürften zunächst die Ergebnisse der Beratungen der Finanzminister aus den wichtigsten 20 Schwellen- und Industrieländern im Mittelpunkt stehen, die am Samstag im britischen Horsham zusammengekommen waren. Dort hatten sie zur Großoffensive auf die Finanz- und Wirtschaftskrise aufgerufen und sich unter anderem auf eine Reihe von Maßnahmen geeinigt, die auf mehr Transparenz und Regulierung an den Finanzmärkten abzielen.

"Die Frage ist, ob sie ein koordiniertes Vorgehen hinbekommen", hatte am Freitag Thomas Grüner von der Landesbank Berlin gesagt. Eine gemeinsame Erklärung - auf die sich die Minister dann auch verständigten - könne als positiv gewertet werden.

US-Zentralbank (fast) ohne Handlungsmöglichkeit

Besonders stark in den Blickpunkt rücken wird nach Einschätzung der Experten zudem die Sitzung des für die Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschusses der US-Notenbank (Fed) am Mittwoch. An der Zinsschraube kann die Fed kaum noch drehen. Die Frage ist daher, ob sie dem Beispiel der Briten folgt und sich für den Ankauf von Staatsanleihen entscheidet. Analysten blieben eher skeptisch.

Neue Hinweise, wie es um die US-Wirtschaft bestellt ist, erhoffen sich Anleger von zahlreichen Konjunkturdaten. Unter anderem stehen die Statistiken zur Industrieproduktion und zur Entwicklung der Verbraucherpreise sowie die Frühindikatoren an.

Hierzulande wird der ZEW-Index - der die Konjunktureinschätzungen von Finanzexperten abbildet - mit Spannung erwartet. "In den vergangenen Monaten war das immer einer der wenigen Glanzpunkte", meinte etwa LBBW-Stratege Köhler. Für März sagten von Reuters befragte Experten nun wieder eine Eintrübung bei den Konjunkturerwartungen voraus.

Auch die Experten der LandesBank Berlin (LBB) erkennen in den jüngsten Kursanstiegen noch keine Basis für nachhaltige Kurssteigerungen. "Die Finanzmarktkrise sollte nicht vorschnell als beendet bezeichnet werden", so die LBB. Zudem scheine die konjunkturelle Lage noch schlechter zu sein, als es die düsteren Prognosen bereits zeigten, so die LBB. Dafür sprächen auch eine Vielzahl an Produktionskürzungen, Kurzarbeit und gesenkten Unternehmensausblicken, die in der abgelaufenen Woche bekannt gegeben wurden.

Linde  legt am Montag seine Bilanz vor. Vor allem der Ausblick des Industriegasekonzerns interessiert die Anleger. Bislang hat sich Linde verglichen mit anderen Chemieunternehmen in der Krise wacker geschlagen.

Aus der ersten Börsenliga laden außerdem Allianz  und BMW  zu ihren Jahrespressekonferenzen, aus dem MDax  sind das unter anderem Altana , Bilfinger Berger  oder HeidelbergCement . Auf der Hauptversammlung von Arcandor  werden Anleger den neuen Vorstandschef Karl-Gerhard Eick in die Pflicht nehmen und Aussagen zur künftigen Strategie und zur Finanzierung fordern. Von Interesse wird auch die Bilanz der HVB-Mutter UniCredit sein - und vor allem die Entwicklung des Osteuropageschäfts.

Zunehmend rücken auch die US-Unternehmen wieder in den Fokus. Unter anderem informieren der Logistikkonzern FedEx , der SAP-Konkurrent Oracle  und der Adidas-Konkurrent Nike  über ihre Geschäftsentwicklung per Ende Februar.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

Mehr lesen über