Märkte Dow Jones schließt 5,8 Prozent im Plus

Der Dow Jones hat das höchste Plus seit Jahresbeginn verzeichnet. Der wichtigste US-Index legte an der New Yorker Börse um 5,8 Prozent zu. Gefragt waren vor allem Banktitel. Aktien der Citigroup gewannen 38 Prozent, die Bank of America knapp 28 Prozent. Zuvor hatte bereits der Dax einen kräftigen Sprung nach oben gemacht.

New York - Positive Nachrichten von der Großbank Citigroup  haben an den US-Börsen am Dienstag ein Kursfeuerwerk ausgelöst. Das von der Finanzkrise schwer gebeutelte Geldhaus schreibt nach der Rettung durch die Regierung nach eigenen Angaben wieder Gewinne. Die Nachricht beflügelte die gesamte Finanzbranche. Auch Aussagen von einflussreichen Politikern und Notenbankchef Ben Bernanke sorgten für gute Stimmung. Händler hoffen auf neue unternehmensfreundliche Regelungen bei Leerverkäufen und Bilanzierungsvorschriften. Auch die zuletzt arg gebeutelten Technologietitel legten kräftig zu.

Der Dow Jones  schloss 5,8 Prozent im Plus bei 6926 Punkten, dem höchsten Stand des Tages bei einem Tief von 6546 Zählern. Der breiter gefasste S&P-500 legte 6,4 Prozent auf 719 Stellen zu. Der Technologie-Index Nasdaq  kletterte sogar um 7,1 Prozent auf 1358 Punkte.

Hauptgrund für die Kursrallye war ein Brief von Citigroup-Chef Vikram Pandit, demzufolge die einst weltgrößte Bank im Januar und Februar schwarze Zahlen geschrieben hat. Auch interne "Stress-Tests" mit sehr pessimistischen Annahmen hätten ergeben, dass die Citigroup über genügend Kapital verfüge, hieß es in einem internen Schreiben von Pandit. Die Aktie von Citigroup schoss daraufhin 38,1 Prozent auf 1,45 Dollar in die Höhe. In der vergangenen Woche war das Dividendenpapier erstmals unter einen Dollar gefallen.

"Der Markt interpretiert Citigroup als positive Nachricht. Das ist wie eine kleine Pause in der negativen Rhetorik, die bisher aus Washington kam", sagte Peter Cardillo, Chef-Volkswirt von Avalon Partners. Die gesamte Finanzbranche atme nach den Aussagen Pandits durch, erläuterte Händler Michael James die Kursgewinne. So kletterten die Papiere der Bank of America  um rund 27,7 Prozent, die von J.P.Morgan um 22,6 Prozent und die von Wells Fargo um 18,5 Prozent. Die Papiere von Versicherungsgigant AIG  und die zuletzt arg gebeutelten Aktien des Mischkonzerns General Electric  schossen jeweils rund 20 Prozent nach oben.

Mit Freunde aufgenommen wurden Vorstöße zu Einschränkungen bei Leerverkäufen. Die US-Börsenaufsicht SEC erklärte, dass sie sich möglicherweise bei einem Treffen im April mit der Wiedereinführung einer Regelung ("uptick rule") beschäftigen werde, Leerverkäufe - also Wetten auf fallende Kurse - einzuschränken. "Das wäre eine weitere sehr gute Nachricht für Finanzbranche", erklärte Börsenexperte James.

Positiv reagierte der Markt auf Forderungen von Fed-Chef Bernanke nach "Verbesserungen" bei den Bilanzierungsregeln. Der Marktbewertungsansatz (Mark to Market), nach dem Unternehmen Anteile zum aktuellen Marktpreis in der Bilanz führen müssen, hat viele Finanzinstitute zu milliardenschweren Abschreibungen gezwungen - unter anderem AIG. Er wolle die Mark-To-Market-Bewertung nicht abschaffen, sagte Bernanke, aber einige schwache Punkte überarbeiten.

Unterstützung erhielt die Wall Street darüber hinaus von Äußerungen des Finanzministers Timothy Geithner. Er hatte am Montag nach einem Treffen mit Abgeordneten der Demokraten in Washington gesagt, die USA hätten in Wochen mehr getan als andere Staaten in Jahren, um die Wirtschaftsprobleme anzugehen.

Von dem positiven Trend profitierte auch der Technologie-Index Nasdaq, der am Montag auf den tiefsten Stand seit über sechs Jahren gefallen war. Die Papiere des iPhone-Herstellers Apple  legten 6,7 Prozent zu, die des Suchmaschinenbetreiber Google  gewannen 5,9 Prozent. Noch deutlicher stiegen mit 8,6 Prozent die Dividendenpapiere des Mischkonzerns United Technologies zu. Der weltgrößte Hersteller von Fahrstühlen und Klimageräten hatte seine Gewinnerwartung für 2009 heruntergeschraubt und den Abbau von 12.000 Stellen angekündigt.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 2,19 Milliarden Aktien den Besitzer. 2918 Werte legten zu, 221 gaben nach und 37 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,39 Milliarden Aktien 2243 im Plus, 468 im Minus und 123 unverändert. An den US-Kreditmärkten fielen die zehnjährigen Staatsanleihen um 24/32 auf 99-31/32. Sie rentierten mit 2,630 Prozent. Die 30-jährigen Bonds gaben 35/32 auf 97-29/32 nach und hatten eine Rendite von 2,993 Prozent.

"Dax außer Rand und Band"

Der deutsche Aktienmarkt hat vorher mit einem Plus von mehr als 5 Prozent geschlossen. Aktien der Deutsche Bank waren mit einem Plus von 16,5 Prozent größter Gewinner im Dax.

Angeführt von deutlichen Kursgewinnen der Bankaktien und gestützt auf positive Impulse von der Wall Street hat der Leitindex Dax 5,28 Prozent auf 3.886,98 Zähler zugelegt. Im späten Handel erklomm er bei 3.908,14 Punkten sein Tageshoch. Der MDax der mittelgroßen Werte stieg um 5,58 Prozent auf 4.395,88 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax gewann 4,95 Prozent auf 429,58 Punkte.

Das Xetra-Handelsvolumen im Dax stieg auf 207 (Montag: 167,7) Millionen Aktien. Der Umsatz betrug 4,2 (2,6) Milliarden Euro und lag damit so hoch wie seit Mitte Januar nicht mehr.

"Dem Dax ist heute der Befreiungsschlag gelungen, den viele für längst überfällig gehalten haben", sagte ein Aktienhändler. Allerdings bleibe auch weiter sehr viel Skepsis im Markt. "Die Leute bleiben weiter extrem vorsichtig und ängstlich." Auch Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank ist sicher, dass "noch viel Vertrauensarbeit zu leisten ist". Dennoch sei es eine "Genugtuung" zu sehen, dass der Dax auf positive Signale wie die der US-Bank Citigroup und der Rede des US-Notenbankchefs Ben Bernanke "noch Reaktionen zeigt und nicht schon klinisch tot ist".

"Der Dax hatte das Level für eine strategische Wende erreicht - jetzt ist er mit kräftigem Rückenwind der Citigroup außer Rand und Band", sagte Helaba-Marktanalyst Mirko Pillep. Das schaffe Potenzial für einen weiteren Kursanstieg. "Allerdings müssen die Gewinne verteidigt werden, mindestens einmal morgen und übermorgen", betonte er. Dann könne der Leitindex auch Richtung 4000 bis 4200 Punkte steigen. "Es ist ein zartes Pflänzchen Hoffnung, das durch weitere schlechte Nachrichten schnell zerstört werden kann." Bislang gebe es fast nur Short-Eindeckungen. "Es ist bislang nicht allzu viel frisches Geld zu sehen, erst wenn sich die Erholung verstetigt, könnte mehr daraus werden", fügte Pillep hinzu.

Der MDax  der mittelgroßen Werte rückte sogar um 3,92 Prozent auf 4.326,80 Punkte vor. Der Technologiewerte-Index TecDax  gewann 2,87 Prozent auf 421,06 Punkte.

Zu den größten Gewinnern gehörten Finanztitel und Autowerte. Deutsche Bank , Commerzbank  und Daimler legten zwischen 7 und 16 Prozent zu, während der Energiekonzern Eon am Ende des Index um mehr als 8 Prozent nachgab.

Börse in Frankfurt: Daimler, VW und BMW fester

Daimler, VW und BMW gefragt

Im Dax waren vor allem Autowerte gefragt. Volkswagen  legten 2,3 Prozent auf 212,60 Euro zu und BMW  stiegen um 1,3 Prozent auf 20,43 Euro.

Daimler  haben am Dienstag an der Dax-Spitze zeitweise rund 6 Prozent auf 19,69 Euro gewonnen. Morgan Stanley stufte die Automobiltitel um zwei Stufen von "Underweight" auf "Overweight" an und rät zudem, von BMW  und Porsche  in Daimler  umzuschichten.

Daimler sei der einzige deutsche OEM-Hersteller, der empfohlen werde, so die Experten. Für Investoren, die nach einem frühen Engagement im Autosektor für eine Bärenmarktrally oder gar eine nachhaltige Wirtschaftserholung suchten, seien Daimler-Aktien aber erste Wahl.

Nikkei weiter schwach

Europaweit waren Banken der stärkste Sektor - der Branchenindex zog um über 4 Prozent an. "Die Finanzwerte sind einfach zu sehr geprügelt worden", begründete ein weiterer Händler deutliches Erholungspotenzial. "Es wird Banken geben, die gestärkt aus der Krise hervorgehen. Dazu könnte die Deutsche Bank gehören."

Die Börse in Tokio hat am Dienstag erneut schwächer geschlossen. Der Nikkei  für 225 führende Werte gab um 31 Punkte oder 0,4 Prozent auf 7054 Punkte nach. Das ist der niedrigste Stand seit 26 Jahren. Händler nannten als Gründe die negative Vorgabe der Wall Street und die weiter andauernde Sorge um die Lage der japanischen und der globale Wirtschaft.

Eon nach Zahlen sehr schwach

Eon nach Zahlen sehr schwach

Stärkster Verlierer waren mit Abstand Eon mit einem Minus von zeitweise 9 Prozent auf 18,36 Euro. Zwar lagen die veröffentlichten Jahreszahlen im Rahmen der Erwartungen, allerdings hatte das Unternehmen am Montagabend überraschend seine mittelfristigen Gewinnprognosen gesenkt. Darunter litten offenbar auch die Aktien von RWE , die 3,9 Prozent auf 46,48 Euro abgaben.

Eon  steigerte zwar 2008 seinen Umsatz deutlich und übertraf die Erwartungen von Analysten. Doch wegen der Wirtschaftskrise kürzt das Unternehmen seine Investitionen, bereits am Montagabend hatte das Unternehmen eine Senkung der Prognose für 2010 mitgeteilt.

Das Unternehmen habe die ursprünglich von 2009 bis 2011 geplanten Investitionen um sechs Milliarden Euro gekürzt, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Jährlich wolle der Konzern im Durchschnitt zehn Milliarden Euro unter anderem in den Ausbau von Kraftwerkskapazitäten investieren. Bis 2010 wolle Eon eigene Geschäfte im Umfang von mindestens zehn Milliarden Euro veräußern.

Die Deutsche Post und die Steuer

Die Deutsche Post und die Steuer

Aktien der Deutschen Post könnten von einem Pressebericht profitieren. Einem Artikel der "Welt" zufolge kann das Gesetz zur Abschaffung des Steuerprivilegs der Deutschen Post nicht mehr in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden.

In einem Schreiben der Deutschen Post  an Mitglieder des Bundestages fordert der Konzern, das Gesetzgebungsverfahren wegen einer unklaren Lage in der EU-Rechtssprechung zu verschieben.

"Ein Inkrafttreten zum 1. Januar 2010 ist angesichts dieser Zusammenhänge bereits aus heutiger Sicht schon nicht mehr realistisch", heißt es in dem Brief der Post, der der "Welt" vorliegt. Ein Händler erwartet daraus kurzfristige Erleichterung für die Aktie. "Insgesamt ist es aber nur ein Aufschub und dürfte somit kein langfristiger Kurstreiber werden", sagte der Börsianer.

EADS erhöht Dividende

EADS erhöht die Dividende

Aktien von EADS  stiegen nach der Bilanzvorlage zunächst um rund zwei Prozent, gaben dann aber einen Teil ihrer Gewinne wieder ab. Der Luft- und Raumfahrtkonzern ist im vergangenen Jahr deutlich stärker in die Gewinnzone zurückgekehrt als erwartet und hebt die Dividende deutlich an. Allerdings rechnet das Unternehmen angesichts der Luftfahrtkrise und der Probleme um den Militärtransporter A400M im Jahr 2009 mit weniger Gewinn.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Unternehmenswerte und Einmaleffekten sollte 2009 "geringer als im Vorjahr, aber deutlich positiv ausfallen", hieß es. Ein Händler lobte die Zahlen, die "trotz der Abschreibungen für den A400M durch die Bank besser als erwartet ausgefallen sind." Auch die Aussagen für 2009 klängen "nicht so schlecht", was der Aktie helfen sollte. Das Papier habe kurzfristig ein Erholungspotenzial bis rund 11 Euro.

TecDax: Übernahmegerüchte treiben Q-Cells

Übernahmegerüchte treiben Q-Cells

Nach Umsatzzahlen von Taiwan Semiconductor sollten einem Börsianer zufolge Infineon  im Auge behalten werden. Der weltweit größte Produzent von Halbleiter-Bauteilen verzeichnete im Februar zwar einen Umsatzeinbruch um 59 Prozent, erhöhte jedoch seinen Ausblick für das erste Quartal aufgrund von Aufträgen aus China deutlich und erwartet zudem eine deutlich höhere Marge.

Übernahmegerüchte haben am Dienstagmorgen die Aktien des Solarkonzerns Q-Cells angeschoben. "Es gibt das Gerücht, dass Eon ein Auge auf Q-Cells geworfen hat", sagte ein Händler. Auch andere Börsianer berichteten von dem Gerücht.

Die Q-Cells-Aktie legte 5,8 Prozent auf 10,44 Euro zu und war damit einer der größten Gewinner im TecDax . Ein Eon-Sprecher erklärte, das Unternehmen kommentiere keine Marktgerüchte.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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